Bonn-Center

Mieter befürchten Versteigerung

Kein Mensch weit und breit: Das Bonn-Center am Bundeskanzlerplatz ist über weite Strecken des Tags verwaist. Nur noch Fitnessstudio, Bowlingbahn und Pantheon-Theater locken Gäste an.

BONN. Das Bonn-Center, Aushängeschild der damaligen Bundeshauptstadt, steht vor einer ungewissen Zukunft. Wie der GA nach intensiver Recherche herausfand, dümpelt die Betreibergesellschaft seit Ende 2009 durch die Untiefen eines Insolvenzverfahrens.

Das geschichtsträchtige Gebäude am Bundeskanzlerplatz gehört zur Dala-Gruppe mit Sitz in Düsseldorf, die wiederum aus 20 verschiedenen Immobiliengesellschaften besteht.

Eine Bank in Schottland, die der Betreibergesellschaft den Kredit finanziert hatte, hat vor drei Jahren die CR Investment Management GmbH in Berlin beauftragt, ein Zukunftskonzept für das Bonn-Center zu entwickeln. Die CR, die in der Branche als "Spezialist für schwierige Fälle" gilt, hat aber noch keine Patentlösung für die Rettung des Bonn-Centers gefunden.

"In der Tat prüfen wir derzeit verschiedene Konzepte", sagte Christian Lerche von der CR Investment Management GmbH, die als Asset Manager das Objekt betreut. Zu den Optionen könne sowohl eine Strategie zur großflächigen Vermietung als auch ein Verkauf an einen Projektentwickler mit einem zukunftsträchtigem Nutzungskonzept gehören. "Ein Verkauf ist aktuell allerdings nicht konkret. Wir arbeiten auf Hochtouren an einer nachhaltigen Lösung", sagte Lerche dem GA.

Auch der Insolvenzverwalter, die Rechtsanwaltskanzlei Görg in Köln, hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. "Unser Ziel ist es nach wie vor, die Immobilie so schnell wie möglich zu vermarkten. Wir haben Gutachten erstellen lassen, um unsere Verkaufspreisvorstellungen konkretisieren zu können", erklärte Rechtsanwältin Anja Commandeur im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Seit dem Auszug des Großmieters Post Ende 2011 stehen mehr als die Hälfte der insgesamt 25 000 Quadratmeter Bürofläche leer. Mehrere der insgesamt 18 Stockwerke ähneln einem Geisterhaus: Die Etagen sind menschenleer. Die verbliebenen Mieter stellen einen bunten Mix dar: Ärzte, Fitnessstudio, Bowlingbahn, Theater, Friseur und Kiosk. 

Hautarzt Dr. Michael Schnicke, der seit 30 Jahren seine Praxis im Bonn-Center betreibt, hat einen schriftlichen Hilferuf an die Stadt Bonn gerichtet. "Die Verwaltung muss sich dafür einsetzen, dass die leerstehenden Räume zu einem Studentenwohnheim umgebaut werden.

Der Bedarf ist in Bonn vorhanden", erklärte der Arzt, der einen Sanierungsstau in der Immobilie beklagt. "Wir waren eine Topadresse in Bonn. Jetzt ist das Gebäude herunter gekommen. Wir Mieter hoffen, dass es nicht zu einer Zwangsversteigerung kommt", sagt Schnicke, der auf das Antwortschreiben der Stadt wartet.