Vorschlag der SPD

Spiegel sollen Radfahrer in Bonn besser schützen

Der Spiegel an Ampeln soll Straßen für Radfahrer sicherer machen.

Der Spiegel an Ampeln soll Straßen für Radfahrer sicherer machen.

Bonn. Die SPD-Fraktion fordert zur Unfallvermeidung an allen Bonner Ampeln Trixi-Spiegel. Der Verkehr für Fahrräder soll dadurch sicherer werden. Doch die Spiegel haben nicht nur Befürworter.

Nach dem tödlichen Fahrradunfall am Heinrich-Böll-Ring am 3. Juni, bei dem eine 25-jährige Fahrradfahrerin ums Leben kam, beschäftigt sich nun die Politik mit der Sicherheit der Bonner Fahrradfahrer. Die SPD-Fraktion im Stadtrat fordert sogenannte Trixi-Spiegel an allen Ampeln und neuralgischen Kreuzungen im Stadtgebiet. Außerdem sollen zusätzliche Fahrradampeln an alle bestehenden Ampelanlagen montiert werden, die dem Radverkehr vor dem motorisierten Verkehr das Losfahren gestatten.

Einen entsprechenden Antrag hat die SPD-Fraktion an den Ausschuss für Planung, Verkehr und Denkmalschutz gestellt, der Ende Juni tagt. „Der Antrag ist eine Reaktion auf den tödlichen Unfall. Es muss nun endlich was passieren“, sagt Petra Maur. Die Kosten für die Maßnahmen, die kurzfristig umgesetzt werden sollen, seien nicht der Rede wert. „Die 100 Euro pro Spiegel sind kein Geld“, sagt Maur. Die Politikerin geht davon aus, dass der Ausschuss den Antrag verabschieden wird. „Wenn sich der Ausschuss dagegen entscheiden würde, wäre ich entsetzt.“ Mit der Forderung ist die SPD nicht alleine, auch ein Bürgerantrag fordert die Trixi-Spiegel in der Bundesstadt sowie ein Fahrverbot für Fahrzeuge ohne Abbiegeassistenten.

Bei Experten sind die Spiegel umstritten

Laut Stadtverwaltung gibt es nur einen vergleichbaren Spiegel auf Bonner Stadtgebiet – nämlich an der Hochkreuzallee. „An vielen Stellen gibt es ein Blinklicht, um den Autofahrer auf querende Radfahrer hinzuweisen. Es gibt auch Ampeln, die Radfahrern früher Grün geben“, heißt es auf Anfrage aus dem städtischen Presseamt.

Ulrich Willburger aus dem oberbayerischen Seehausen hat den Trixi-Spiegel erfunden. Seit 1994 kämpft er dafür, dass die kleinen Spiegel bundesweit an Ampeln hängen. Anlass ist ein tragischer Unfall. Tochter Beatrix wurde 1994 im Alter von 13 Jahren auf ihrem Fahrrad von einem abbiegenden Lkw überrollt und überlebte schwer verletzt. „Ich will einfach nicht mehr, dass sich diese Unfälle wiederholen. Damit muss Schluss sein“, sagt Willburger dem General-Anzeiger.

Kurz nach dem Unfall entwickelte der Unternehmer den Konvexspiegel für Ampelanlagen, der den toten Winkel verschwinden lassen soll. „Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit ihrem Auto auf eine Spiegelwand zu. Sie sehen alles“, sagt Willburger. „Ich habe dann die Sicht quasi zu einer Lupe zusammengefasst, sodass der Lkw-Fahrer nicht nur sich sieht, sondern auch was rechts neben ihm passiert.“ In Freiburg, Osnabrück und Göttingen hängen die Spiegel bereits. Sie kosten pro Stück 100 Euro.

„Wir haben durchweg gute Erfahrungen mit den Trixi-Spiegeln gemacht, da sie die Verkehrssicherheit erhöhen“, sagt die Pressesprecherin der Stadt Freiburg Martina Schickle. Die Trixi-Spiegel seien an Kreuzungen mit großer Verkehrsbelastung angebracht worden. „Da diese Spiegel nicht an allen Knotenpunkten sinnvoll sind, hat die Stadt Freiburg projektbegleitend einen Forschungsauftrag an das Institut für Mobilität und Verkehr in Kaiserslautern vergeben“, berichtet Schickle. Entwickelt wurde unter anderem ein Kriterienkatalog für die Trixi-Spiegel, um die Knotenpunkte zu ermitteln, an denen die Verkehrssicherheit deutlich verbessert werden könnte. „Insgesamt wurden dabei 160 Zufahrten ermittelt, die einen Spiegel erhalten sollten“, weiß Schickle. Diese haben letztlich alle einen Spiegel erhalten. 2007 wurden die ersten 25 montiert, 2010 der bislang letzte.

Oftmals würden aber nicht die Kommunen auf ihn zukommen, sondern private Initiativen, die nach einem Unfall etwas ändern möchten. „Die kaufen die Spiegel und stiften sie ihren Kommunen“, berichtet Willburger. Bei Experten sind die Spiegel indes umstritten. Ein „bekennender Gegner“ ist Siegfried Brockmann, Chef der Unfallforschung der Versicherer. „Ich halte sie für weiße Salbe“, erklärt er. Der Prozess des Abbiegens sei ein dynamischer Prozess, den der Spiegel nicht abbilden kann. „Wenn man den Spiegel an den Ampelmast montiert, bringt er nichts. Die Lkw-Fahrer haben vier Spiegel an ihrem Fahrzeug, mit denen sie an einer roten Ampel Radfahrer und Fußgänger im Blick haben.“ Hat der Lkw-Fahrer den Abbiegeprozess gestartet, würde der Spiegel nichts mehr bringen, weil der Lkw längst an ihm vorbeigefahren ist. Brockmann spricht sich für Abbiegeassistenten aus und fordert direkte Sichtbeziehungen zwischen Lkw-Fahrer und Radfahrer. „Es gibt mittlerweile Lkw, beispielsweise Müllfahrzeuge, deren Fahrerkabinen sehr tief gebaut sind und über Glastüren verfügen. So kann der Fahrer genau sehen, was neben ihm passiert.“

Kein amtliches Verkehrsschild

Auch der ADAC hat seine Zweifel an den Trixi-Spiegeln. „Die Spiegel können helfen, allerdings kann es vorkommen, dass Situationen falsch eingeschätzt werden“, sagt Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein. Distanzen, aber auch Geschwindigkeiten könnten falsch interpretiert werden. „Das ist auch einer der Gründe, warum viele Kommunen bei der Anschaffung vorsichtig sind“, so Suthold. Ähnlich argumentiert auch die Stadt Bonn.

Ein Verkehrsspiegel ist kein amtliches Verkehrsschild, das in der Straßenverkehrsordnung vermerkt ist. Die Kommunen haben die Verkehrssicherungspflicht, sollte wegen des Spiegels ein Unfall passieren, sei die Haftungsfrage schwierig, zumal ein solcher Spiegel auch verschmutzen oder vereisen kann. Willburger ist die Kritik an seinem Spiegel bekannt. „Wenn man durch den Spiegel Situationen falsch einschätzt, dürfte man ja gar kein Auto fahren. Denn dort haben wir ja auch einen Rück- und zwei Seitenspiegel“, argumentiert er. Seine Idee sei so „simpel und einfach“, dass sie „von den verschiedensten Personen kleingeredet werde“. Für ihn sei es wichtig, dass nicht nur immer geredet werde, sondern auch mal etwas passiere.