Klinikkirche auf dem Venusberg

Zu Ostern gibt es wieder Geläut

Arbeiten am Glockentürmchen der Klinikkirche.

Arbeiten am Glockentürmchen der Klinikkirche.

VENUSBERG. Das kleine Gotteshaus auf dem Gelände des Uniklinikums, das sowohl von Protestanten als auch von Katholiken genutzt wird, hat seine restaurierte Glocke zurück.

Busse und Autos schlängeln sich über das Klinikgelände auf dem Venusberg, ab und zu ertönt ein Martinshorn. Unter all diese Geräusche wird sich ab sofort wieder ein vertrauter Ton mischen: die Glocke der Klinikkirche. Seit vergangener Woche hängt die circa einen halben Meter große Glocke wieder im Glockentürmchen. Zuvor musste sie in monatelanger Arbeit repariert werden und bekam einen neuen Klöppel.

„Es gab einen technischen Defekt, wahrscheinlich war es einfach Verschleiß“, sagt Franz-Josef Lausberg, leitender katholischer Pfarrer der ökumenischen Klinik-Gemeinde. „Die Glocke ist nun mit einem Tunnelzug ausgestattet. Wir haben uns für eine elektrische Lösung entschieden, das Läuten funktioniert über einen Motor.“

Vieles über die Geschichte ist unbekannt

Die Glocke, die übrigens – wie auch die Klinikkirche – keinen Heiligen zum Patron hat und auch keinen Namen trägt, hängt bereits seit vergangener Woche. Sie läutet aber noch nicht, die Montage muss noch abgeschlossen werden. „Pünktlich zur Karwoche wird sie wieder läuten“, sagt Lausberg. „Nach Ostern dann ganz normal drei Mal täglich, halbstündlich einmal, zur vollen Stunde wird sie jeweils die Uhrzeit angeben und natürlich zur Messe erklingen.“

Mehr Kirchenbesucher erhofft sich der Pfarrer dadurch nicht, aber „vielleicht hören Besucher das Geläut und suchen dann nach dem dazugehörigen Kirchlein“, so Lausberg. „Zwischen der Technologie der Klinik sind wir mit dem kleinen Garten ein richtiges kleines Inselchen.“ Für das Läuten der Glocke ist nach wie vor die Küsterin zuständig – nun eben nicht mehr per Seilzug, sondern mit elektrischer Hilfe.

Reparatur kostete 6500 Euro

Die ungefähr 40 bis 50 Kilo schwere Bronzeglocke in den Turm zu bringen, war gar nicht so einfach: Es gibt in der Kirche keinen Aufgang ins Dachgeschoss. So bleibt nur der Weg über das Kirchendach. „Die Reparatur hat die katholische Seelsorge gesponsert: Insgesamt 6500 Euro“, sagt Lausberg. „Wie alt die Glocke ist, wissen wir nicht genau, es steht nicht einmal eine Jahreszahl drauf.“

Die Geschichte der Glocke ist völlig unbekannt: Weder im Stadtarchiv, noch bei der Universität Bonn finden sich schriftliche Quellen, die etwas über ihre Herkunft verraten könnten. Wer die Glocke noch selbst sehen möchte, muss sich beeilen, denn schon bald werden wieder die charakteristischen roten Holzverkleidungen angebracht, die das Türmchen vor Verwitterung schützen sollen.

Wahrscheinlich ist, dass die namenlose Glocke kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihren Weg in den Turm fand. Die Klinikkirche selbst hat noch nicht lange ihre heutige Funktion: Diente ihr Tor zu Zeiten, als auf dem Venusberg noch die Göring-Kaserne beheimatet war, als Durchfahrt zu den Flakgeschützen, so wurde sie anschließend zunächst von der Pathologie der Klinik genutzt, später als Aufbahrungsort für die Toten und schließlich als Taufkapelle der benachbarten Frauenklinik. Die Klinikkirche ist übrigens die einzige Bonner Kirche, die 24 Stunden täglich geöffnet ist. Die evangelischen und katholischen Gottesdienste der ökumenischen Kirche werden vor allem von den Patienten des Klinikums und deren Angehörigen besucht, aber auch Bürger, die auf dem Venusberg wohnen, nehmen an den Messen teil.