Kommentar zum Bonner Hauptbahnhof

Zusätzliches Ärgernis

Außer Betrieb: Vor Mitte Juli wird die Rolltreppe zu Bahnsteig 1 nicht wieder funktionieren.

Außer Betrieb: Vor Mitte Juli wird die Rolltreppe zu Bahnsteig 1 nicht wieder funktionieren.

Bonn. Barrierefreiheit sieht anders aus: Der Hauptbahnhof ist für Behinderte derzeit nur schwer zugänglich. Sowohl der Aufzug an der Quantiusstraße als auch die Rolltreppe zum Bahnsteig 1 sind defekt. Eine unbefriedigende Situation, findet unser Autor Philipp Königs.

Die Situation am Bonner Hauptbahnhof ist derzeit äußerst unbefriedigend. Die Pendler müssen dort ohnehin mit erheblichen Einschränkungen aufgrund der denkmalgerechten Sanierungen klarkommen, auch wenn die Teilöffnung von Bahnsteig 1 etwas Linderung gebracht hat. Die immer wieder ausfallenden Rolltreppen und Aufzüge sind ein zusätzliches Ärgernis, das unglaublich viele Fahrgäste betrifft.

Für Behinderte, Eltern mit Kinderwagen, Senioren und Reisende mit schwerem Gepäck muss die Fahrt ab dem Hauptbahnhof einem Spießrutenlauf gleichen. Es ist schon eine Weile her, da zahlte die Deutsche Bahn einer behinderten Kundin, die von ihrem Arbeitsort Köln in die Bonner Heimat wollte, nach Angaben der Behinderten-Gemeinschaft ein Fahrticket bis nach Koblenz und zurück, weil erst dort der nächste Aufzug zur Verfügung stand. Alles, damit sie auf Gleis 1 aussteigen konnte. Sicher ist das ein Extremfall. Doch zeigt ein Blick ins Bundesgebiet: Die Liste defekter Aufzüge und Rolltreppen an Bahnhöfen, die immer wieder und lange Zeit ausfallen, ist lang.

Nun argumentiert die Deutsche Bahn, sie müsse wirtschaftliche Entscheidungen treffen und Angebote einholen, um Preise zu vergleichen. Das mag ja auf den ersten Blick einleuchten. Aber der Bahnkunde kann schon erwarten, dass Verträge mit Unternehmen so geschlossen werden, dass eine zügige Instandhaltung gewährleistet ist.

Er kann ebenso erwarten, dass technische Anlagen erneuert werden, wenn sie ihren Zenit überschritten haben. Überdies sind solche Investitionen nicht rein betriebswirtschaftlich zu betrachten, sondern auch volkswirtschaftlich. Die Barrierefreiheit ist ein nicht zu unterschätzender Baustein, um Autofahrer für den Nahverkehr zu gewinnen. Am Bonner Hauptbahnhof hat die DB die Installation neuer Rolltreppen in den Sanierungsplan aufgenommen. Man kann nur hoffen, dass die Umsetzung barrierefrei gelingt.