Der Verein Lebenswerte Siebengebirgsregion bringt Bürger auf den neuesten Stand

Unmut über mögliche Südtangente

Rund 100 Bürger folgten den Ausführungen von Tilo Schumacher auf einer Infoveranstaltung in der Schlossbachschule in Röttgen.

Rund 100 Bürger folgten den Ausführungen von Tilo Schumacher auf einer Infoveranstaltung in der Schlossbachschule in Röttgen.

RÖTTGEN. Seit mehr als 40 Jahren erregt die Südtangente die Gemüter der Menschen zwischen Röttgen, Ückesdorf, Lengsdorf und dem Venusberg. Doch die Gefahr einer Trassenführung mit Brücke und Tunnel als Verbindung zwischen den rechts- und linksrheinischen Autobahnen ist auch nach jahrzehntelanger Diskussion längst nicht gebannt.

"Keiner kann uns garantieren, dass Südtangente und Ennertaufstieg nicht kommen. Tote leben bekanntlich länger", so Tilo Schumann vom Verein "Lebenswerte Siebengebirgsregion". Um die Bürger der betroffenen Stadtteile auf den neuesten Stand zu bringen, hatte der Verein zu einer Versammlung in die Schlossbachschule eingeladen. Mehr als 100 Bürger waren an diesem Abend gekommen.

Dabei kritisierte Schumann vor allem die schlechte Informationspolitik des Bundes. Er befürchtet, dass den Bürgern das Projekt stückchenweise schmackhaft gemacht werden soll. "Die Bevölkerung soll so spät wie möglich informiert werden und bloß keine Pläne zu sehen bekommen, und das, obwohl viele Menschen in Wohngebieten betroffen sind", sagte er in Röttgen.

Im Herbst wird ein neuer Bundesverkehrswegeplan aufgestellt. Darin könnte auch eine klare Position zur Südtangente festgelegt sein. "Aber wir wissen ja nichts Genaues", beklagte Schumann. Die Position der Gegner hat sich auch nach Jahrzehnten nicht verändert. "Eine Autobahn mitten durch die Stadt zu bauen, ist sinnlos und absolut unverantwortlich", so Schumann.

Umweltbelastung befürchtet

Das Argument, dass durch die Trassenführung lokal eine Verkehrsentlastung erzielt wird, ließ er nicht gelten. "Im Gegenteil", meinte er. "Denn durch diese Anbindungen wird mehr überregionaler Schwerlastverkehr durch die Region geleitet." Schon heute sei beispielsweise die Südbrücke zu Stoßzeiten "dicht". "Dort können wir nicht noch mehr Verkehr gebrauchen", so Schumann.

Derzeitige Planungen sehen im Bereich Ückesdorf eine riesige Brücke vor, die in einen Tunnel durch den Venusberg mündet. "Wir haben im vergangenen Jahr gesehen, dass der Hang am Katzenloch bei Regen abrutscht. Wie soll durch dieses poröse Material ein stabiler Tunnel getrieben werden?", sorgen sich die Anwohner.

Doch auch, wenn der Verkehr in Röhren versteckt durch den Venusberg geleitet würde, ginge immer noch eine enorme Umweltbelastung davon aus. "Lärm, Stickoxide und Feinstaub müssten durch große Lüftungsschächte nach außen geleitet werden", so Schumann. Zudem würden mehrere Fluchtwege angelegt.

Innerstädtischer Schienenring

Als Alternative schlägt der Verein vor, durch einen Ausbau des lokalen Wegenetzes eine Verbesserung zu erreichen. Neue Anschlussstellen an den Autobahnen, die Erweiterung des Radwegenetzes oder ein innerstädtischer Schienenring würden schon Abhilfe schaffen.

 "In Bonn ist in den letzten Jahrzehnten nichts passiert. Hardtbergbahn oder Seilbahn - diese Projekte wurden alle nicht umgesetzt", beklagte ein Zuhörer. "Bonn hat die Entwicklung schlicht verschlafen."

Tatenlos zusehen müssten die Betroffenen nicht. "Was können wir tun?" fragte ein Röttgener. "Unterstützen Sie uns in unserem Kampf und betrachten Sie genau die Position der Oberbürgermeister-Kandidaten beim Thema Südtangente", appellierte Schumann.