Dimap-Umfrage vor der Kommunalwahl 2014

Südtangente: Auch viele Bonner sind dafür

Die Grafik zeigt den Tunnelmund des sogenannten Ennertaufstiegs am Ramersdorfer Knoten.

BONN. Wenn es um kommunalpolitische Prioritäten geht, sind sich die Wähler in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis ziemlich einig. Ganz oben stehen der Abbau kommunaler Schulden, die Kriminalitätsbekämpfung und der Ausbau der Kinderbetreuungsangebote.

Das ist eines der Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage durch das Meinungsforschungsinstitut Dimap im Auftrag des General-Anzeigers. Sie zeichnet ein Stimmungsbild der Region kurz vor der Kommunalwahl am 25. Mai.

Bei der Frage, womit sich die Kommunalpolitiker besonders beschäftigen sollen, liegen die Ergebnisse der drei Top-Themen in der Bundesstadt und im Kreis sehr nah beieinander. 85 Prozent der Bonner denken offenbar an künftige Generationen und fordern den Schuldenabbau, im Kreis sind es sogar 88 Prozent.

Ähnlich bei der Kriminalitätsbekämpfung (Bonn 84 Prozent, Kreis 82 Prozent) und der Kinderbetreuung (82/78 Prozent). Danach folgt in Bonn die bessere Integration von Zuwanderern mit 74 Prozent (Kreis: 68 Prozent) und im Kreis der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mit 72 Prozent (Bonn: 68 Prozent).

Die Bonner und die Menschen im Umland stimmen auch bei der Bedeutung überein, die sie dem Ausbau von Radwegen beimessen: 61 Prozent der Bundesstädter halten das für eine wichtige Aufgabe, im Kreis sind es 67 Prozent der Befragten. Den Ausbau des Straßennetzes finden mit 59 Prozent etwas mehr Rhein-Sieg-Bewohner bedeutsam, als es in Bonn der Fall ist (56 Prozent).

[kein Linktext vorhanden] Die Dimap-Interviewer haben für die Prioritätenliste jeweils zehn Themen genannt. Mit einigen davon sollten sich die Kommunalpolitiker nach der Mehrheitsmeinung der Befragten eher weniger beschäftigen. Das gilt im Rhein-Sieg-Kreis für die Neuansiedlung von Windparks (51 Prozent) und den Bau von neuen Outlet-Einkaufszentren (77 Prozent).

In Bonn finden 50 Prozent, dass der Stadtrat sich weniger mit der Südtangente befassen sollte. Im Fall des Beethoven-Festspielhauses sagen das 59 Prozent der Befragten. Sogar 74 Prozent sind der Meinung, dass die Kommunalpolitiker weniger Energie für die Reduzierung der Lärmbelastung bei Open-Air-Veranstaltungen aufwenden sollten.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich bei der persönlichen Meinung der Befragten zu jeweils sechs Themen, die in Bonn und dem Kreis vorgegeben wurden. Dabei konnten sie sagen, ob sie "eher dafür" oder "eher dagegen" sind.

[kein Linktext vorhanden]Dieser Teil der Umfrage untermauert die große Bedeutung der Verkehrssituation in der Region: Den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs befürworten hier 78 Prozent der Bonner und 80 Prozent der Befragten im Rhein-Sieg-Kreis. Ähnlich sieht es beim Radwegebau (Bonn 72 Prozent/Kreis 76 Prozent) und beim Straßenbau (60/65 Prozent) aus.

Beim Festspielhaus ist die persönliche Zustimmung unter den Bonnern fast ausgewogen: 46 Prozent sind dafür, 47 Prozent dagegen, der Rest macht keine Angaben.

Gefragt wurde nach dem "Bau des privat finanzierten Festspielhauses in der Nähe zur Beethovenhalle". Dass die Stadt Bonn öffentliche Gelder für den späteren Betrieb aufwenden müsste, ist in der Umfrage nicht berücksichtigt worden, weil die Summen noch nicht feststehen.

Überraschend dürfte für viele Politiker sein, dass es in der Bundesstadt keineswegs eine klare Mehrheit gegen die Südtangente gibt, die vom Bonner Rat abgelehnt wird. 43 Prozent der Bonner befürworten die seit vielen Jahren umstrittene Verbindung zwischen den Autobahnen A 565 und A 3, die das Bundesverkehrsministerium im Moment einer erneuten Prüfung unterzieht.

45 Prozent der Bonner lehnen das Projekt ab. Im Rhein-Sieg-Kreis sind 47 Prozent dafür und 41 Prozent dagegen. Geht es um die persönliche Zustimmung, gibt es dort fast genauso viele Befürworter von Windparks wie Gegner. 47 Prozent der Befragten sprechen sich für den Neubau solcher Anlagen aus, 45 Prozent wollen das nicht.

Die Dimap-Interviewer fragten am Telefon auch nach dem Interesse an Kommunalpolitik. In Bonn geben 71 Prozent an, "sehr" oder "etwas" an der Politik vor Ort interessiert zu sein. Im Kreis sind es mit 67 Prozent weniger. Das Interesse ist dabei um so größer, je älter und besser gebildet die Personen sind.

Bei einem großen Teil der Befragten ist zu vermuten, dass sie eher nicht zur Kommunalwahl gehen werden: 28 Prozent der Bonner haben wenig oder kein Interesse an dem, was die Politiker tun (Kreis: 33 Prozent).

In Bonn werden hauptsächlich zwei Gründe angegeben: Jeweils 60 Prozent finden, dass sie keinen Einfluss auf die Entscheidungen haben und dass die Interessen der Bürger durch die Kommunalpolitiker nicht ausreichend vertreten werden.

Letzteres beklagen im Rhein-Sieg-Kreis 50 Prozent der Befragten, während 56 Prozent den Mangel an Einfluss als Grund nennen. 51 Prozent halten hier aber auch einfach die kommunalpolitischen Themen für "langweilig".