Erwachsene Sternsinger in Bonn

Zum Dank gibt es für die Könige ein Kölsch

Singen, sammeln und den Segen bringen: Erwachsene Sternsinger besuchen Gaststätten in der Innen- und Altstadt. FOTO: MEURER

Singen, sammeln und den Segen bringen: Erwachsene Sternsinger besuchen Gaststätten in der Innen- und Altstadt.

BONN. Erwachsene Sternsinger ziehen durch Gaststätten in City und Altstadt und sammeln Geld für notleidende Kinder.

Als der Gesang ertönt, verstummen alle anderen Geräusche in der Kneipe sofort. Andächtig hören die Gäste zu. "Wir kommen daher aus dem Morgenland. Wir kommen geführt von Gottes Hand. Wir wünschen euch ein fröhliches Jahr - Caspar, Melchior und Balthasar", erklingt es aus elf Kehlen. Die Sternsinger sind da!

Allerdings sind es nicht wie üblich Mädchen und Jungen, die als Heilige Drei Könige verkleidet Geld für notleidende Kinder sammeln und den Segen bringen (siehe Kasten). Die Sternsinger, die gerade die Gaststätte "Sonja's" besuchen und bei den Gästen um Spenden bitten, sind zwischen 20 und 40 Jahren alt - also nicht mehr im typischen Sternsinger-Alter.

Klar, dass sich Wirtin Sonja Reul dennoch sehr über den besonderen Besuch freut. Bereits im vergangenen Jahr seien die erwachsenen Könige in ihrer Kneipe gewesen. "Sternsingen ist eine schöne Tradition, die aufrechterhalten werden sollte", sagt Reul und serviert zum Dank für den über die Tür geschriebenen Segensspruch noch schnell ein Kölsch.

Durch verschiedene Gaststätten in der Bonner Innen- und Altstadt ist die Gruppe am Freitagabend gezogen. In den sechs Lokalen ernten sie teils verwunderte, teil erfreute Blicke. Manch einer ignoriert die Sternsinger aber auch, obgleich sie nach Kräften singen und immer wieder den Hintergrund der Aktion erläutern. Organisiert hat das Sternsingen für ältere Semester der Stadtverband Bonn des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass in diesen Tagen viele Kinder als Sternsinger durch die Straßen ziehen und an Häusern klingeln", sagt Gabriel Kunze vom Bonner BDKJ-Vorstand. "Em Höttche" oder im "Salvator" zieht er die meisten Blicke auf sich, ist er doch nicht als orientalischer König, sondern als Kamel verkleidet. Ein bisschen Spaß und Selbstironie gehören nun mal dazu.

Zugleich wolle man mit der Aktion aber auch darauf aufmerksam machen, dass es immer schwieriger werde, Jungen und Mädchen zu finden, die bereit seien, an der Sternsinger-Aktion teilzunehmen, sagt Kunze weiter. "Dies liegt zum einen daran, dass es nicht mehr so populär ist und die Hintergründe nicht mehr so bekannt sind."

Auch gebe es viele Eltern, die ihre Kinder nicht mehr mitschicken wollten, da sie befürchteten, dass dem Nachwuchs etwas passiere, fügt er hinzu. Solche Sorgen wolle man entkräften. "Wir wollen zeigen, dass Sternsinger überall willkommen sind, in Wohnhäusern, aber auch in Kneipen", sagt Kunze. Nach rund zwei Stunden endet die Tour. Genau 311,91 Euro befinden sich in den Sammelbüchsen. Die Gruppe ist zufrieden - und will nächstes Jahr wieder losziehen.

Segensspruch

20*C+M+B+15 lautet der Segensspruch, den die Sternsinger auf Wunsch an die Häuser der Menschen schreiben, die sie besuchen. Die Buchstaben beziehen sich allerdings nicht auf die überlieferten Namen der Heiligen Drei Könige, Caspar, Melchior und Balthasar. Vielmehr stehen sie für die lateinischen Worte "Christus mansionem benedicat" ("Christus segne dieses Haus"), kombiniert mit der Jahreszahl.

Die Aktion Dreikönigssingen des katholischen  Kindermissionswerks "Die Sternsinger" und des  Bundes der Deutschen Katholischen Jugend findet zum  57. Mal statt. Deutschlandweit sammeln Sternsinger Geld für notleidende Kinder auf der ganzen Welt. Schwerpunktland der Aktion sind diesmal die Philippinen. "Gesunde Ernährung für Kinder auf den Philippinen und weltweit!" heißt das Leitwort.