Enge Tiefgaragenplätze in der Bonner City

Zu wenig Platz zum Aussteigen

09.02.2016 BONN. Für Eltern mit Babys sind Bonner Tiefgaragenplätze viel zu eng. Autotüren lassen sich nur wenige Zentimeter öffnen. Das zwingt Mütter und Väter dazu, ihre Kinder auf ungewöhnliche Art aus dem Wagen zu holen.

Ben hat die Ruhe weg. Genüsslich nuckelt er an seinem Schnuller, während er friedlich in einer Babyschale schläft. Seine Mutter Wiebke Pfob hat dagegen alle Hände voll zu tun, um ihren Sohnemann aus dem Auto zu manövrieren. Sie räumt den Kofferraum aus, stellt Taschen, Regenschirm und Kinderwagen zur Seite, löst die Abdeckung und klappt schließlich einen Teil der Sitzbank um. „Wie soll ich ihn sonst aus dem Auto bekommen?“, fragt die junge Mutter und klettert durch den Kofferraum ins Innere ihres Fahrzeugs. „Hier ist es so eng, dass ich Ben nicht einfach durch die Seitentür aus dem Wagen heben kann.“

Die Szene spielt sich in der Bonner Friedensplatzgarage ab. Zusammen mit ihrem 18 Monate alten Sohn will Pfob in der Bonner City gemütlich einkaufen. Eine freie Parkbucht ist schnell gefunden, das Auto geschickt hineinmanövriert. Doch dann sind Mutter und Kind in ihrem Auto gefangen. Die Stellplätze im alten Parkhausteil sind so eng, dass weder Fahrer noch Bei- und Mitfahrer ohne Verrenkungen aus dem Wagen aussteigen können. Vollkommen unmöglich ist es, ein Kind aus einem hinteren Sitz zu holen.

Parkbuchten sind enger als gesetzlich vorgeschrieben

Dabei sind die Lücken mit einer Breite von rund 2,20 Metern nur wenig enger als die in anderen Garagen. Allerdings stehen im alten Bereich der Friedensplatzgarage die tragenden Betonsäulen so ungünstig auf Höhe der Autotüren, dass diese nur einen Spaltbreit geöffnet werden können.

Einen Parkplatz weiter spielt sich eine ähnliche Szene ab. Linda Schreiber und Frauke Bachler haben einen dienstlichen Termin im Gericht. Die beiden schlanken Frauen haben ihren Mini zentimetergenau platziert, „doch ich kann die Tür nur noch einen winzigen Spaltbreit öffnen“, beklagt sich Linda Schreiber. Das Spiel beginnt erneut: Tür zu, Rückwärtsgang rein, ein paar Meter zurücksetzen und die Beifahrerin aussteigen lassen, bevor der Wagen erneut eingeparkt wird.

„Ich kann aber nicht mein Kind vorher rausholen und auf den Boden legen, bevor ich das Fahrzeug abgestellt habe“, entgegnet Wiebke Pfob den beiden Frauen in der Nachbarbucht. „Mir bleibt nur der Weg durch den Kofferraum.“ Kopfschüttend beobachten die Frauen das Spiel. „Die Stellflächen sind hier wirklich extrem eng“, pflichtet Frauke Bachler der jungen Mutter bei. „Als Schwangere hätte ich hier auch nicht aus dem Auto aussteigen können.“

Wie breit ein Parkplatz sein muss, ist in der „Sonderbauverordnung NRW“ festgelegt. Zwar ist darin eine Breite von 2,30 Metern angegeben, aber „aufgrund der Bausubstanz können wir im alten Teil der Friedensplatzgarage diese Breite nicht zur Verfügung stellen“, erklärt Sprecherin Veronika John für die Bonner City Parkraum GmbH. In allen anderen Garagen würden die Vorgaben jedoch umgesetzt. Sie empfiehlt Kunden mit kleinen Kindern deshalb, nicht in den alten Bereich (Richtung Oxfordstraße) zu fahren, sondern in den neuen Teil der Friedensplatzgarage. Dort gebe es einige größere Mutter-Vater-Kind-Plätze.

Wiebke Pfob hat inzwischen umgeparkt. Nur wenige Meter weiter holt sie ihren Sohn problemlos aus dem Auto. Diesmal hat sie ihr Auto in der Garage des Stadthauses abgestellt. Zwar sind die Stellplätze mit 2,30 Metern auch nicht viel großzügiger bemessen. „Aber hier gibt es keine Säulen, ich kann die Autotür schon wesentlich weiter öffnen“, sagt die junge Frau.

In der Friedensplatzgarage lassen jedoch nicht allein die schmalen Parktaschen so manchen Autofahrer verzweifeln. Wegen der Enge stellen gerade Fahrer von breiten SUVs ihre Karossen so ab, dass sie deutlich über die Begrenzungslinie ragen – und damit im Ergebnis zwei Parkbuchten in Beschlag nehmen. „Wir kennen das Problem“, sagt John. Sollte ein Fahrzeug auffallen, würde das Personal den Halter darauf aufmerksam machen. „Wenn wir aber sehen, dass dies wiederholt und mit voller Absicht geschieht, nur um den Lack zu schützen, dann wird ein Bußgeld verhängt.“

Große Seitenränder erleichtern das Ein- und Aussteigen

Ganz bequem ein- und aussteigen können Fahrer mit Kleinkindern in der Beethoven-Garage in der Engeltalstraße. Dort messen die Parkbuchten großzügige 2,50 Meter. „Das ist wirklich sehr komfortabel. Diese Plätze kann ich nur empfehlen“, gibt John Eltern mit auf den Weg. Gut gelöst ist das Problem in der Münsterplatzgarage. Zwar sind die einzelnen Stellplätze auch nicht breiter, als in der NRW-Verordnung vorgesehen. Durch eine geschickte Bodenmarkierung wird dem Autofahrer jedoch deutlich gezeigt, wo seine Fläche endet. Zusätzlich sind an beiden Seiten ausreichend große Seitenränder, die das Ein- und Aussteigen erheblich erleichtern.

Selbst wenn es derzeit nicht gerade viele Familienparkplätze in der City gibt, weist John ausdrücklich darauf hin, dass alle Garagen über gut einsehbare Frauenparkplätze verfügen. Und, so ergänzt die Sprecherin, regelmäßig werde überprüft, ob man das Angebot an Sonderflächen ausweiten muss. (Gabriele Immenkeppel)