Rundgang durch das Landesbehördenhaus

Stadt sucht nach Alternativen für Sporthallen

Schadstoffbelastet und stark sanierungsbedürftig, das Landesbehördenhaus eignet sich laut Stadt nicht für die Unterbringung von Flüchtlingen.

Schadstoffbelastet und stark sanierungsbedürftig, das Landesbehördenhaus eignet sich laut Stadt nicht für die Unterbringung von Flüchtlingen.

28.01.2016 Bonn. Am Dienstag hatte Beigeordneter Martin Schumacher noch von vier bis sechs Wochen gesprochen. Dennoch ist Sridharan zuversichtlich, dass die dreiwöchige Atempause ausreiche, um kurzfristig Alternativen zur Unterbringung von Flüchtlingen zu finden.

Was allerdings nicht bedeute, dass die Stadt ihren Plan aufgeben könne, 15 weitere Sporthallen als Notunterkünfte zu nutzen. Zumal der OB nach einer Besichtigung gestern ebenfalls überzeugt ist, dass das viel diskutierte ehemalige Landesbehördenhaus an der B 9 aufgrund seines schlechten Zustands als Quartier für Flüchtlinge nicht in Frage kommen kann und sich eine Sanierung nicht lohne.

Vor Ort zeigte sich ein wüstes Bild in den ehemaligen Büroräumen. Herausgerissene Kabel, durchschlagene Wände und Bauschutt prägen das Bild. Polizeiübungen haben Spuren hinterlassen. Ein großer Teil der 65.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche ist schadstoffbelastet, unter anderem durch Asbest. Die seit zehn Jahren leerstehenden Räume sind außerdem komplett entkernt, es fehlen Strom- und Wasserleitungen. Heizungen sind entweder nicht vorhanden oder müssten erneuert werden und auch für den Brandschutz müsste die Stadt nachrüsten.

„Das alles herzurichten ist zwar technisch machbar, der Aufwand wäre aber unverhältnismäßig“, sagte Martin Bruns vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW. In etwas besserem Zustand sind eine Turnhalle, Gymnastikräume und ehemalige Kfz-Werkstatt, doch auch dort müsste laut Bruns kernsaniert werden.

Suche nach Grundstücken, auf denen Wohnraum geschaffen werden kann

Trotz alledem gab sich Sridharan zuversichtlich: „Unser öffentlicher Aufruf am Montag, der Stadt Wohnungen und Grundstücke bereitzustellen, stößt auf große Resonanz“, sagte er. Diesen Angeboten ginge die Verwaltung nach, sie konzentriere sich aber auf die Bereitstellung größerer Unterbringungsmöglichkeiten, um die Auswirkungen auf den Sport so gering wie möglich zu halten. Ebenso betreibe man parallel die Suche nach Grundstücken, auf denen Wohnraum geschaffen werden könne.

„Wir sind froh über die großen Anstrengungen, die Oberbürgermeister Sridharan hier unternimmt“, sagte CDU-Ratsfraktionschef Klaus-Peter Gilles sowie die Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, Brigitta Poppe und Peter Finger. Die ganze Stadt stehe unter großem Handlungs- und Zeitdruck, wenn es darum gehe, aktuell 150 Menschen pro Woche in Bonn aufzunehmen. „Dafür gibt es keine einfachen Lösungen und auch keine Patentrezepte“, sagten sie mit Blick auf die teils scharfe Kritik an den Plänen zur Nutzung weiterer Turnhallen.

Allerdings machten alle drei deutlich, dass sie nach wie vor den Plänen der Stadt nicht zustimmen werden, für 23 Millionen Euro Holzhäuser in Schnellbauweise zu errichten. „Auch angesichts der Notlage ist für uns klar, dass wir verantwortlich mit öffentlichem Geld umgehen müssen. Deshalb muss bei den millionenschweren Anschaffungen und Investitionen immer eine seriöse Berechnung der Wirtschaftlichkeit erfolgen.“

Bebauung der ehemaligen Stadtgärtnerei in Dransdorf möglich

CDU-Ratsherr Georg Fenninger sieht vielmehr eine Lösung in einer schnellen Bebauung von brachliegenden Grundstücken der Stadt, wie etwa beim 28 Hektar großen Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei in Dransdorf. Dort könnte die städtische Wohnungsbaugesellschaft Vebowag sogar alsbald Wohnungen – und nicht nur für Flüchtlinge – bauen, ist er überzeugt. „Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass die Verwaltung jetzt erst einmal ein Jahr lang ein Artenschutzgutachten für die Stadtgärtnerei erstellen muss“, kritisierte er. Die SPD kündigte an, im Hauptausschuss einen Dringlichkeitsantrag einzubringen. Sie fordert unter anderem die Prüfung weiterer Immobilien und Grundstücke sowie alternativer Unterbringungsmöglichkeiten wie etwa Leichtbauhallen.

Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseums, äußerte Verständnis für den Aufschrei aus dem Sportbereich und will helfen. „Ich finde es richtig, dass man im Rahmen der Möglichkeiten eine Solidargemeinschaft bildet.“ Er könnte sich vorstellen, den neu geschaffenen Aktionsraum der Kunstpädagogik neben der Bibliothek, der Vormittags von vielen Gruppen besucht wird, nachmittags für den Sport zur Verfügung zu stellen. „Basketball wird nicht gehen, aber Yoga und ruhigere Sachen kann ich mir vorstellen“, sagte er. Der Raum im Untergeschoss des Kunstmuseums ist etwa 50 Quadratmeter groß. (Lisa Inhoffen, Andreas Dyck, Thomas Kliemann)