Das Bonn-Center

Verkauf, Abriss - oder werden Wohnungen errichtet?

BONN. Bei manchen schon als "Geisterhaus" verschrien, bröckelt die Fassade des Bonn-Centers seit vier Jahren vor sich hin. Im Innern gibt es allerdings noch einige Mieter, die die repräsentative Adresse am Bundeskanzlerplatz schätzen. Die Zukunft des Bonn-Centers ist dennoch unklar.

Seit dem Auszug des Großmieters Post Ende 2011 stehen mehr als die Hälfte der insgesamt 25.000 Quadratmeter Bürofläche leer. Am Dienstag soll das Gebäude Thema im Wirtschaftsausschuss der Stadt werden, der ab 18 Uhr tagt.

In einer Anfrage hat sich die FDP-Fraktion an die Stadtverwaltung gewandt, um über den aktuellen Zustand des Bonn-Centers informiert zu werden. Das geschichtsträchtige Hochhaus gehört zur Dala-Gruppe mit Sitz in Düsseldorf, die wiederum aus 20 verschiedenen Immobiliengesellschaften besteht.

Die Royal Bank of Scotland (RBS), die der Betreibergesellschaft den Kredit finanziert hatte, hat die CR Investment Management GmbH in Berlin beauftragt, ein Zukunftskonzept für das Bonn-Center zu entwickeln. Seitdem hat sich die Situation aber nicht verändert.

Wie die Stadt mitteilt, sei die RBS zuversichtlich, dass es noch in diesem Jahr "zu einer Veräußerung" des Gebäudes komme. Aber weder CR noch der Insolvenzverwalter, die Rechtskanzlei Görg aus Köln, wollten sich dazu äußern. Auch die derzeitigen Mieter wissen nicht, wie es um ihre Zukunft bestellt ist.

Marco Plicht, der als einer von sechs Ärzten auf der sechsten Etage seine Praxis hat, berichtet von düsteren Aussichten. "Mir wurde vom Eigentümer gesagt, dass es ihm am liebsten wäre, wenn das Gebäude komplett leer stünde." Er vermutet, dass so leichter ein Käufer gefunden werden könne. Dann wäre nämlich auch der Abriss möglich.

Aber Plicht hat wie viele seiner Kollegen langjährige Mietverträge. "Und wir sind zufrieden hier, seit Jahren kommen genug Patienten zu uns." Für die meisten spiele es keine Rolle, dass die restlichen Etagen leer seien. Leicht zu finden seien die Praxen. Der drehende Stern auf dem Dach ist von weitem zu erkennen, im Aufzug ist die sechste Etage rot umkringelt. Statt der Zahl steht auf dem Knopf "Ärzte".

Helmut Hergarten, Hauptgeschäftsführer der Vermietervereinigung Haus & Grund, sieht die Tage des Bonn-Centers noch nicht gezählt. "Aber jedes Vorhaben ist kostspielig", sagt er. Um Wohnungen in dem Bürogebäude einzurichten, müssten die Räume komplett entkernt und neu ausgerichtet werden. Die Stadtverwaltung hält das "in erheblichem Umfang" für möglich, solange die Wohnnutzung "nicht absolut" dominiere. Für weitere Büros gebe es trotz vieler Neubauten im Stadtgebiet nach wie vor Bedarf. "Aber auch der Abriss ist eine Variante, denn so ein Grundstück gibt es in Bonn kein zweites Mal", sagt Hergarten.

Dass das Bonn-Center eben kein Geisterhaus ist, wie oft behauptet, findet Wilfried Thünker, der seit 1985 Büros in der 14. Etage vermietet. "Wir haben in den vergangenen Jahren immer mehr Zulauf." Seine Kunden interessiere nicht, welche Geschichten sich um das Gebäude ranken. Für sie zähle die leichte und schnelle Erreichbarkeit mit Bus, Bahn und Auto. Thünker profitiert sogar von den Leerständen. "Wir haben immer genügend Parkplätze direkt vor der Tür."

Und bei der Adresse Am Bundeskanzlerplatz 2-10 schwinge ein bisschen altes Hauptstadtflair mit. Wohnungen im Bonn-Center sieht Thünker mit gemischten Gefühlen. Er stelle es sich schwierig vor, Gewerbe und Wohnungen ohne Störungen nebeneinander unterzubringen. Rainer Pause vom Pantheon hält dagegen fast alles für besser als die leeren Räume. "Hier muss wieder Leben einkehren, und zwar nicht nur abends, wenn wir geöffnet haben."

Ob die RBS daran überhaupt interessiert ist, sehen mittlerweile viele Mieter skeptisch. Es werde nichts mehr investiert. Wie zu erfahren war, habe der Fitnessstudiobetreiber McFit seine Räume komplett umbauen wollen, es aber nicht gedurft. Regelmäßig patroulliere ein Sicherheitsdienst, um Vandalismus zu verhindern. Die verwaisten Etagen, in denen nur noch alte Türschilder und Flecken auf dem Boden an Büronutzung erinnern, sind aber noch immer erreichbar. Obwohl die RBS versichert hatte, diese Zugänge abzusperren.

Bonn-Center

Das Bonn-Center steht seit 1969 an der Reuterbrücke auf dem 16.000 Quadratmeter großen Gelände eines ehemaligen Schrebergartens. Mit 18 Stockwerken und einer Höhe von 60 Metern war es damals das zweithöchste Gebäude Bonns (heute das vierthöchste). 1987 zog das Pantheon-Theater ein und bis 1988 war in den obersten sechs Etagen das Steigenberger Hotel mit 320 Betten untergebracht.

Ganz oben unter dem Mercedes-Stern speisten die Mächtigen der Welt im vornehmen Ambassador-Restaurant. Während der Bonner Hauptstadtzeit waren vier Botschaften, Fernsehstudios und internationale Nachrichtenagenturen im Bonn-Center zu Hause. Seit dem Auszug der Deutschen Post Ende 2011 steht das Bonn-Center zur Hälfte leer.