Bewegung beim Viktoria-Karree in Bonn

Viva Viktoria sammelt Ideen im roten Container

Viva Viktoria im roten Container: Seit gestern können sich Interessierte unter anderem ein Modell anschauen und sich von Klara Esch (von links), Bernd Eder und Clara Arnold über die Pläne der Initiative informieren.

Viva Viktoria im roten Container: Seit gestern können sich Interessierte unter anderem ein Modell anschauen und sich von Klara Esch (von links), Bernd Eder und Clara Arnold über die Pläne der Initiative informieren.

04.03.2016 Bonn. Stadt und Signa sprechen über künftige Karree-Nutzung – auch über die Unterbringung von Flüchtlingen. Verein Viva Viktoria offiziell seinen roten Container auf der Stockenstraße als regelmäßige Anlaufstation.

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In Sachen Viktoriakarree gibt es Bewegung von mehreren Seiten. Gestern eröffnete der Verein Viva Viktoria offiziell seinen roten Container auf der Stockenstraße als regelmäßige Anlaufstation. Interessierte können dort ihre Ideen abgeben, wie sie sich die Entwicklung im Quartier vorstellen. Ein Holzmodell steht zur freien und spielerischen Umgestaltung bereit.

Unterdessen bestätigten sowohl die Signa Holding als auch die Stadt Gespräche darüber, ob in den Immobilien auf dem Areal möglicherweise Flüchtlinge untergebracht werden können. Die Signa ist mit dem Vorschlag auf die Stadt zugekommen.

Auf GA-Anfrage äußerte sich Signa-Sprecher Robert Leingruber etwas genauer als bisher zu den künftigen Plänen. „Wir führen nicht nur mit der Stadt Gespräche, sondern auch mit möglichen neuen Mietern – sowohl privaten wie gewerblichen.“ Signa sei nicht an einem dauerhaften Leerstand interessiert, sondern wolle „zum Teil wieder vermieten. Wir arbeiten an einer Neubewertung der Lage.“ Damit begründete er auch, dass die Mietverträge mit den gewerblichen Mietern nicht verlängert wurden.

Wie berichtet, laufen die befristeten Verträge beispielsweise eines Cafés, einer Bäckerei und eines Imbisses in den kommenden Wochen und Monaten aus.

Signa Holding sinalisiert Gesprächsbereitschaft

Viva Viktoria befürchtet, Signa wolle das Viertel absichtlich verkommen lassen und startete eine Unterschriftenaktion gegen „Leerstands-Politik“. Leingruber betonte gestern: „Wir sind im Dialog mit der Stadt und wollen auch aktiv an der geplanten Bürgerwerkstatt mitarbeiten. Wir führen ganz normale Gespräche, wie sie für ein Wirtschaftsunternehmen üblich sind.“

Beide Seiten bestätigten, dass es in den kommenden Wochen ein gemeinsames Treffen geben soll. Axel Bergfeld zeigte sich bei der Eröffnung des roten Containers erfreut über die Gesprächsbereitschaft: „Wir sind ja nicht gegen die Signa. Insofern haben wir ein offenes Ohr und wollen konstruktiv mitarbeiten.“ Allerdings empfinden er und andere Viva-Viktoria-Mitglieder die Dialogbereitschaft einerseits und das „Faktenschaffen“ mit dem Auslaufen der befristeten Mietverträge andererseits als Widerspruch.

Im roten Container können Bürger donnerstags bis samstags zwischen 12 und 18 Uhr Anregungen geben, wie sie sich die Zukunft des Viktoriakarrees vorstellen. Ingeborg Schmitt, Architektin und Anwohnerin, hat sofort einen Zettel ausgefüllt, auf dem „Tanzpalast“ steht. So etwas fehle in der Stadt. „Man muss das Viertel entwickeln und die Bürger mitnehmen“, sagte sie.

Viva Viktoria wolle „Bindeglied zwischen Stadt und Bürgern sein“, erklärte Lui Eick, der das Café Blau betreibt. Und so sieht sich der Verein auch als Vorläufer für die Bürgerwerkstatt, mit der die Stadt im Herbst beginnen möchte. Die Vorlage für das Vergabeverfahren geht in den kommenden Wochen in die politischen Gremien. Die Initiative Viva Viktoria, mittlerweile ist ein Verein daraus geworden, beantragte im vergangenen Jahr erfolgreich ein Bürgerbegehren gegen die Errichtung eines Einkaufszentrums durch die Signa im Viktoriakarree. Der Stadtrat kippte daraufhin seinen eigenen Beschluss. (Philipp Königs)