Ausschreitungen in Bonn

Salafisten griffen Polizisten an

Straßenschlachten lieferten sich gewalttätige Salafisten mit der Polizei in Lannesdorf.

BONN. Ausgelöst durch Provokationen der Partei Pro NRW ist es am Samstag in Bonn-Lannesdorf zu schweren Ausschreitungen radikalislamischer Salafisten gekommen. Dabei griffen Gewalttäter Polizisten mit Steinen und Knüppeln an.

Zwei Beamte erlitten schwere Verletzungen durch Messerstiche. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen, ebenso wie weitere 108 Personen, denen unerlaubter Waffenbesitz und Landfriedensbruch vorgeworfen wird. Insgesamt wurden 29 Polizisten verletzt, zudem entstand erheblicher Sachschaden.

Eine Wahlkampfkundgebung der rechtspopulistischen Partei Pro NRW in Sichtweite der saudi-arabischen König-Fahd-Akademie war am Samstagnachmittag zunächst friedlich geblieben, weil es der Polizei gelang, die knapp 30 Aktivisten der Rechtspartei räumlich und optisch von rund 600 Gegendemonstranten zu trennen. Als jedoch eine Mohammed-Karikatur des dänischen Zeichners Kurt Westergaard gezeigt wurde, kippte die Stimmung schlagartig.

Aus der Menge der Gegendemonstranten, unter denen sich nach Einschätzung der Polizei auch etwa 200 Gewalttäter aus dem salafistischen Umfeld befunden haben, flogen Steine, Flaschen und andere Gegenstände auf die eingesetzten Beamten.

Während die Pro-NRW-Aktion von der Polizei umgehend beendet wurde, griffen Gegendemonstranten die Beamten an. Die Folge waren chaotische Szenen auf der Ellesdorfer Straße, wo es kurz nach der Eskalation auch zu dem Messerangriff auf insgesamt drei Polizisten kam. Eine 30-jährige Polizeikommissarin und ihr 35 Jahre alter Kollege wurden schwer verletzt und mussten im Krankenhaus operiert werden.

Laut Polizei befinden sie sich auf dem Wege der Besserung. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 25-jährigen Tatverdächtigen wegen versuchter Tötung, eine Mordkommission wurde eingerichtet. Andere Gewalttäter schlugen mit Zaunlatten auf die Polizisten ein, die der Lage nur langsam Herr wurden. Einsatzwagen wurden ebenso beschädigt wie geparkte Autos. Insgesamt dauerte der Großeinsatz der Polizei in Lannesdorf bis in den späten Samstagabend. Auch gestern zeigte die Polizei Präsenz.

Von einer "Explosion der Gewalt, wie wir sie lange nicht mehr erlebt haben", sprach Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa am Sonntag auf einer Pressekonferenz. Auch die Einsatzleiter zeigten sich schockiert und sprachlos über das Ausmaß der Aggressionen, denen sich die eingesetzten Polizisten in Lannesdorf ausgesetzt sahen. Dennoch bewerteten sie das Einsatzkonzept als gelungen.

Zahlreiche Politiker äußerten sich angesichts der Eskalation schockiert und verurteilten die Gewalt der Salafisten wie auch die Provokationen seitens Pro NRW. Landesinnenminister Ralf Jäger ließ sich gestern in Bonn von der Polizeiführung eingehend über die Vorkommnisse in Lannesdorf unterrichten. Jäger sagte, er wolle versuchen, das Zeigen islamfeindlicher Karikaturen bei Veranstaltungen in NRW verbieten zu lassen.