Bahnhaltestellen Helmholtzstraße und Endenich-Nord

Weniger Fahrgäste in Duisdorf und Endenich als vorhergesagt

Duisdorf/Endenich. Prognosen haben es so an sich, dass sie manchmal von der Wirklichkeit überholt werden. Das gilt auch für die beiden Haltepunkte der S-Bahnlinie 23, die vor einigen Jahren in Duisdorf und Endenich gebaut wurden.

Inzwischen ist klar, dass dort deutlich weniger Menschen ein- und aussteigen als die Bahn sich erhofft hatte. In Zahlen: Der Haltepunkt Helmholtzstraße, im Dezember 2013 eingeweiht, kommt laut einer Erhebung aus dem Jahr 2016 auf 1250 Ein- und Aussteiger pro Werktag. In der Planungsphase hatte die Bahn noch mit 1700 Fahrgästen gerechnet. Ein ähnliches Bild am Haltepunkt Endenich Nord: Dort ermittelte die Bahn 650 Ein- und Aussteiger pro Werktag, vorhergesagt waren 870. Gekostet haben die beiden Haltepunkte 2,9 Millionen (Helmholtzstraße) und 2,5 Millionen Euro (Endenich-Nord).

Beide Haltepunkte waren angelegt worden, um vorhandene und geplante Wohngebiete so wie im Falle Duisdorfs auch die Ministerien und zahlreichen Schulen besser an das Verkehrsnetz anbinden zu können. Aber offenbar nehmen die Bewohner, Mitarbeiter und Schüler das Angebot nicht in erhofftem Umfang an.

Dass ein Viertel weniger Fahrgäste dort ankommen oder abfahren und die damalige Potenzialanalyse ziemlich daneben lag, ist für die Bonner Stadtverwaltung kein Grund zur Besorgnis. „Erfahrungsgemäß pendeln sich die Fahrgastzahlen erst einige Jahre nach Inbetriebnahmen ein“, heißt es in einer Stellungnahme für die Sitzung des Planungsausschusses an diesem Dienstag. Mehr noch: „Die Abweichungen liegen in einem vertretbaren Rahmen, und die Verwaltung geht davon aus, dass die prognostizierten Fahrgastzahlen mittelfristig erreicht werden.“ Zum Beispiel durch weitere Verbesserungen des Angebots.

Absolute Erfolgsgeschichte

Für Rolf Beu, den Nahverkehrsexperten der Grünen, ist der Bau von insgesamt vier zusätzlichen Stationen an der S-Bahn 23, davon zwei auf Gebiet des Rhein-Sieg-Kreises, trotzdem schon jetzt eine absolute Erfolgsgeschichte. Skeptiker hätten die Prognose damals als viel zu optimistisch angesehen. Und obwohl die Haltestellen-Infrastruktur immer noch unzureichend sei und beispielsweise der Wetterschutz, trotz Jahre alter Beschlüsse, wegen Abstimmungsproblemen noch nicht optimiert wurde, obwohl die Fahrzeiten zu lange und die Umsteige- und Anschlusszeiten noch nicht perfekt sind sowie oft zu kleine Triebzüge eingesetzt werden, seien die Zahlen weitgehend erreicht worden. Und Beu ist sicher, dass die Prognosen noch übertroffen werden, wenn erst in einigen Jahren neben dem Haltepunkt Endenich-Nord ein neues Wohngebiet am Vogelsang sowie zahlreiche Arbeitsplätze auf dem Arkema-Gelände entstehen.

Das sieht im Prinzip auch CDU-Ratsherr Bert Moll so. Allerdings bringt er auch die „Bauerwartungsfläche“ Am Bruch (zweiter Bauabschnitt der Grünen Mitte) ins Spiel, die die höheren Prognosezahlen am Helmholtzstraßen-Haltepunkt rechtfertigte. Gegen diese Bebauung laufen allerdings SPD und Grüne seit vielen Jahren Sturm. „Die Annahme einer steigenden Zahl von Fahrgästen durch deren Nähe zur Strecke und zu den Haltepunkten reicht aber allein nicht aus, um die Nutzung der S23 durch mehr Menschen tatsächlich auch zu realisieren“, findet Moll. Bei der Wahl zwischen Auto oder S23 müssten die Bedingungen zugunsten der Bahnnutzung weiter verbessert werden.

Wetterschutz an den Haltestellen

Das betrifft auch den Wetterschutz an den Haltestellen, aber auch die Elektrifizierung der Strecke, die zu einer Beschleunigung der Fahrzeit und der Einhaltung des Fahrplans beitragen werde. Moll: „Die Beschlüsse dazu sind bereits gefasst.“ Insgesamt hält er den Verbund des öffentlichen Nahverkehrs im Rheinland noch für optimierungsfähig.

Auch die SPD-Ratsfrau Gabi Mayer sieht noch Luft nach oben. „Um die Nutzungszahlen der S23 insgesamt und an den Haltepunkten Endenich-Nord und Helmholtzstraße weiter zu erhöhen, müssen wir die Attraktivität steigern“, findet sie. Das heißt: Die Linie durch Elektrifizierung beschleunigen, die Busanbindungen besser takten und für ausreichend Radwege zu Endenich-Nord sorgen. Oft sei es so, dass erst Wohngebiete entstehen und der ÖPNV-Anschluss über längere Zeit hinterherhinkt, diesmal sei es umgekehrt. „Da nehmen wir die langsamere Entwicklung der Nutzungszahlen gern in Kauf.“