Sexueller Missbrauch in Godesberger Aloisiuskolleg

Opferverein wirft Jesuiten mangelnde Aufarbeitung vor

Die Villa Stella Rheni des Aloisiuskollegs in Bad Godesberg.

Die Villa Stella Rheni des Aloisiuskollegs in Bad Godesberg.

Berlin/Bonn. Acht Jahre nach dem Missbrauchsskandal am Aloisiuskolleg in Bad Godesberg wirft der Eckige Tisch dem Orden mangelnde Aufarbeitung vor. Der Dialog wurde für gescheitert erklärt.

Zum Achtjährigen des Missbrauchsskandals an deutschen Schulen hat der Eckige Tisch Bonn, der Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs (Ako), nun seinen Dialog mit dem Jesuitenorden für gescheitert erklärt. „Wir haben nicht das Gefühl, dass die Jesuiten begriffen haben, dass das Leitungsversagen im System des Ordens die eigentliche Ursache der Missbräuche war“, erklärte Heiko Schnitzler in einer Pressemeldung.

Am 28. Januar 2010 war zuerst am Berliner jesuitischen Canisius Kolleg Missbrauch publik geworden. Der Skandal schwappte auch zum Bonner jesuitischen Aloisiuskolleg und der reformpädagogischen Odenwaldschule in Hessen über. Die Politik reagierte mit der Einrichtung eines Runden Tischs und des Amts eines Missbrauchsbauftragten beim Bund.

Die Jesuitenleitung leiste per Verzicht auf interne Aufarbeitung keinen Beitrag zur Prävention, argumentiert der Eckige Tisch. Sie sei offenbar „nicht willens, nach acht Jahren Skandal und sieben zumeist externen Untersuchungen, die alle auch das Versagen der jeweiligen Leitungen der Institution aufzeigen, ihre Konsequenzen für das System des Ordens mitzuteilen.“

Es fehlten konkrete Maßnahmen in der Personalpolitik. Vordergründige Aktivitäten ersetzten nicht die Prävention durch Analyse der Systemursachen. Ordensprovinzial ist aktuell Pater Johannes Siebner, der von Mitte 2011 bis Mitte 2017 Ako-Rektor war.

Der ließ am Freitag auf GA-Anfrage verlauten, die Deutsche Ordensprovinz bedauere es sehr, dass der Eckige Tisch Bonn den Dialog als gescheitert ansehe. „Wir haben von den Gesprächen der vergangenen Jahre, vor allem von der Dialog-Runde im Ako, sehr viel gelernt“, steht in der Stellungnahme. Man habe unmittelbar profitiert, auch wenn der Dialog mühsam und das Vorankommen in der Aufarbeitung oft langwierig sei. „Wir waren und bleiben immer für direkte Gespräche bereit“, betont der Orden. Der Provinzial habe erst Ende November ein direktes Gespräch angeboten.

Der Orden fühle sich der Aufgabe konsequenter Aufklärung, Aufarbeitung und Präventionsarbeit in allen Bereichen seiner Tätigkeiten weiter verpflichtet. Es gebe Fortbildungen für die Angestellten, Informationsabende für Eltern und entsprechende Unterrichtsinhalte, dazu „konkrete Verfahrenswege, wie beim Verdacht auf Handlungen sexualisierter Gewalt gehandelt werden muss.“

Johannes-Wilhelm Rörig, 1der Missbrauchsbeauftragte im Bund, fordert „eine groß angelegte Aufklärungskampagne, die gegen das weit verbreitete Wegschauen ankämpft und Hilfeangebote bekannt macht.“ Er bitte CDU, CSU und SPD, die Bekämpfung vonsexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und deren Folgen in den Koalitionsvertrag aufzunehmen und dafür ausreichend Geld zur Verfügung zu stellen. „Deutschland braucht ein Kindesmissbrauchs-Bekämpfungsgesetz.“