Unterbringung von Flüchtlingen in Bonn

Sporthalle Wasserland wird zuerst belegt

25.01.2016 Bonn. Stadt will 15 weitere Turnhallen für Flüchtlinge nutzen, darunter auch Hardtberghalle und Sportpark Nord. Die ehemalige Diplomatenschule wird bis Mai hergerichtet.

Was viele seit geraumer Zeit befürchtet haben, ist jetzt bittere Wahrheit: Die Stadt Bonn wird weitere Sporthallen zur Unterbringung von Flüchtlingen in Beschlag nehmen. Zu den sechs bereits in Notunterkünfte umgewandelten Sporthallen in Beuel, Duisdorf und im Bonner Norden kommen bereits Aschermittwoch zwei weitere Hallen dazu: Die Wasserlandhalle in Kessenich und die Sporthalle der Gesamtschule in Beuel. Der Stadtsportbund (SSB) reagierte auf diese Nachricht „schockiert“.

Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) legte Montag eine Liste mit weiteren Sporthallen vor, die sukzessive bis Juni benötigt werden – falls bis dahin nicht doch die eine oder andere Notunterkunft in festen Gebäuden zur Verfügung stehe. Allerdings verschiebe sich dann die Inanspruchnahme von Turnhallen nur weiter nach hinten, machte Sridharan deutlich. „Es ist kein Ende abzusehen“, sagte er.

Die Liste der Hallen

Die Sporthallen werden in folgender Reihenfolge belegt (in Klammern steht jeweils die Zahl der Plätze): Wasserland, Kessenich (200); Gesamtschule Beuel (200); Schmittstraße, Duisdorf (150); Josef-Strunck-Halle, Endenich (120); Elisabeth-Selbert-Gesamtschule, Bad Godesberg (200); Carl-von-Ossietzky-Gymnasium, Ückesdorf (150); Ringstraße, Beuel (150); Münsterschule, Bonn-City (120); Nikolaus-Cusanus-Gymnasium, Bad Godesberg (120); Bertolt-Brecht-Gesamtschule, Tannenbusch (200); Erwin-Kranz-Halle, Beuel (200); Sportpark Pennenfeld (200); Sportpark Nord (200), Schulzentrum Tannenbusch (200) und Hardtberghalle, Brüser Berg (300).

Das bedeutet: In diesen 15 Hallen wäre Platz für 2710 Personen. Bei einer angenommenen Zuweisung von 150 Flüchtlingen pro Woche reichen ab Aschermittwoch rein rechnerisch die Sporthallen für weitere 18 Wochen, das heißt vom 20. Februar bis spätestens 15. Juni.

150 Neuankömmlinge pro Woche

Bleibt es bei den 150 Flüchtlingen, die das Land NRW derzeit pro Woche nach Bonn schickt, dann muss die Verwaltung allein bis Mitte Juni weiteren 2700 Menschen ein Dach über dem Kopf bieten. Mit Stichtag gestern befinden sich 3679 Flüchtlinge in städtischen Unterkünften.

Parallel will die Verwaltung sämtliche in Frage kommenden Immobilien in Bonn auf ihre Eignung als Flüchtlingsunterkunft prüfen oder noch einmal überprüfen, wie zum Beispiel das viel diskutierte, seit zehn Jahren leerstehende Landesbehördenhaus an der B 9. „Ich werde mir persönlich von den Gebäuden, die ich nicht kenne, einen Eindruck verschaffen“, kündigte der OB an.

Diskutiert werde inzwischen auch, in den Sommermonaten Zelte aufzustellen. Selbst die Beschlagnahmung von ungenutzten Liegenschaften schließe er nicht mehr aus, sagte Sridharan. Nach wie vor hofft die Verwaltung, ihre Pläne für Holzhäuser in Schnellbauweise verwirklichen zu können. Doch die Politik schreckt angesichts der Kosten von 23 Millionen Euro bisher zurück.

Der Stadt sei aber schon mit Blick der hohen Kosten, die die Unterbringung in Turnhallen verursacht, sehr daran gelegen, andere Unterkünfte zu finden, versicherte Sport- und Kulturdezernent Martin Schumacher, der zurzeit kommissarisch das Sozialdezernat leitet.

Diplomatenschule Ippendorf freigegeben

Seit Januar stehe fest, dass die Stadt die ehemalige Diplomatenschule in Ippendorf nun endlich nutzen könne, sagte Marion Duisberg vom Städtischen Gebäudemanagement. Die Schule ist im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und bietet Platz für 400 Personen. Sie soll bis Mai hergerichtet sein.

„Wir waren nicht die einzigen Interessenten und haben erst Anfang Januar die Zusage für die Diplomatenschule erhalten“, erklärte Sridharan. Er und Schumacher bedauern auch vor dem Hintergrund der Integrationsarbeit der Sportvereine, dass an der Nutzung der Hallen kein Weg vorbeiführe.

Stadtsportbund wirft Stadt Untätigkeit vor

Für den Stadtsportbund ist diese Entwicklung „schlimmer als erwartet“. Er hatte deshalb noch am Abend eine außerordentliche Vorstandssitzung anberaumt. SSB-Sprecher Michael Nickels kritisierte die Verwaltung scharf und warf ihr Untätigkeit vor.

„Alternative Planungen unter Hochdruck wurden nach unserem Empfinden kaum in die Wege geleitet“, sagte er. Und: „Wir wollen unseren Protest nicht falsch verstanden wissen. Natürlich ist die Stadt verpflichtet, allen Flüchtlingen zu helfen. Und insofern tragen wir auch die Ankündigung des OB mit, dass eine Unterbringung in Sporthallen gegenüber der in Zelten Vorrang hat.“ (Lisa Inhoffen)