Stille Örtchen

Neues Konzept für öffentliche Toiletten in Bonn

Öffentliche Toiletten Fernbus Reisebus, an der Fernbushaltestelle an der Museumsmeile gibt es drei Toilettenhäuschen. Die Haltestelle wird von Flixbus mehrmals die Woche angefahren.

Öffentliche Toiletten Fernbus Reisebus, an der Fernbushaltestelle an der Museumsmeile gibt es drei Toilettenhäuschen. Die Haltestelle wird von Flixbus mehrmals die Woche angefahren.

Bonn. Viele Bonner beschweren sich über den Zustand der öffentlichen Toiletten. Die Stadt legt nun ein neues Konzept für die Anlagen vor, wonach an vier Orten in Bonn öffentliche WCs sinnvoll betrieben werden können.

Die Bonner Stadtverwaltung hat erstmals ein Toilettenkonzept vorgestellt. Ein Jahr lang hatten die Planer untersucht, an welchen Orten öffentliche WCs sinnvoll betrieben werden können. Herausgekommen sind vier Standorte: die Reisebushaltestelle am Hofgarten, der Fernbus-Stopp an der Museumsmeile, die U-Bahnhaltestelle Ramersdorf und der zentrale Omnibusbahnhof (ZOB). Allerdings kommt man auch zu dem Schluss, dass Bonn im Vergleich zu anderen Städten „keine Unterversorgung“ aufweise. Bürger und die Touristen-Information zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Fahrgäste wissen nicht, wo die Toiletten stehen

Wer in Bonn mit dem Fernbus ankommt, hält zwischen einem Parkhaus und der Bahnstrecke – direkt hinter der Museumsmeile. Drei Toi-lettenhäuschen hat die Stadtverwaltung hier aufstellen lassen, um zumindest das Nötigste für die Notdurft zu tun. Sie stehen hinter dem Parkhaus, nur Ortskundige scheinen sie zu kennen, weil keine Schilder darauf hinweisen. Zwei Busfahrer, die regelmäßig den Haltepunkt anfahren, hören von den Klos zum ersten Mal. „Vorher haben wir unseren Fahrgästen immer gesagt, dass sie bis zum Flughafen Köln/Bonn anhalten müssen“, erzählt einer von ihnen, der auf dem Weg nach Brüssel ist. Denn die kleinen Bordtoiletten sind nach der langen Fahrt schnell voll, längere Stopps an Raststätten wegen des engen Zeitplans meist nicht drin. Auch die Bonn-Information in der Innenstadt erhält regelmäßig Kritik von Gästeführern, Touristen und Bonnern. Das WC-Angebot sei nicht zentral genug angelegt, die Toiletten außer Funktion und oft für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar. Zudem sind sie meistens nur von 8 bis 20 Uhr geöffnet.

Schaut man sich allein die Zahlen an, steht Bonn gut da. „Unter diesem Aspekt gibt es keinen erhöhten Handlungsbedarf“, heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung. Auf rund 320 000 Einwohner kommen 16 öffentliche Toi-lettenstandorte. Wuppertal (350 000 Einwohner) hat zwölf WCs, Bochum (370 000 Einwohner) 13. Die Ausnahme ist Bielefeld: Die Stadt in Ostwestfalen bietet ihren 330 000 Bürgern 46 Toiletten. Der Lokus-Luxus kostet: Als Bonn noch 27 WCs hatte, fielen jedes Jahr mehr als 400 000 Euro für Reinigung, Strom, Wasser und Reparaturen an. Momentan sind es noch 140 000 Euro. Im Gegenzug werden nur 3000 Euro pro Jahr durch Gebühren am Bertha-von-Suttner-Platz und am Moltkeplatz eingenommen. 50 Cent kostet dort jeder Toilettengang. Allein der Preis für das Aufstellen lag vor zehn Jahren bei mehr als 200 000 Euro.

Auch heute sind die geplanten Toiletten teuer, wie die Machbarkeitsstudie für drei der neuen Standorte vorrechnet. Das stille Örtchen an der Haltestelle am Hofgarten, wo derzeit Container von Bonnorange stehen, wird mit etwa 328 000 Euro beziffert. In dem 20 Quadratmeter großen Häuschen sind ein WC für Damen, das auch Behinderte nutzen können, sowie eins für Herren mit zwei zusätzlichen Urinalen enthalten. Rund 120 000 Euro teurer soll die Sanierung der Toiletten an der U-Bahnhaltestelle Ramersdorf werden. Hier muss nicht nur die alte Einrichtung der Toiletten abgerissen, sondern auch Dach und Lichtkuppeln müssen saniert werden. Zum Inventar gehören dann vier WCs, eins davon behindertengerecht, und ein Wickeltisch. Zwei Toilettenwünsche aus der Bürgerbefragung „Bonn packt's an“ wurden in der Studie nicht berücksichtigt: im Godesberger Zentrum am Ria-Maternus-Platz und am Beueler Bahnhof.

Verhandlungen mit Werbepartner „nicht erfolgversprechend“

Dabei war auch angeregt worden, die Toiletten von Dritten betreiben zu lassen, wie es Karlsruhe und Berlin machen. „Das setzt aber entsprechende Vertragsgestaltungen voraus“, so die Bonner Stadtverwaltung. Nachfragen beim derzeitigen Werbevertragspartner seien nicht erfolgversprechend gewesen. „Es besteht wenig Interesse am Betrieb solcher Anlagen.“

Im Juni soll in der Bezirksvertretung Bonn über das Toilettenkonzept beraten werden. Die CDU-Fraktion hat schon einen Antrag gestellt: Die Stadt soll beauftragt werden, die WCs zu bauen und sanierungsbedürftige instand zu setzen – und zwar bis zum Beethovenjubiläum 2020.