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Eistauchen neben der Skipiste - Zum Wintersport nach Andorra
Von Manuel Meyer, dpa
Andorra la Vella. Andorra mag klein sein. Doch das Fürstentum im Herzen der Pyrenäen ist mit 300 Kilometern Pisten das größte Skigebiet im Hochgebirge zwischen Frankreich und Spanien. Auch für Extremsportler hält es noch Überraschungen bereit.
Andorra ist den meisten Deutschen als Einkaufsparadies ohne Mehrwertsteuer bekannt. Fußballfans denken vielleicht an hohe Niederlagen, Literaturliebhaber an Max Frischs gleichnamiges Drama. Doch Andorra lässt auch immer mehr Skifahrerherzen höherschlagen. Denn so klein das Fürstentum mit seinen 85 000 Einwohnern und 468 Quadratkilometern auch sein mag, es ist mit rund 300 Pistenkilometern das größte Skigebiet in den Pyrenäen.
Mehr als 60 Gipfel strecken sich über 2000 Meter in den meist auch im Winter blauen Himmel. Ein Drittel des Landes liegt oberhalb der Waldgrenze. Der gebirgige Zwergstaat zwischen Frankreich und Spanien ist damit ein El Dorado für Wintersportler.
Doch nach ein paar Abfahrten werden heute die Ski schon wieder abgeschnallt. Fast am Ende der Canaleta-Piste wartet Hector Encuentra in einer kleinen Holzhütte. Er führt die Besucher nur 20 Meter neben der Skipiste in eine fantastische Zauberwelt. Dafür werden allerdings die Skischuhe durch Schwimmflossen und die Sonnenbrille durch eine Tauchermaske ersetzt. Mit der Skikleidung zwängen sich die Besucher in Trockentauchanzüge, schnallen die Sauerstoffflaschen auf und stapfen durch den Schnee zum Bergsee La Canaleta.
Das von Hector in die Eisdecke geschlagene Loch wirkt winzig klein und bedrohlich. Es ist ein eigenartiges Gefühl, sich langsam in das dunkle, eiskalte Wasser des Bergsees hinab gleiten zu lassen. Hector taucht voraus. Die Sonnenstrahlen lassen die Eisdecke von unten mal weiß, mal blau und dann wieder grün erscheinen. Die ausgeatmeten Luftblasen sammeln sich an der Unterseite der dicken Eisschicht. Sie sehen aus wie kleine Quecksilberkügelchen.
Hector zeigt skurril geformte, wellenartige Eisformationen unter Wasser. Es ist eine geheimnisvolle Welt. Nur 20 Minuten dauert der Ausflug. Nach kurzem Aufwärmen in der Hütte werden wieder die Skier untergeschnallt, und es geht über die Pisten zum nächsten Adrenalin-Schub - Speedriding, eine Schussabfahrt mit Gleitschirm.
Oben auf der roten Piste La Portella del Mig steht bereits Eduard Terricabras zur Tandem-Fahrt bereit. "Terri" stellt sich hinter seinen Gast, hakt ihn an seinem Gleitschirm ein, und los geht es. "Unsere Skier müssen immer parallel sein, bloß nicht bremsen oder Schwünge machen, sonst fallen wir beide hin. Und immer geradeaus, egal, wie die Piste verläuft", ruft er.
Das Herz rast und die Skier noch schneller. Mit jedem auch noch so kleinen Hügelchen auf der Piste heben sie ein paar Meter ab. Dann macht die Piste eine Rechtskurve. Terri fährt einfach geradeaus auf den Abhang zu, und plötzlich schwebt man 30 Meter über dem Abgrund durch die Luft. Automatisch hält man den Atem an, möchte die Augen zukneifen, aber die Aussicht ist zu schön und der Adrenalinspiegel zu hoch. Landung auf der Piste, um nach einigen Metern erneut auf den nächsten Abgrund zuzurasen. Am Ende zittern die Oberschenkel. Das Grinsen im Gesicht vergeht jedoch erst Stunden später.
Artikel vom 14.01.2013
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