Klima-Jahresticket für 365 Euro

SWB fordern zusätzliche Stellen für Bus- und Bahnfahrer in Bonn

Der Bonner ÖPNV bekommt 37,6 Millionen Euro vom Bund, um die Luftqualität zu verbessern.

Der Bonner ÖPNV bekommt 37,6 Millionen Euro vom Bund, um die Luftqualität zu verbessern.

Bonn. Noch vor einem Jahr lehnte die Stadt ein verbilligtes Jahres-Abo für Busse und Bahnen ab. Der Oberbürgermeister verteidigt den Sinneswandel. Für den Betriebsrat der SWB ist die Umsetzung des Projekts „Lead City“ in Bonn nur möglich, wenn zusätzliche Stellen geschaffen werden.

Es geht offenbar doch nicht ohne Zusatzpersonal bei den Stadtwerken. Noch am Dienstag hieß es, dass die im Förderprojekt „Lead City“ vorgeschlagenen Taktverdichtungen sowie neuen Buslinien ohne zusätzliche Fahrer und Fahrzeuge auskommen würden. Doch nun rudern zumindest die Stadtwerke (SWB) zurück. Laut Betriebsrat sind etwa 30 neue Stellen nötig. Von der Stadtverwaltung gab es jedoch keine konkrete Aussage, ob neue Stellen geschaffen werden sollen oder nicht.

Zum Förderprogramm des Bundes gehört auch ein Klima-Jahresticket für 365 Euro. Noch vor einem Jahr hatte die Stadtverwaltung allerdings einen Bürgerantrag auf ein solches Klimaticket nach Wiener Vorbild abgelehnt, weil es in den Hauptverkehrszeiten nicht genügend Kapazitäten für die zu erwartenden zusätzlichen Fahrgäste gebe. Um ein ansprechendes ÖPNV-Angebot sicherzustellen, wären daher „Mehrleistungen und zusätzliche Investitionen (Infrastruktur, Fahrzeuge, Personal) notwendig“, schrieb die Verwaltung damals.

„Das Klimaticket ist ein Test“, erklärte Oberbürgermeister Ashok Sridharan, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender bei SWB Bus und Bahn, am Donnerstag. „Vor dem Hintergrund drohender Diesel-fahrverbote soll herausgefunden werden, ob mit einer radikalen Preissenkung mehr Menschen auf den ÖPNV umsteigen. Wir werden die geplanten Angebotsverbesserungen gemeinsam mit den SWB beobachten und gegebenenfalls Kapazitäten ausweiten.“ Klar sei aber auch: Sollte das Klimaticket dauerhaft und für alle kommen, müssten die Kapazitäten gerade in den Hauptverkehrszeiten ausgebaut werden.

Der Betriebsrat bei Bus und Bahn sieht das Projekt „Lead City“ anders als viele Kommunalpolitiker und Bürger eher positiv. Die Vorschläge trügen dazu bei, den ÖPNV in Bonn und damit auch die Stadtwerke zu stärken, ist Betriebsratsvorsitzende Monika Pohl sicher. Wie das Projekt konkret ungesetzt werden soll, damit beschäftige sich eine Planungsgruppe. Für den Betriebsrat stehe fest, dass die Umsetzung der Vorschläge mit zusätzlichen Stellen einhergehen müsse.

Viele Verspätungen und Ausfälle

„Unser Bereichsleiter hat die Zahl überschlagen und kommt auf 30 neue Stellen“, sagte Pohl. Ob es am Ende so viele sind, werde man nächstes Jahr sehen. Noch vor zwei Tagen hatte SWB-Sprecherin Veronika John erklärt, dass man ohne zusätzliche Fahrzeuge und Stellen für Fahrer auskomme. „Da muss ich mich nach Rücksprache mit der Bereichsleitung der SWB Bus und Bahn korrigieren“, sagte John nun.

Ob auch zusätzliche Fahrzeuge vonnöten sein werden, wollte die Betriebsratsvorsitzende Pohl nicht beurteilen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Neuanschaffungen nicht von heute auf morgen möglich sind. Sie verwies auf den Ratsbeschluss von 2017 zum Kauf von 26 neuen Straßenbahnen mit Option auf neun weitere. Und die werden John zufolge nicht vor 2021/22 geliefert werden können.

Bereits jetzt gibt es immer wieder Verspätungen und Ausfälle von Bussen und Bahnen in Bonn – oft wegen Personalproblemen. Im ersten Quartal dieses Jahres verzeichneten die SWB allein bei den Stadt- und Straßenbahnen einen Ausfall von 2163 Fahrstunden. Besonders drastisch waren die Ausfälle am Dienstag vergangener Woche, räumt SWB-Sprecherin John ein. Wegen der Hitze hätten sich zahlreiche Fahrer krank gemeldet. Einige Mitarbeiter seien sogar im laufenden Dienst ausgestiegen, weil sie nicht mehr einsatzfähig gewesen seien.

Zwar habe sich die Lage aufgrund der Ferienzeit etwas entspannt, so John. Doch vom Idealzustand sind die SWB auch wegen des nach wie vor bestehenden Fahrermangels noch weit entfernt. Betriebsrätin Pohl geht davon aus, dass bis Oktober die zurzeit zehn vakanten Stellen besetzt sein werden. Auch zeigte sie sich zuversichtlich, dass 20 zusätzliche Stellen, die im Zusammenhang mit Angebotsausweitungen zum Fahrplanwechsel im Dezember eingerichtet werden sollen, schnell besetzt werden könnten.