Flucht aus Afghanisan

„Hier kann ich zur Schule gehen“

Ahmad (links) erzählt Janno von seiner Flucht.

Ahmad (links) erzählt Janno von seiner Flucht.

Der elfjährige Ahmad Zaki Tamshidi erzählt, warum und wie er aus Afghanistan floh. Seine Eltern leben weiterhin in der alten Heimat.

Um mehr über die Gründe seiner Flucht zu erfahren, habe ich mit Ahmad Zaki Tamshidi (elf Jahre) aus Bornheim gesprochen. Er stammt aus Afghanistan.

Seit wann bist Du in Deutschland, und wo hast Du vorher gelebt?

Ahmad: Ich bin seit September 2016 hier. Wir waren ungefähr sechs Wochen unterwegs. Ich habe mit meinen Eltern und meinem Bruder in Parwan gelebt. Das ist eine kleine Stadt nördlich von Kabul.

Warst Du dort glücklich?

Ahmad: Ja, ich war zufrieden mit meinem Leben in Afghanistan. Es ging uns gut, wir hatten Geld. Mein Vater und mein großer Bruder hatten Arbeit. Ich besuchte eine Schule und spielte oft mit meinen Freunden. Unsere Familie besaß ein Auto, und zu essen gab es auch genug. Aber dann kam der Krieg und dadurch hat sich vieles verändert.

Was für ein Krieg?

Ahmad: Ich weiß nicht genau, aber man sah viele Soldaten. Die Taliban schlossen die Schulen, so dass wir manchmal tagelang nicht hin konnten. Wir fürchteten uns davor, geschlagen zu werden.

Seid Ihr deshalb geflüchtet?

Ahmad: Ich denke ja, aber das war die Entscheidung meiner Eltern.

Erzähle bitte von Eurer Flucht.

Ahmad: Wir, meine Eltern und mein Bruder mit seiner Frau und ihren beiden Kindern sind zuerst mit dem Auto in die Berge gefahren in den Iran. Später mussten wir zwölf Stunden zu Fuß immer bergab. Das dauerte die ganze Nacht. Dann ging es in einem Bus weiter nach Istanbul in der Türkei. Von dort fuhren wir mit Autos ans Meer, wo Boote auf uns warteten. Dann bereiteten wir uns auf die Überfahrt vor. Plötzlich rief der Bootführer: „Polizei”. Alle sollten ganz schnell aufs Boot kommen. Es war dunkel und es herrschte ein großes Durcheinander. Von Griechenland aus fuhren wir dann über Land mit Bussen und Zügen nach Deutschland.

Gab es gefährliche Situationen?

Ahmad: Wir hatten Angst vor Dieben. Davor, dass sie uns schlagen, wenn sie nichts Wertvolles bei uns finden.

In den Bergen trieben uns die Fluchthelfer an, weil sie Angst hatten, von der Polizei entdeckt zu werden. In den Bergen hat uns die Polizei einmal erwischt und wollte uns festnehmen. Aber wir sind schnell losgefahren. Sie haben versucht, auf uns zu schießen. Irgendwann versteckten wir uns im Wald.

In die Berge fuhren wir in Lkw auf schmalen und unbefestigten Straßen, so dass ich Angst hatte abzustürzen. Der Fahrer musste auch ganz schnell fahren, weil wir dachten, wir werden verfolgt.

Ich hatte auch Angst vorm Ertrinken, weil 85 Menschen in dem kleinen Boot eng aneinandergereiht saßen. Außerdem wackelte das Boot bedrohlich in den Wellen.

Aber am Schlimmsten war für mich, als ich in Griechenland entdeckte, dass meine Eltern nicht mehr da waren. Ich hatte in dem Durcheinander nicht mitbekommen, dass sie nicht im gleichen Boot wie ich waren. Erst viel später erfuhr ich, dass meine Eltern wieder in Afghanistan sind.

Und jetzt? Wie geht es Dir hier?

Ahmad: Es geht mir gut. Ich lebe mit der Familie meines Bruders in einem schönen Haus und habe mich gut eingelebt. Mein Deutsch ist schon viel besser. Ich lerne jetzt ein Jahr auf einer internationalen Schule, danach wechsele ich auf eine andere Schule. Ich habe schon Freunde gefunden. Aber ich habe auch Heimweh und vermisse meine Eltern.

Was gefällt Dir besonders gut hier?

Ahmad: Es gibt keinen Krieg,und ich kann regelmäßig zur Schule gehen.