190 Jahre Bonner Carnevals-Gesellschaft

Mit einem komischen Singspiel fing alles an

190 Jahre Bonner Karneval: Autor und Festausschuss-Archivar Marcus Leifeld, die Präsidentin des Festausschusses Marlies Stockhorst, Autor und Leiter der gruppe Susstellungen im Festausschuss Karl-Heinz-Erdmann sowie der Vizepräsident des Festausschusses mit der Festschrift zu dem Jubiläum vor dem Haus Am Hof 26... FOTO: ROLAND KOHLS

190 Jahre Bonner Karneval: Autor und Festausschuss-Archivar Marcus Leifeld, die Präsidentin des Festausschusses Marlies Stockhorst, Autor und Leiter der gruppe Susstellungen im Festausschuss Karl-Heinz-Erdmann sowie der Vizepräsident des Festausschusses mit der Festschrift zu dem Jubiläum vor dem Haus Am Hof 26... FOTO: ROLAND KOHLS

02.02.2016 BONN. Vor 190 Jahren wurde in einem Tanzsaal in der Bonner Innenstadt die Bonner Carnevals-Gesellschaft gegründet. Sie gilt als Vorgänger des Festausschusses. Der hat anlässlich des Jubiläums eine Broschüre über die Historie des Bonner Karnevals aufgelegt.

Adolph Pelmann war „ne staatse Kääl“. Gottfried Kinkel charakterisierte ihn als das „längste Mannsbild in ganz Bonn, der einen stets bereiten, jeden Zwist versöhnenden und recht auf die Masse berechneten Witz besaß.“ Doch nicht allein mit dieser Tugend schuf sich Pelmann bereits zu Lebzeiten ein Denkmal im beschaulichen Bonn: Als sich 1826 die „Bonner Carnevals-Gesellschaft“ gründete, übernahm Pelmann als Leiter und Lenker die Geschicke des Komitees. Die Gesellschaft ist sozusagen der Vorläufer des heutigen Festausschusses. Mit der Organisation eigener Feiern verfolgte man damals jedoch auch wirtschaftliche Interessen. Denn bis dahin fuhren die Bürger kurz vor Beginn der Fastenzeit nach Köln oder Düsseldorf – und gaben ihr Geld außerhalb der eigenen Stadt aus.

„Und was macht ein Karnevalist am allerliebsten?“, fragte Präsidentin Marlies Stockhorst. „Er feiert seine Jubiläen.“ Unter dem Titel „Von der Bonner Carnevals-Gesellschaft zum Festausschuss. 190 Jahre organisierter Frohsinn“ stellte sie jetzt eine Broschüre anlässlich der Gründung von 1826 vor. Dafür haben Karl-Heinz Erdmann und Marcus Leifeld zwei Jahre lang in Archiven gestöbert, rund 800 Aktenblätter sowie noch einmal 600 Presseberichte, unzählige Briefe, Plakate und Polizeiunterlagen gelesen, zusammengetragen sowie ausgewertet und schließlich diese Chronik verfasst.

Für die Präsentation der Broschüre hatte der Festausschuss einen historischen Platz gewählt. Am 5. Februar 1826 wurde das komische Singspiel „Die Dorfdeputierten“ von Johann Lukas Schubaur im „Englischen Hof“, einem Restaurant mit großem Tanzsaal, das damals an der Ecke Fürstenstraße stand, aufgeführt. Von diesem Fest waren die Bonner so begeistert, dass sich von nun an ein Komitee mit einem Rat, einem Vorstand und verschiedenen Unterabteilungen um die Organisation des Karnevals in der Stadt kümmerte.

Im Mittelpunkt stand dabei die Durchführung des Rosenmontagszuges, der erstmals am 18. Februar 1828 durch die Stadt zog. Von Anfang an gab es ein Motto und die Teilnehmer trugen dazu passende Masken. Der Prinz hieß damals allerdings noch Hanswurst, ihm zur Seite stand die Laetitia.

Im gleichen Jahr verbot der preußische König Friedrich Wilhelm III. jedoch für viele Jahre das Karnevalsfest. Erst 1842 bekam Bonn wieder die Erlaubnis. Das Misstrauen der Preußen, die Zensur von Reden und Liedern, der Kampf um politische Mitbestimmung und Freiheiten in den 1840er Jahren, Kriege und wirtschaftliche Krisen sowie der Nationalsozialismus brachten allerdings immer wieder Veränderungen. „Letztendlich zeigt die Broschüre auch, wie wichtig der Karneval als Kulturgut für die Stadt ist“, resümierte Marcus Leifeld bei der Vorstellung der Chronik.

Für die Zukunft ist Marlies Stockhorst ganz zuversichtlich. Der Karneval werde eine feste Größe in der Stadt bleiben. „Und ich finde ganz bestimmt wieder ein paar jecke Jubiläen“, verspricht sie. 2018 wäre es wieder einmal so weit. Dann stehen 190 Jahre Rosenmontagszug sowie 200 Jahre Bonner Uni im Kalender.

Die 90-seitige Broschüre mit vielen Bildern ist ab sofort gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro in der Geschäftsstelle des Festausschusses, Hohe Straße 81, zu haben. Zusätzlich steht sie zum kostenlosen Download unter www.karneval-in-bonn.de bereit. (Gabriele Immenkeppel)