Historische Fotoschau über Bonn

Rainer Selmann zeigt Vergessenes der Stadtgeschichte

In dem Raum hinter dem Kellerfenster lag Anfang der 1970er Jahre der einbalsamierte Leichnam von Evita Perón. Foto: Privat

BONN. Als "Engel der Armen" wird sie auch heute noch, gut 60 Jahren nach ihrem Tod, verehrt. Doch wer weiß schon, dass María Eva Duarte de Perón, besser bekannt als Evita, in Bonn war - allerdings als Leiche?

Dieses Geheimnis wird der Bonner Historiker Rainer Selmann heute bei seiner "Historischen Fotoschau" lüften. Denn nach ihrem Tod und dem politischen Sturz von Juan Perón 1955 wurde der einbalsamierte Leichnam der ehemaligen First Lady Argentiniens aus Furcht vor Schändung und Entführung jahrelang auf eine Irrfahrt durch halb Europa geschickt.

Eine ihrer Stationen war die damalige Botschaft Argentiniens an der Adenauerallee. Für einige Wochen wurde die Leiche dort in einer Nacht-und-Nebel-Aktion im Keller "zwischengelagert", bis sie über Madrid 1976 wieder zurück nach Südamerika kam. "Makaber aber wahr", so Selmann, der wieder einige bisher wenig bekannte Anekdoten aus der Geschichte Bonns in seiner gewohnt lustig-unterhaltsamen Manier erzählen wird.

Kaum Beachtung findet seit fast 30 Jahren auch der südamerikanische Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar. Anlässlich seines 200. Geburtstags wurde der Stadt 1984 von der Republik Venezuela eine Statue des Nationalhelden geschenkt. "Und was macht man mit Geschenken, die niemand haben will?", fragt Selmann. "Genau, man stellt sie in irgendeine Ecke." Das sei in der Öffentlichkeit auch nicht anders als im Privaten. "Dieses Schicksal blieb auch dem Freiheitskämpfer nicht erspart. Er wurde an der Heussallee/Willy-Brandt-Straße abgestellt, in einer Ecke eben - und ist mittlerweile fast komplett zugewachsen.

"Hoffentlich sind heute Abend nicht Gäste aus Brandenburg dabei. Denn die sind immer ganz pikiert, wenn ich auf die Pfälzischen Erbfolgekriege zu sprechen kommen", so der Historiker. Denn die Brandenburger waren federführend dafür verantwortlich, dass Bonn 1689 in Schutt und Asche gelegt wurde.

Sollten Besucher des östlichen Bundeslandes dabei sein, dann verweist Selmann noch schnell darauf, dass auch Münsteraner und Niederländer an der Zerstörung beteiligt waren, "die Mehrzahl waren allerdings Brandenburger".

Ihr Fett weg bekommen auch die Römer. Obwohl sie die erste Brücke von Bonn zum Beueler Rheinufer gebaut haben, ließen sie diese schon nach einigen Tagen wieder einreißen. "Sie hatten einfach nicht bedacht, dass auch die Germanen so den Fluss passieren konnten."

Tiere und Pflanzen sind immer wieder ein beliebtes Thema seiner Vorträge. So auch die Mammutbäume. Im 19. Jahrhundert war es bei der High Society geradezu "in", einen Mammutbaum zu pflanzen. Heute wachsen sie im ganzen Stadtgebiet. "Sie werden auch Sequoia genannt. Dieses Wort stammt aus der Indianersprache und bedeutet soviel wie Spatz. Ein wirklich guter Name für einen solchen Riesen."

Auf die gefiederten Flüchtlinge aus Köln weist er ebenfalls gerne hin. "Die Halsbandsittiche gehören eigentlich nach Indien. Die ersten Exemplare brachte Alexander der Große nach einem Feldzug mit nach Europa. Mitte der 1960er Jahre sind einige Vögel aus einer Voliere in Köln ausgebüxt und haben sich hier in Bonn niedergelassen. Unsere Sittiche sind also Nachfahren der Flüchtlinge aus Köln. Das Bonner Klima ist ja auch nicht viel anders als das in Nordindien."

Ein Stück Heimat

Die Historische Fotoschau "Bonn, ein Stück Heimat" beginnt heute um 20 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) im Kultur-Bistro Pauke, Endenicher Straße 43. Karten gibt es für 14 Euro an der Abendkasse und im Vorverkauf in den Bonnticketshops der GA-Zweigstellen für zehn, ermäßigt sieben Euro zuzüglich ein Euro Gebühr.