Thema Integration

Podiumsdiskussion im Migrapolis-Haus der Vielfalt

Im Gespräch: Hossein Pur Khassalian, Saloua Mohammed und Ezana Elaidi (v.links) im Haus der Vielfalt.

Bonn. Diente die Diskussion über das Zusammenleben mit Muslimen am Dienstag als Indikator für gelungene Integration, man müsste das Thema womöglich kaum mehr als Herausforderung wahrnehmen.

Fünf Bonner Muslime hatten auf Einladung von Bonns Integrationsbeauftragter Coletta Manemann auf dem Podium Platz genommen, gut und gerne 70 Zuhörer füllten das "Migrapolis"-Haus der Vielfalt. Younis Kamil, ehrenamtlich für Nachwuchssportler im Einsatz, berichtete von verstärkten Radikalisierungstendenzen unter jungen Muslimen, die er als Betreuer junger Sportler in jüngster Zeit beobachte.

Als Grund für Aggression und Abschottung vermute er den häufig schweren Stand und soziale Ausgrenzung junger Immigranten. "Viele Jugendliche fühlen sich abgewiesen, aber oft liegt dies auch an ihnen selbst", skizzierte Kamil jenen Teufelskreis. "Das Niveau ist überall gesunken, die Atmosphäre an den Schulen lässt vielfach zu wünschen übrig", bemerkte Ezana Elaidi vom Haus der Generationen in Bad Godesberg. Vernünftig sei Integrationsarbeit dort, wo sie von den Eltern auch mitgetragen werde.

Leider gebe es auch Fälle, in denen Integrationsmittel zweckentfremdet würden, berichtete sie. Extreme Minderheiten gebe es überall; es sei jeweils an der Mehrheit, diese zu kompensieren, sagte Abdlqalq Azrak. Zuwanderer müssten sich in das jeweils bestehende System integrieren, eine "andere Mentalität" sei keine Entschuldigung.

"In diesem Sinne müssen wir auch unsere Kinder erziehen: Deutschland ist unsere Heimat, und wir sind ein Volk!", sagte das Vorstandsmitglied der Moschee an der Brühler Straße. Für Selbstkritik und weniger Arroganz in der eigenen Sache, offene Worte und gegenseitigen Respekt auf allen Seiten warb Saloua Mohammed: "Man sollte Menschen nicht kategorisieren". Und Hossein Pur Khassalian plädierte dafür statt Kirchen und Moscheen künftig Gotteshäuser zu eröffnen, die allen Religionen offen stehen.

Kontroversen waren von Moderatorin Beate Sträter eingangs zwar ausdrücklich gewünscht worden, blieben dann aber in weitestgehend höflichem Diskurs auf Lob und Kritik für die Medien, die Rolle der BIG-Partei und publik gewordene Auftritte von Fundamentalisten in Bonner Moscheen beschränkt. Nicht explizit thematisiert wurden konkrete Probleme durch Formen von Integrationsverweigerung oder Parallelgesellschaften. Durchweg gehaltvoll war die gut zweistündige Veranstaltung indes allemal.