Neue Ideen von Alanus Hochschülern

Seecontainer sollen das Bonner Rheinufer aufwerten

Bonn. Studenten der Alanus Hochschule haben das Ufer zwischen Nord- und Südbrücke analysiert. Die angehenden Architekten schlagen unter anderem vor, mit Seecontainern neue Akzente zu setzen.

Man hört ihn von draußen rauschen, den Rhein. An der Budapester Straße gegenüber dem Neubau der Sparkasse, wo sonst Busse zum Friedensplatz und Autos auf dem Weg in die Friedensplatzgarage die Geräuschkulisse bestimmen, ist das ein ungewohnter Klang. Doch der Fluss ist gewissermaßen zu Gast beim Forum Stadt Bau Kultur. Und da ruft er über Lautsprecher Passanten gewissermaßen hinein.

Studenten der Alanus Hochschule haben sich ein Semester lang Gedanken gemacht, wie man das Verhältnis zwischen dem Rhein und den Bonnern verbessern könnte. Den Anlass bot eine gemeinsame Reihe des Fachbereichs Architektur und des General-Anzeigers. Die angehenden Architektinnen und Architekten haben geliefert. Sie waren so kreativ, dass ihre Ergebnisse nur als stark verdichtete Destillate in den beiden Ausstellungsräumen an der Budapester Straße Platz gefunden haben.

Jakob Krauss brütet über einem Tisch mit einem Stadtplan, auf dem verschiedene Gebäude farblich gekennzeichnet sind. „Wir haben den Uferbereich von der Nord- bis zur Südbrücke genau analysiert und kategorisiert“, berichtet der Student. Herausgekommen ist nicht nur der Plan, sondern ein ganzes Buch, das Besucher in den kommenden Wochen zwecks Rhein-Erkundung ausleihen können. Es zeigt beispielsweise eine interessante Kulturachse von der Bundeskunsthalle bis zur Beethovenhalle.

Auch am Ufer selbst sieht Krauss schon viel Gutes, etwa den Heimkehrerweg, der vom Kreisel am Bootsanleger Bundesviertel unter der Südbrücke hindurch führt. An anderen Stellen ließen sich mit der Bestandsaufnahme von Krauss und seinen Kommilitonen Michael Kretschmer und Alexander Jensch Herold mit einfachen Mitteln Verbesserungen erzielen. So vermissen die jungen Leute eine Beschilderung am Park des Palais Schaumburg mit einem Verweis auf den Kanzlerbungalow. Und überhaupt: „Warum macht man daraus nicht frei einen zugänglichen Park der Demokratie?“, fragt Krauss.

In Richtung Innenstadt sehen die Studenten vor allem die Straße am Rheinufer als Barriere zwischen Stadt und Strom. Am Brassertufer könnte ohne Verkehr eine Freitreppe direkt zum Fluss hinab führen, glauben sie. „Das bisschen Verkehr kriegt man leicht in den Griff“, urteilt auch Architekt Nikolaus Fritschi bei der Eröffnung. Er hatte mit Benedikt Stahl seinerzeit das Düsseldorfer Rheinufer wieder zugänglich gemacht. Die Architektur sei dabei nur das Mittel zum Zweck, glauben Fritschi und Stahl. Sie solle das Ufer auch in Bonn nachhaltig beleben. „Wir waren selbst überrascht, wie gut das in Düsseldorf gelungen ist“, sagte Fritschi.

Kurzfristig wird sich an der Situation in Bonn nichts ändern (siehe „Rheinufer bleibt Pflegefall“). Genau für diesen Fall haben sich Ines Gartlinger und Alisa Giesler Gedanken gemacht. In der Ausstellung präsentieren sie ihre #BonnBox, die theoretisch schon im kommenden Jahr in der Stadt und am Rhein Akzente setzen könnte. Ausgediente Seecontainer aus dem Bonner Hafen könnten aus Sicht der jungen Frauen als multifunktional nutzbare Räume mit Wiedererkennungswert eingesetzt werden.

Als mobiler Kiosk oder als Café, als dringend benötigtes öffentliches WC oder als Unterstellraum für Fahrräder. Mit einem vorkragenden Gerüst wäre hinter der Oper sogar ein Aufzug möglich, um das Rheinufer vom Boeselager Hof aus barrierefrei zu erreichen. „Bei Hochwasser ließen sich die Container leicht versetzen. Und wenn das Rheinufer wirklich saniert wird, kann man sie ersetzen“, sind Gartlinger und Giesler überzeugt. Ein hübsches Projekt für das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020. Dass Verantwortliche aus der Stadtverwaltung sich mit den Ergebnissen überhaupt beschäftigen, scheint indes unwahrscheinlich.

Die Ausstellung an der Budapester Straße 7 ist bis 13. Dezember jeweils donnerstags sowie am Samstag, 1. Dezember, von 11.30 bis 19.30 Uhr geöffnet. An diesem Tag laden die Studierenden zudem für 12 und 15 Uhr zu begleiteten Rheinspaziergängen ein.