Ex-Baulöwe ist verhandlungsunfähig

Kein neues Verfahren gegen Jürgen Schneider

BONN. Mit Auftritten vor Gericht kennt sich der mittlerweile 81 Jahre alte Jürgen Schneider bestens aus. Zu einem seit Jahren erwarteten Betrugsprozess vor dem Bonner Landgericht gegen den ehemaligen Baulöwen, der eine Zeit lang in exponierter Lage am Königswinterer Rheinufer lebte, wird es jedoch nicht kommen.

Wie Gerichtssprecher Bastian Sczech gestern bestätigte, wurde das Verfahren gegen den inzwischen wieder im Taunus wohnenden Angeklagten eingestellt. Der Grund: Der 81-Jährige ist so krank, dass er verhandlungsunfähig ist.

Der Angeklagte wurde von mehreren medizinischen Gutachtern untersucht. Die Ärzte sehen ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Eine absehbare Besserung sei nicht zu erwarten. Die Staatsanwaltschaft hatte Schneider, der auch an Krebs erkrankt sein soll, wegen sechsfachen Betruges angeklagt. In den Jahren 2008 und 2009, damals wohnte der Ex-Baulöwe in Königswinter, soll der verurteilte Betrüger rückfällig geworden sein.

Bei Gesprächen auf dem Petersberg gab sich der 81-Jährige laut Anklage gegenüber Vertretern verschiedener Firmen als millionenschwerer Investor aus. Waren die Firmen an einer Zusammenarbeit interessiert, soll Schneider zunächst Bearbeitungsgebühren gefordert haben. Auf diese Weise scheint ein Schaden von 103 000 Euro entstanden zu sein.

In den 90er Jahren hatte Schneider mit dem größten Betrug zum Nachteil von Banken in der deutschen Geschichte für Schlagzeilen gesorgt. 1997 wurde er vom Frankfurter Landgericht zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der Bauunternehmer hatte damals bei etlichen Banken Kredite aufgenommen und einen Schaden von 5,4 Milliarden Mark verursacht.