Institute on Behavior and Inequality

Neues Bonner Institut untersucht menschliches Verhalten

Professor Armin Falk

Bonn. Hausnummer fünf an der Schaumburg-Lippe-Straße beherbergte bereits die Landesvertretung der Stadt Bremen. Jetzt soll die Villa zu einem Zentrum für die Analyse menschlicher Verhaltensweisen und den Ursachen ökonomischer und sozialer Ungleichheit werden.

Seit April vergangenen Jahres ist hier das Institute on Behavior and Inequality, kurz briq, angesiedelt. Mit einem Gastvortrag des amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträgers Professor James J. Heckman von der Universität in Chicago sowie Beiträgen von internationalen Wissenschaftlern haben am Mittwoch Professor Armin Falk, Leiter des Instituts, Klaus Zumwinkel, Präsident der Deutsche Post Stiftung und Professor Michael Hoch, Rektor der Uni Bonn, das Institut feierlich eröffnet.

„Ich bin sehr froh, dass Professor Falk sich entschlossen hat, das Institut zu leiten“, sagte Zumwinkel in seiner Eröffnungsrede. Finanziert wird die Einrichtung von der Deutschen Post Stiftung. Neben dem benachbarten Institute of Labor Economics und dem Institute Environment & Sustainability ist es die dritte Forschungsauskopplung der Stiftung.

Kooperationsvertrag mit der Uni Bonn

Daneben besteht ein Kooperationsvertrag mit der Uni Bonn. Unter der Leitung von Falk erforschen insgesamt fünf Wissenschaftler und zehn studentische Hilfskräfte die Ursachen und Folgen sozialer und ökonomischer Ungleichheit sowie das menschliche Verhalten unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Dazu werden Verhaltensexperimente durchgeführt, die beispielsweise die Risikobereitschaft oder die Bereitwilligkeit, mit anderen zu kooperieren oder auch zu konkurrieren, untersuchen.

„Wir erforschen zum Beispiel das Spendenverhalten. Aber auch Moral ist ein Forschungsthema“, erklärt Markus Antony, Science Manager am briq. Eine Langzeitstudie, die Falk bereits seit 2011 betreibt, analysiert das Mentorenprogramm „Balu und Du“, bei dem 700 sozial benachteiligte Kinder einen Mentor zur Seite gestellt bekommen. Anhand von Fragebögen, Interviews und Verhaltensexperimenten versuchen die Forscher des briq, die Effekte der Förderung nachzuzeichnen.

These

Denn so die These: prosoziale Fähigkeiten wie Vertrauen oder Hilfsbereitschaft wirken sich positiv auf den späteren Lebens- und Berufsweg aus. Erste positive Ergebnisse ließen sich bereits feststellen, so die Wissenschaftler. Die Forschung in diesem Bereich werde immer wichtiger, wie Professor Hoch erklärte, denn ein Teil der Bevölkerung fühle sich bereits sozial benachteiligt. Auch Heckman, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Instituts, stellte in seiner Eröffnungsrede den Zusammenhang von kindlicher Entwicklung und Ungleichheit dar.

Fähigkeiten wie Motivation, Aufmerksamkeit oder Selbstregulation seien wichtige sozial-emotionale Anlagen, die sich im kindlichen Alter fördern ließen. Im Anschluss an seine Ausführungen präsentierten die anderen Mitglieder des Beirates, Professor Janet Currie von der Princeton University, Professor Botond Köszegi von der Central European University in Ungarn sowie Professor Ulrike Malmendier von der University of California ihre Forschungen.

Neben einem Gästeprogramm werden Fachkonferenzen, Workshops und Summer Schools für Doktoranden angeboten. Einmal wöchentlich findet in Kooperation mit der Bonn Graduate School of Economics, der Graduiertenschule an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Bonn, ein Seminar in den Räumen des Instituts statt. Bei den Tagungen sollen Wissenschaftler aus der ganzen Welt am Rhein zusammenkommen. „Unser Ziel ist es, uns mit anderen Universitäten zu vernetzen“, sagt Antony.