Ehemalige Pädagogische Hochschule

Schleichender Verfall im verlassenen Hochhaus

15.12.2014 BONN. Die Neonröhren flackern gespenstisch. Hell, dunkel, hell. Zwischendurch durchschneidet Surren die unheimliche Stille. Eine Atmosphäre wie in einem skandinavischen Horrorkrimi. Schummeriges Licht, dunkle Gänge, zerschlagene Glasscheiben.

"Manchmal ist mir richtig unheimlich", gesteht Walter Dajura. Aber da muss er durch, das ist sein Job. Als Hausmeister patrouilliert er täglich durch die leeren Räume des Hochhauses der ehemaligen Pädagogischen Hochschule an der Römerstraße. Obwohl dort keine Menschenseele mehr anzutreffen ist. Nur die Mäuse für die Genetikforschung sind noch im Kellergeschoss untergebracht.

2010 wurde das mit der Bauchemikalie PCB belastete Gebäude der Uni im Norden Bonns aufgegeben. Luftwäscher liefen wochenlang, alle offenporigen Einrichtungsgegenstände wurden als Sondermüll entsorgt. Die Bücher der Unibibliothek bekamen mit speziellen Staubsaugern eine Sonderbehandlung. Die Spuren auf dem Boden sind eindeutig.

Andere Bewohner hatten sich wohl in den leerstehenden Büros und ehemaligen Seminarräumen breit gemacht. Überall liegt Taubendreck, vermischt mit kleinen Federn. "Wir haben das Loch, das die Tiere genutzt haben, jetzt geschlossen", so Dajura. Und auch das Wanderfalkenpaar, das regelmäßig über der alten PH und dem angrenzenden Freibad kreist, hat ganze Arbeit geleistet.

Doch es gibt noch andere Plagegeister. "Und die machen uns sehr viel mehr Sorgen", beklagt Klaus Hartenfels von der Uni. In der Vergangenheit waren immer wieder Unbekannte in das leerstehende Gebäude eingedrungen. Zerschlagene Türen und Fenster, herausgerissene Schrankwände, leere Bierflaschen und die Reste von Fast-Food-Mahlzeiten geben eindeutige Hinweise darauf.

Einen Raum setzten die Vandalen sogar in Brand, die Flammen richteten jedoch keinen größeren Schaden an. Das Untergeschoss des Hochhauses macht auf den ersten Blick eigentlich gar keinen verwaisten Eindruck. Metallstühle stehen neben den Pfeilern, die orangefarbene Tür zum Hörsaal ist geschlossen. Jederzeit - so scheint es - stürmen jetzt die Studenten zur nächsten Vorlesung ins Audimax.

Verräterisch ist lediglich die Pinnwand. "Suche Zimmer zum Wintersemester 2009", "Final-Party 2009". Alles passé, längst Geschichte.

Der große Hörsaal dient mittlerweile einem anderen Zweck. Gleich palettenweise wird dort Toilettenpapier gelagert. "Und unser großer Vorrat an Streumitteln. Den haben wir im vergangenen Winter ja nicht gebraucht", so Dajura. Currywurst mit Pommes oder doch lieber den vegetarischen Gemüseeintopf? Auch in der alten PH-Mensa gleich neben dem Hochhaus geht schon lange kein Essen mehr über die Theke. Der Betrieb ist eingestellt, das Gebäude ebenfalls geschlossen.

Kalorienabbau ist allerdings noch immer möglich. Denn die Turnhallen werden weiterhin vom Uni-Hochschulsport genutzt. Erst wenn das Ausweichquartier auf dem Campus Poppelsdorf fertig ist, ziehen Sportler und Sportgeräte um. Was aus dem alten PH-Hochhaus einmal werden wird, steht in den Sternen. "Noch ist alles offen", erklärt Frank Buch vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW. "Wir führen mit der Stadt Bonn und der Universität Gespräche über eine neue Nutzung." (Gabriele Immenkeppel)