Uni-Gebäude in der Weststadt

Kontaminiertes Kühlwasser in Bonn freigesetzt

Heiß durchspülen: Die mitunter gefährlichen Legionellenbakterien sterben bei Wassertemperaturen von 60 Grad ab.

Legionellenbakterien in der Petrischale: In Bonn wurden die gefährlichen Erreger auf dem Dach eines Gebäudes der Bonner Uni freigesetzt.

BONN. Vom Dach eines Uni-Gebäudes in der Wegelerstraße in Bonn ist kontaminiertes Kühlwasser in die Luft verbreitet worden. Der Schaden sei höchstwahrscheinlich behoben, eine Gefahr der Umgebung konnte die Uni aber nicht ausschließen.

Bei einer routinemäßigen, monatlichen Kühlwasseruntersuchung durch das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Uniklinik wurden in einer Verdunstungskühlanlage auf dem Dach des Unigebäudes Wegelerstraße 6-8 erhöhte Legionellenkonzentrationen festgestellt. Das teilte die Pressestelle der Universität am Mittwoch mit. Ursache sei ein Defekt in der Leitung mit Desinfektionslösung, die zu der Verdunstungskühlanlage des Gebäudes führe.

Auf Nachfrage des General-Anzeigers, wann die erhöhte Konzentration festgestellt worden war, hieß es lediglich, dass es am Montag, 12. August, vorläufige Ergebnisse gegeben habe. Die Ergebnisse würden an diesem Donnerstag erst formell bestätigt. Die Uni habe aber vor Erhalt der endgültigen Ergebnisse die Mitarbeiter, die Krankenhäuser, die Ämter und auch die Medien informiert, um über Letztere auch Anwohner und niedergelassene Ärzte zu erreichen.

"Wichtig wäre, dass eventuell Betroffene überhaupt auf die Idee kommen, ihrem Arzt oder ihrer Ärztin zu sagen, dass sie in der Umgebung der Wegelerstraße 6-8 wohnen und gegebenenfalls das kontaminierte Wasser inhaliert haben und umgekehrt auch Ärzte diesen Sachverhalt kennen", so  Klaus Herkenrath von der Uni-Pressestelle. Bei Legionellen handelt es sich um Bakterien im Wasser, die bei zu hohen Konzentrationen bestimmte Krankheitsbilder hervorrufen können .

Und wie muss man sich die Verbreitung des Verdunstungswassers genau vorstellen? Herkenrath zufolge fallen die Wassertropfen nicht direkt herab, sondern fliegen in die Umgebung. Sie werden dabei immer kleiner und fallen in der Umgebung herab und können dann gegebenenfalls von Passanten inhaliert werden. Das kontaminierte Wasser sei durch einen Ventilator der Verdunstungskühlanlage in das Umfeld verbreitet worden. Das Gebäude selbst, seine Räume und die Wasserversorgung im Gebäude waren nicht betroffen.

Wegen der langen Inkubationszeit bei Legionellosen von bis zu zwölf Tagen erklärt Professor Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Gesundheit der Uniklinik: "Sollten Brustschmerzen, Schüttelfrost oder Temperaturanstieg auf mehr als 39 Grad eintreten, sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden, um abzuklären, ob Folgen eines Legionellenbefalls aufgetreten sind." Die Erkrankung sei mit spezifischen Antibiotika sehr gut behandelbar. Potenziell betroffen seien ältere Menschen sowie alle, die sich permanent im Umfeld des Gebäudes, in dem sich Büros, Hörsäle, Institute und das Hochschulrechenzentrum der Universität befinden, aufhalten.

Bisher sei dem städtischen Gesundheitsamt, so Günther Jansen, Leiter der Abteilung Infektionsschutz und Umwelthygiene, keine Legionellosen gemeldet, die in einem erkennbaren Zusammenhang mit dem belasteten Kühlwasser in der Wegelerstraße stehe.

Als Sofortmaßnahme habe die technische Abteilung der Universität eine Hochdesinfektion durchgeführt, weswegen die Gefahr der Legionellenausbreitung mit höchster Wahrscheinlichkeit seit Montagabend nicht mehr bestehe. Entsprechende Kontrolluntersuchungen liefen zurzeit noch, so Herkenrath.