Nach Tiersterben

Stadt erwägt Fütterungsverbot am Rheinauensee

Eine Ente auf dem umgekippten Rheinauensee.

Eine Ente auf dem umgekippten Rheinauensee.

Bonn. Am Wochenende werden Mitarbeiter des Amtes für Stadtgrün weiterhin in der Rheinaue im Einsatz sein, um tote Tiere aus dem großen See zu holen, damit sich die gesunden Tiere nicht über die Tierkadaver infizieren. Derweil prüft die Stadt ein Fütterungsverbot.

Die Beseitigung der Kadaver übernimmt Bonnorange. Woran die Fische und Enten genau verendet sind, steht allerdings noch nicht genau fest. „Vergiftungserscheinungen, wie die Tiere sie zeigen, lassen auf Botulismus schließen und darauf, dass der Rheinauensee 'umgekippt' ist“, teilte das städtische Presseamt am Freitag mit.

Vom Umkippen eines Gewässer sprechen Experten, sobald das ökologische Gleichgewicht nicht mehr besteht: Durch einen Überschuss an Nährstoffen vermehren sich die Pflanzen, die dem Wasser Sauerstoff und somit die Lebensgrundlage entziehen, bis schließlich kein Leben mehr in dem Gewässer möglich ist. Dieses Gleichgewicht stören vor allem hohe Temperaturen im Sommer, aber auch Lebensmittel, die Besucher ins Wasser werfen.

In der kommenden Woche soll eine Spezialfirma Wasserproben entnehmen, um die Wasserqualität zu prüfen. Bis Freitag waren mehr als 300 tote Fische und 30 tote Enten aus dem Gewässer gezogen worden. Die Stadt will nun Hinweisschilder aufstellen, die Besucher auf die Folgen der Fütterung aufmerksam machen sollen. Zudem werde geprüft, ob ein Fütterungsverbot neu in die Bonner Straßenordnung aufgenommen werden soll. Erst dann könnten auch Bußgelder bei einem Verstoß verhängt werden.

2012 wurde der See zuletzt von Ablagerungen und Schwemmgut gereinigt, mehrfach werden die Algen abgemäht. Eine Reinigungsmaßnahme sei derzeit allerdings nicht möglich: „Ein Eingriff zum jetzigen Zeitpunkt in das geschwächte Ökosystem würde den Tieren eher schaden, deshalb soll bis zum Herbst gewartet werden, wenn die Gänse die Rheinaue verlassen und ihr Winterquartier ansteuern“, erklärte die Stadt.

„Mir ist wichtig, dass wir über nachhaltige Maßnahmen nachdenken“, sagt Christoph Jansen (CDU), Vorsitzender des Umweltausschusses. Die Stadt solle eher in dauerhafte Maßnahmen investieren, um nicht jedes Jahr nachbessern zu müssen. Gleichzeitig sollte der Stadtordnungsdienst stärker kontrollieren und auch über Folgen der Fütterung informieren. „Es genügt nicht nur, ein Schild aufzustellen“, meint auch Wolfgang Maiwaldt, CDU-Bezirksverordneter.

Wer tote Tiere findet, wendet sich an die Leitstelle des Stadtordnungsdienstes unter Tel. 0228/773333.