Lesung mit Dirk Breitenbach

Krimi-Szenen aus dem echten Leben

Autor Dirk Breitenbach bei seiner Lesung.

Autor Dirk Breitenbach bei seiner Lesung.

Ippendorf. Ja, es ist alles wahr. So oder so ähnlich zumindest. Die Geschichten, die der ehemalige Polizeibeamte und passionierte Autor Dirk Breitenbach in seinem ersten Buch „Körperteile“ erzählt, hat dieser im wesentlichen während seiner Dienstzeit im Rhein-Sieg-Kreis erlebt. Keine Fiktion, sondern Realität, wie es nun Zuhörer einer Lesung erfuhren.

Nun präsentierte der 48-Jährige diese Einblicke in echte Polizeiarbeit in einem besonderen Rahmen: Bei einem exquisiten Drei-Gänge-Menü in der Greenfield Lounge des HTC Schwarz-Weiß Bonn in Ippendorf las Breitenbach Auszüge aus seinen Texten vor.

Ein Erlebnis für Gaumen und Geist, mit Tempo, Witz und einem „zerstückelten Rumpf“ (was sich dann doch nur als Name für ein Lachstartar entpuppte).

Schon vor der Tür blitzte das Blaulicht, im Inneren sorgten weitere Accessoires für das richtige Ambiente. Breitenbach und die Pächter der Greenfield Lounge, das Ehepaar Ramlau, hatten sich viel Mühe gegeben, um das erste Event dieser Art angemessen zu verpacken.

Mit Erfolg. Der Andrang übertraf die Erwartungen der Veranstalter: Aus den zunächst eingeplanten 20 Gästen waren 64 geworden, das Interesse war sogar noch deutlich größer.

„Ich bin völlig begeistert“, gestand Breitenbach. Das Publikum genoss die Zaubereien aus der Küche (Chef Christian Ramlau kredenzte neben besagtem Tartar auch butterzart geschmorte Kalbsbäckchen an Kartoffel-Kräuterstampf sowie eine leckere Crème brûlée) und fieberte mit den Erlebnissen von Ich-Erzähler Frank Heider mit, der als lediglich notdürftige Maske für Breitenbach diente.

„Ich habe natürlich die Namen und die Orte verfremdet, die Ereignisse aber ziemlich authentisch beschrieben“, sagte der Autor, der immerhin aus einer 30-jährigen Berufserfahrung schöpfen kann. Dies führte auf der einen Seite dazu, dass er auf dramatische Verknappungen und Zuspitzungen verzichtete, andererseits aber auch keinen Raum für Verklärungen jedweder Art ließ.

Die Realität schreibt ohnehin die skurrilsten Geschichten. Und so suchten die Beamten nach einem Motorradunfall nach einem abgerissenen Bein, rasten mit Tempo 200 in Richtung Much und trafen auf eine Frau, die ihre zwei schmächtigen Sexsklaven zu fest angepackt hatte. Alles keine Fiktion.

Breitenbach zeigte sich vor allem dann in Bestform, wenn er die Handlung in starke Bilder verpacken konnte. Exzellent etwa die Hochgeschwindigkeitsfahrt ins Bergische Land, deren Tempo spürbar war, sprachlich wie emotional.

Auch die Beschreibung der wuchtigen Domina und ihrer beiden „Heringsbändiger“überzeugte, sprühte vor Witz und Absurdität. Ein gelungener Abschluss für einen gelungenen Abend, dem vielleicht weitere folgen werden – zumal Breitenbach bereits an seinem nächsten Buch arbeitet.

Dirk Breitenbach: „Körperteile“. Edition Lempertz. 9,99 Euro.