Streit um Bonner Hallenbad

Stadt will Frankenbad-Dach nur häppchenweise sanieren

Bonn. Die Tage des Frankenbads in Bonn sind gezählt. Jetzt gibt es allerdings Streit darüber, was die Stadt mit dem undichten Dach machen will. Bürger und Politiker befürchten den Verfall der denkmalgeschützten Schwimmhalle.

Das Schicksal des Frankenbads als Schwimmhalle ist besiegelt. Wie berichtet, soll der Schwimmbetrieb aufgegeben werden, wenn voraussichtlich 2020 das neue Hallenbad in Dottendorf eröffnet wird. Die Frage der Folgenutzung der denkmalgeschützten Schwimmhalle vor allem angesichts des maroden Bauzustands beschäftigt Bürger, Politik und Verwaltung. Im Fokus steht nicht nur die Sanierung des undichten Dachs, sondern auch, wann es verhandelbare Fakten zur künftigen Nutzung, zum Denkmalschutz und zu den Kosten gibt.

Einige Punkte hat die Verwaltung jetzt in einer Stellungnahme zu einer Großen Anfrage des Bürger Bunds Bonn aufgeklärt. Irritiert waren die Bezirksverordneten jedoch, dass sie erst kurz vor der Sitzung am Dienstag vorgelegt wurde. Einen Bürgerantrag des Vereins „Freunde des Frankenbads“ mit ähnlichen Fragen behandelt die Bezirksvertretung in der nächsten Sitzung am Mittwoch, 20. September.

Die Verwaltung verweist in ihrer Stellungnahme auf den Beschluss, dass „das Baudenkmal Frankenbad soweit wie möglich zu erhalten“ ist. Eine Aufhebung des Denkmalschutzes sei nicht Thema. Vielmehr will die Verwaltung ein Denkmalgutachten für Frankenbad und Vorplatz beauftragen, um die Bausubstanz konkret bewerten zu lassen. Das gesamte Grundstück „soll dauerhaft in städtischem Eigentum bleiben“, so die Vorlage. Sollte ein privater Investor einbezogen werden, käme die Vergabe in Form eines Erbbaurechtes infrage.

Eine Nutzung der Schwimmhalle für größere Veranstaltungen muss laut Verwaltung auch das wirtschaftliche Konfliktpotenzial mit benachbarten Veranstaltungsorten wie Beethovenhalle und Westwerk berücksichtigen. Der Vorschlag aus der Politik, zumindest das Lehrschwimmbecken zu erhalten, könne als eine Option geprüft werden. Keine Chance sieht Verwaltung für eine sofortige gastronomische Nutzung des Schwimmbadfoyers wegen hygienischer Mängel. „Es besteht ein bekanntes Schädlingsproblem.“ Zur Erinnerung: Bereits 2009 hat die Politik einen Beschluss zur gastronomischen Nutzung gefasst.

Zum Prozedere wird in der Stellungnahme vorgeschlagen, das Nachnutzungskonzept im Rahmen einer breitangelegten Beteiligung festzulegen. Zeitplan und Kostenrahmen könnten allerdings derzeit nicht beziffert werden.

 Für die Initiative „Frankenbad bleibt Schwimmbad“ ist der jetzige Zustand jedoch ein Unding. Deshalb hat sie sich in der jüngsten Sitzung des Bürgerausschusses für eine unverzügliche Sanierung des Baus an der Adolfstraße stark gemacht. „Die Stadt hat eine Verpflichtung zur Werterhaltung“, sagte Sprecherin Anja Niemeier in der Sitzung. Da sei es erst einmal egal, welche Nutzung das Frankenbad in Zukunft habe.

 Laut Niemeier werden derzeit nur kleinere Reparaturen erledigt, was ihr zu wenig ist. „So wird der weitere Verfall nicht aufgehalten“, sagte sie. In der städtischen Stellungnahme heißt es dazu: „Da die Folgenutzung jedoch offen ist, ist die Fortschreibung der Planung zum jetzigen Zeitpunkt wenig zielführend.“ Das Städtische Gebäudemanagement stelle „im Rahmen der Bauunterhaltung sicher, dass jede Undichtigkeit der Dachfläche zeitnah repariert wird“.

Politiker ärgern sich zudem, dass die Stadt die angeforderte Kostenschätzung für die Dachsanierung bislang nicht vorgelegt hat. Nach Angaben von Sportamtsleiter Stefan Günther liege das am Städtischen Gebäudemanagement, das die Zahlen noch nicht geliefert habe. „Das Ding muss ein Dach haben, egal bei welcher Folgenutzung“, sagt Fenja Wittneven-Welter (SPD). Derselben Meinung ist auch Martin Heyer (Grüne): „Ziel ist es ja wohl nicht, dass es ein Freibad wird.“