Achtspurig in den Trajektknoten

Mächtiger Kreisverkehr auf der B9 geplant

BONN. Die ungepflegte Steinwüste, die sich in bester Lage auf der Friedrich-Ebert-Allee zwischen Bundeskunsthalle und Ollenhauer Straße erstreckt, wird nicht mehr lange dort bleiben. Das Areal zwischen den Fahrspuren der B9 liegt seit Ende der Bauarbeiten zur Verlängerung des Stadtbahntunnels brach.

Die Stadt plant, dort in den beiden nächsten Jahren einen Kreisverkehr zu bauen, mit Abbiegespuren zur tiefer liegenden Franz-Josef-Strauß-Allee und zur Marie-Kahle-Allee, damit die Arbeitsplätze im Bundesviertel sowie die bahnparallele Straße besser erreichbar sein werden.

Es wird der wohl mächtigste Verkehrsknoten in Bonn werden, mit acht Fahrspuren im Kreisel (pro Richtung vier, inklusive Linksabbiegespuren). An die flächenmäßige Größe des Kreisverkehrs am Potsdamer Platz im Bonner Norden kommt dieser neue Knoten zwar nicht heran, dennoch ist der so genannte Trajektknoten eine echte Hausnummer.

Acht Spuren hat sonst kein Kreisverkehr in der Bundesstadt. Dementsprechend wird es nicht billig: 4,5 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Schon die Verlängerung des Stadtbahntunnels hatte 14 Millionen Euro gekostet.

Den städtischen Haushalt belastet das Verkehrsprojekt allerdings nicht. "Der Bau des neuen Knotens wird komplett von Bund und Land finanziert", sagt Peter Esch, stellvertretender Leiter des städtischen Tiefbauamts. Das sei auch der Grund dafür, dass seit Inbetriebnahme der Haltestelle Ollenhauerstraße im März dort nichts mehr weiter ging.

"Wir dürfen die Sache erst intensiv planerisch bearbeiten, wenn die Finanzmittel da sind, ansonsten hätten wir uns zuschussschädlich verhalten." Seit einigen Monaten aber sei die Förderzusage da, "und dann konnten wir mit Vollgas in die Planung einsteigen". Die Zeit seitdem habe man voll für die Vorbereitungen genutzt.

Im neuen Jahr wird man dann auch bald etwas sehen können. Im Januar soll die Ausschreibung raus gehen und im Frühjahr Baubeginn sein. Im ersten Schritt wird die Brücke über die tiefer liegende Marie-Kahle-Allee verbreitert. Ende 2013 soll der Straßenbau fertig und der Kreisel befahrbar sein.

Und der ist nicht ohne, sagt auch Esch: "Es ist ein komplizierter Knoten, der nicht ohne Signalisierung funktioniert." Eine Verkehrssimulation habe ergeben, dass der Trajektknoten wegen der Verkehrsdichte auf der B 9 nicht vorfahrtgeregelt werden kann, sondern die Ampeln unbedingt sein müssten.

Vorteil des neuen Knotens: Durch ihn wird es möglich, in alle Richtungen abzubiegen, keine bestehende Verkehrsbeziehung geht verloren. Der Nachteil: Wer auf der B9 geradeaus in Richtung Süden und Norden mit seinem Fahrzeug unterwegs sein wird, muss durch die neuen Ampeln künftig zusätzliche Wartezeiten in Kauf nehmen.

Esch meint aber: "Der Kreisverkehr passt in die grüne Welle hinein." Mit der Inbetriebnahme würden aber manche andere Staus der Vergangenheit angehören. Beispielsweise für Autofahrer, die auf der bisherigen Rampe hinabfahren und am Stoppschild der Marie-Kahle-Allee warten müssen.

Oder für Linksabbieger in Richtung Bonn an der Ampel der Walter-Flex-Straße (vor dem Kunstmuseum). "Das ist heute eine Katastrophe, weil die Abbiegespur nicht leistungsfähig genug ist und nachmittags immer lange Rückstaus auftreten", sagt Esch.

Politisch ist der Ausbau beschlossene Sache. Der Stadtrat genehmigte die Planung jüngst, nachdem der Grundsatzbeschluss bereits 1989 gefasst worden war und die Idee zu dem Trajektknoten sogar schon aus den 1970er Jahren stammte.

Abgesegnet wurde dabei auch, 29 Bäume im Zuge des Fahrbahnausbaus zu entfernen. "Wir versuchen, so viele davon wie möglich zu erhalten", sagt Esch. Ob das aber funktioniere, werde man erst im Verlauf der Bauarbeiten sehen können. Der Verlust der heutigen Bäume wird durch Ersatzpflanzungen mehr als ausgeglichen werden. Geplant sind 47 neue Bäume.

Der Ausbau erstreckt sich allerdings erst mal nur bis zur Einmündung der Langenbachstraße. Für das Teilstück der B 9 von dort bis zum Stadtbahntunnel gibt es noch keine Planung. Es geht um rund 150 Meter, für die es noch keine Finanzierung gibt und deren Ausbau der Rat noch beraten muss.

Trajektknoten: Mit dem "Trajektknoten" sind für Autofahrer künftig drei neue Verkehrsbeziehungen möglich. So wird das Linksabbiegen aus Richtung Bad Godesberg zur Museumsmeile (bahnparallele Straße) sowie das Linksabbiegen von der Museumsmeile in Richtung Bonner City möglich, was vor allem die Dottendorfer vermissen, seit diese Möglichkeit an der Ollenhauer Straße nicht mehr besteht. Die dritte neue Verkehrsbeziehung ergibt sich für die Autofahrer, die vom Post-Tower/ Rheinaue kommen, dann über die Rampe zum Trajektknoten hinauffahren und dort links auf die B9 in Richtung Godesberg abbiegen können.