Steine aus Kinderarbeit

Stadtrat will Aufstellungsverbot in Friedhofssatzung aufnehmen

Blick auf den Lengsdorfer Friedhof: Grabsteine, die aus Europa kommen, sind unbedenklich.

BONN. Einen Grabstein, für den Kinder in Indien ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben auf Spiel setzen, möchte wohl niemand gerne kaufen. Trotzdem sind Natursteine, die aus ausbeuterischer Kinderarbeit stammen, in Deutschland verbreitet.

Zertifizierte Produkte geben Verbrauchern Sicherheit, wenn sie auf Importe aus einwandfreier Herstellung Wert legen. Um Grabmale aus Kinderarbeit von den städtischen Friedhöfen in Bonn zu verbannen, hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, ein entsprechendes Aufstellungsverbot Anfang 2014 in die Friedhofssatzung aufzunehmen.

"Teilweise stehen die Kinder mit einfachem Hammer und Meißel in den Steinbrüchen in Nord- und Südindien und klopfen Steine," erklärt Walter Schmidt, Geschäftsführer des Vereins Xertifix, der Siegel für Naturstein-Importe ohne Kinder- und Sklavenarbeit vergibt. Genaue Zahlen über die Verbreitung von Steinen dieser zweifelhaften Herkunft gibt laut Schmidt nicht.

Mehr als 100 Millionen Kinder arbeiten nach Angaben der International Labour Organisation (ILO) in Indien in ausbeuterischen Verhältnissen. Um das zu verhindern, kooperiert Xertifix mit Steinimporteuren, prüft die Herkunft von Steinen und vergibt sein Siegel, wenn Kinderarbeit in der Lieferkette ausgeschlossen werden kann. Neben dem Verein, bei dem der Bonner Norbert Blüm Schirmherr ist, gibt es in Deutschland weitere Organisationen, die Zertifikate vergeben.

In Bonn sind zur Zeit noch keine Produkte mit Xertifix-Siegel erhältlich. Verbrauchern, die ausschließen wollen, einen Naturstein aus Kinderarbeit zu kaufen, rät Schmidt, nach entsprechenden Zertifikaten zu fragen oder direkt nach Steinen aus Deutschland und Europa zu suchen.

Ausbeuterische Kinderarbeit ist international verboten. Dass Kinder in Indien für den Abbau von Grabsteinen ausgebeutet werden, hätten Xertifix-Mitarbeiter jedoch selber in indischen Steinbrüchen beobachten können. "Die Kontrollen sind gefährlich, Inspektoren werden bedroht", erklärt Schmidt. Teilweise herrschten mafiöse Verhältnisse. Um die Kinderarbeit zu unterbinden, setzt Xertifix statt auf bloße Verbote auf die Einführung von Mindestlöhnen vor Ort sowie auf Sozialprojekte und den Bau von Schulen.

Städte wie Nürnberg, Hannover oder Kehl am Rhein haben ein entsprechendes Verbot in ihre Friedhofsatzung geschrieben. Klagen von Steinmetzbetrieben führten jedoch dazu, dass die Verordnungen zeitweise ausgesetzt werden mussten. "Die Meinungen der Steinmetzbetriebe und Landesinnungen zu dem Thema sind sehr unterschiedlich", sagt Schmidt. Frank Dohr, Vorstandsmitglied der Innung der Steinmetze Bonn/ Rhein-Sieg und Oberbergischer Kreis verweist auf GA-Nachfrage auf eine Stellungnahme des Landesinnungsverbandes.

Vertreter der kommunalen Spitzenverbände begrüßen darin ausdrücklich die Möglichkeit, Grabsteine aus Kinderarbeit zu verbieten. Allerdings wenden sie sich gegen einen "Wildwuchs an möglichen Zertifizierungen" sowie eine Kontrollpflicht der Kommunen. Die Initiative zu Xertifix ging von Freiburger Steinmetzen aus, die sich gegen Dumpingpreise und Billigimporte wehren wollten und auf den Import fair produzierter Steine setzten.