Hochwasserschutz im Bonner Norden

Neues Bett für den Rheindorfer Bach?

Schlingpflanzen, Geäst und Morast haben das Ufer des Rheindorfer Baches im Griff. Doch das Areal könnte sich massiv verändern.

Schlingpflanzen, Geäst und Morast haben das Ufer des Rheindorfer Baches im Griff. Doch das Areal könnte sich massiv verändern.

Graurheindorf. Die mögliche Verlegung des Rheindorfer Bachs wird zur zentralen Frage. Wenn der Rhein über die Ufer tritt, beginnt für die Menschen in Graurheindorf ein ums andere Mal das große Zittern.

Spätestens seit den großen Hochwasser-Ereignissen 1993 (10,13 Meter) und 1995 (10,08 Meter) kommt in Graurheindorf immer wieder die Frage nach Schutzmaßnahmen auf, damit das Wasser nicht mehr in den Straßen im Dorf steht. Bislang ist die Umsetzung an den Kosten gescheitert, allerdings liegen die Planungen fertig in der Schublade. Allein das war jedoch ein Kraftakt. „Ein Dreivierteljahr konnten sich die Bezirksregierung in Köln und die Untere Wasserbehörde bei der Stadt Bonn nicht einigen, wer das Verfahren durchführen muss“, berichtet Matthias Franke, der zuständige Projektleiter beim Tiefbauamt. Im Ergebnis müssen beide Behörden sich mit dem Hochwasserschutz befassen, der ja auch eine Verlegung des Rheindorfer Baches umfasst.

„Die technische Planung ist fertig und muss nur noch dem neuen Naturschutzgesetz angepasst werden“, so Franke. Vorgesehen ist einerseits, bestehende Mauern im Dorf um 30 Zentimeter bis maximal einen Meter zu erhöhen, damit ein Schutz bis 9,50 Meter Bonner Pegel erreicht wird. Außerdem – und das ist die gravierendere Maßnahme – will man den Bach in ein neues Bett legen und um rund 1,5 Kilometer verlängern, so dass er erst nördlich der Mondorfer Fähre in den Rhein mündet. Damit könnten dann neue Retentionsflächen entstehen, die der Rhein immer dann überfluten kann, wenn er bei Hochwasser in den Bach drückt. Auf einer Länge von etwa 250 Meter muss dann allerdings der heutige Bachlauf zugeschüttet werden, und zwar zwischen Estermannstraße und der heutigen Mündung am Bootshaus von Blau-Weiß Bonn. Der hochwertige neue Bachlauf, der im Gegenzug auf einer Länge von 1,5 Kilometern entsteht, soll auch als attraktiver Grünzug für die Naherholung genutzt werden können.

Vorher ist allerdings ein Flurbereinigungsverfahren nötig, weil ein Großteil der Grundstücke in privater Hand ist. „Aber es gibt auch einige verwilderte Flächen, und teilweise werden auch Ziegen und Hühner gehalten“, so Franke. Schon 2012 haben sich die Politiker auf die sogenannte Variante 3 geeinigt. Will heißen: Der Bach soll in Höhe der Rheindorfer Burg abgebunden, in einer Altarm-Rinne des Rheins in Richtung Norden weiter geführt und in Höhe der Fähre in den Rhein geleitet werden.

Bürgerversammlung am 11. April

Für diese Variante, die damals auf 7,2 Millionen Euro an Kosten taxiert wurde, hatte sich auch die Verwaltung ausgesprochen, weil die EU und das Land NRW nur für diese Planung einen Zuschuss von bis zu 80 Prozent in Aussicht gestellt haben. Grund: Durch die Bachverlegung wird ein neuer Überschwemmungsraum für den Rhein geschaffen. Allerdings glaubt Projektleiter Franke auch: „Die sieben Millionen Euro werden wohl nicht reichen.“ Und ohne Zuschüsse sei die Bachverlegung nicht vertretbar.

Ob auch die Graurheindorfer die Pläne mehrheitlich vertretbar finden, wird man erst bei einer Bürgerversammlung sehen, zu der die Stadt Bonn bereits jetzt einlädt. Sie findet am Donnerstag, 11. April, im Pfarrsaal Sankt Margareta am Margaretenplatz 11 statt. Start ist um 18 Uhr. Die Stadtverwaltung will dann über den Stand der Planung berichten, bevor die eigentlichen Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden.

Wie lange diese Verfahren dauern werden, hängt von der Art und Menge der Einsprüche ab. „Für den Hochwasserschutz müssen die Eigentümer mitspielen“, sagt Tiefbauamtsleiter Peter Esch und beziffert die Anzahl der betroffenen Häuser auf rund zehn Immobilien. „Wir wissen auch nicht, ob jemand im Verfahren klagt.“ In jedem Fall wird sich die Sache hinziehen, weiß auch Esch. „Eine Zeit von sechs Jahren bis zum ersten Spatenstich ist nicht unrealistisch“, glaubt der Vertreter der Stadtverwaltung.