Rahmenplanung für die Zukunft

Weitere Hochhäuser im Bonner Bundesviertel?

BONN. Die Nachfrage nach Büros im Bundesviertel ist ungebrochen groß. Die Stadt lässt daher eine Rahmenplanung erarbeiten, die auch Standorte für weitere Hochhäuser ausweisen soll.

Der Post Tower war das erste Hochhaus, das nach dem 115 Meter hohen Langen Eugen (1969) und dem Hochhaus „Tulpenfeld“ mit 67 Metern Höhe (1969) im ehemaligen Regierungsviertel errichtet und 2002 fertiggestellt wurde. Der Sitz der Konzernzentrale der Deutschen Post DHL bildet heute ein markantes Wahrzeichen der Entwicklung vom Regierungsviertel zum Bundesviertel und ist mit einer Höhe von 162,5 Metern das höchste Bürogebäude Bonns. Mit dem Marriott-Hotel (68 Meter) gleich neben dem World Conference Center Bonn (WCCB) kam ein vierter Turm dazu, im Bau ist derzeit der 65 Meter hohe Neubau für die UN mit 18 Geschossen – gleich neben dem ehemaligen Plenarsaal.

Weil der Raum im ehemaligen Regierungsviertel begrenzt ist, die Nachfrage nach modernen Büros indes immer weiter wächst, hat der Städtebau- und Gestaltungsbeirat im vorigen Jahr empfohlen, eine Rahmenplanung für das Gebiet erstellen zu lassen, das sich entlang der Achse Adenauerallee, Friedrich-Ebert-Allee und Godesberger Allee (B 9) zwischen den Stadtbezirken Bonn und Bad Godesberg erstreckt. Nicht zuletzt soll dabei auch die Verkehrsentwicklung berücksichtigt werden.

Im Osten wird das Areal vom Rhein begrenzt, im Westen von der linksrheinischen Bahnstrecke, im Norden von den Straßen Zweite Fährgasse/Adenauerallee und im Süden von der Hochkreuz- und Kennedyallee sowie der Südgrenze der Rheinaue. Sämtliche Planungen in diesem Gebiet wurden durch einen gemeinsamen Ausschuss von Bund, Land NRW und Stadt Bonn koordiniert, der erstmals am 25. September 1975 und letztmals am 19. Dezember 1990 zusammentrat.

Rahmenplanung erarbeitet

Im Januar 2018 beschloss der Planungsausschuss, die Verwaltung solle zur Erarbeitung der Rahmenplanung ein Werkstattverfahren ausloben unter der Beteiligung von vier ausgewählten Büros. Die sollen im Dialog mit Politik und Verwaltung „grundsätzliche Vorgaben und Lösungsansätze als Rahmen für eine künftige Entwicklung sowie als Vorgabe und zur Einordnung beziehungsweise Bewertung konkreter Vorhaben erarbeiten“, heißt es unter anderem in der Beschlussvorlage.

Dabei sollen auch mögliche weitere Hochhausstandorte ausgelotet werden mit Angaben darüber, wie hoch die jeweiligen Gebäude sein dürfen. Für die Vorbereitung und Durchführung des Werkstattverfahrens hat die Verwaltung bis zu acht Monate und Kosten von rund 125 000 Euro kalkuliert. Erste Ergebnisse dürften nicht vor der Sommerpause vorliegen.

Neubau für 2500 Mitarbeiter

Solange müssen Bauvorhaben, wie etwa der Plan des Bonner Investors Marc Asbeck für eine Aufstockung der einstigen Landesvertretung Niedersachsen, gleich gegenüber dem Post Tower, warten. Asbeck will die genehmigte Geschosszahl des Gebäudes, das die Post anschließend mieten will, um acht auf 17 Geschosse aufstocken. Zwar stimmt die Verwaltung grundsätzlich einem entsprechenden Bebauungsplanverfahren dort zu. Das soll sich aber an den Ergebnissen des Rahmenplans orientieren. Deshalb hat die Ratsmehrheit das Thema erst einmal vertagt.

Vor diesem Hintergrund wollte Jamaika zunächst auch nicht, dass die Verwaltung Verhandlungen über ein Großprojekt der Deutschen Post DHL an der Baunscheidtstraße aufnimmt. Der Konzern plant dort mit der Ten Brinke Group einen Büroneubau für rund 2500 Mitarbeiter, für den mehrere städtische Grundstücke benötigt werden. Inzwischen ist die Ratsmehrheit zurückgerudert: Die Verwaltung darf die Verhandlungen umgehend aufnehmen.