Festspielhaus in Bonn

Rat will neuen Bebauungsplan an der Beethovenhalle

Das Studentenwohnheim am Rheinufer (links im Bild) müsste für das Festspielhaus fallen.

27.03.2014 BONN. Das Festspielhaus-Projekt hat Donnerstagabend eine formale Hürde genommen: Der Stadtrat beschloss die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans für das Gebiet rund um die Beethovenhalle.

Damit soll Baurecht für ein Konzerthaus geschaffen werden. Ziel der Planung ist laut Stadtverwaltung, einen Musikcampus zu "Ehren des größten Sohnes der Stadt" zu etablieren - mit einem architektonisch hochkarätigen Gebäudeensemble, unter Erhaltung der denkmalgeschützten Beethovenhalle. Grüne und Linkspartei stimmten dagegen.

Der Bebauungsplan "Beethoven Festspielhaus Campus" umfasst das Gebiet zwischen Welschnonnen-, Theater- und Windmühlenstraße, Erzbergerufer und Wachsbleiche. Die Grünen lehnten den Beschluss ab, weil sie grundsätzlich gegen das Festspielhaus sind.

"Wir wollen ein erfolgreiches Beethovenjahr 2020", versicherte Fraktionssprecher Peter Finger. Aber das Festspielhaus sei "mehr ein Luftschloss", das zum "Millionengrab" für die Stadt zu werden drohe. Damit zielen die Grünen vor allem auf die Kosten für die baureife Übergabe eines Grundstücks an die Investoren. Dass die Stadtverwaltung diese Ausgaben als städtische Bringepflicht sieht, sei von den bisherigen Ratsbeschlüssen nicht gedeckt.

Festspielhaus-Initiativen und Stadtverwaltung favorisieren ein Areal südlich der Beethovenhalle zwischen der Theaterstraße, die überbaut werden würde, und dem Erzbergerufer. Auf dem zum Rhein hin abfallenden Gelände müssten ein Bunker und ein Studentenheim abgerissen werden, für das das Studentenwerk einen Erbpachtvertrag besitzt. Leitungen und Kanäle müssten verlegt, der Verkehr umgeleitet werden. Der Verhandlungsstand mit dem Studentenwerk und die Kosten für die baureife Übergabe des Areals sind unklar: Die Stadtverwaltung verweigert mit Hinweis auf laufende Prüfungen derzeit jede Auskunft.

Auch Jürgen Repschläger (Linke) machte erneut Front gegen das Projekt und forderte einen Kammermusiksaal-Anbau an die Beethovenhalle als Alternative. Die Mehrheit des Rates unterstützte jedoch das Festspielhaus. "Wir sollten der Post dankbar sein, dass sie an diesem Projekt festhält", sagte Bärbel Richter, Fraktionsvorsitzende der SPD. Das Zeitfenster sei zwar nur noch klein: "Aber noch haben wir eine Chance, es zu schaffen."

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus-Peter Gilles unterstrich die Bedeutung eines Festspielhauses für den Wirtschaftsstandort Bonn. Zwar müssten noch viele Fragen bis hin zum Betriebskonzept geklärt werden, aber das sei normal für ein solches Projekt. Auch Werner Hümmrich (FDP) wertete ein Festspielhaus als "große Chance" für Bonn: "Beethoven ist das einzige Alleinstellungsmerkmal, das uns niemand nehmen kann", betonte er. Bernhard Wimmer (Bürger Bund) begrüßte sowohl das Bebauungsplanverfahren als auch den geplanten Architektenwettbewerb als richtige Schritte. Endgültig entscheiden könne der Rat ohnehin erst, wenn alle Fragen geklärt seien.

Post-Konzern setzt engen Zeitplan

Die Deutsche Post DHL stellt für die rein privat zu finanzierenden Baukosten 30 Millionen Euro in Aussicht. Sie ist auch bereit, einen Architektenwettbewerb für ein Festspielhaus neben der Beethovenhalle zu organisieren und zu bezahlen. Um den neuen Konzertsaal rechtzeitig vor dem Beethoven-Jubeljahr 2020 in Betrieb nehmen zu können, drängt die Post auf einen straffen Zeitplan: Bis Ende Mai soll die Stadt Bonn das Baufeld festgelegt haben, auf dem die Architekten planen sollen.

Bis Jahresende soll eine Jury den Siegerentwurf küren. Dann folgt die Feinplanung. Im Frühjahr 2015 soll der Bauantrag gestellt, 2016 der erste Spatenstich gesetzt werden. In die Bauherrengesellschaft werden neben der Post wohl der Festspielhaus-Förderverein um IHK-Präsident Wolfgang Grießl und die Beethoventaler-Genossenschaft eintreten. (Andreas Baumann)