Nach dem Tod von Niklas P.

Kameras und mehr Polizeipräsenz gefordert

Das Publikum des Godesberger Treffs verfolgt im Pfarrzentrum Sankt Marien die Diskussion auf dem Podium.

Das Publikum des Godesberger Treffs verfolgt im Pfarrzentrum Sankt Marien die Diskussion auf dem Podium.

Bad Godesberg. Beim Godesberger Treff diskutieren GA und 100 Bürger mit Experten die Frage „Wie sicher ist unsere Stadt?“. Der Ausbruch der Gewalt kam für Kriminalisten nicht überraschend.

Was läuft momentan verkehrt in Bad Godesberg? Und was muss geschehen, um künftig tödliche Übergriffe wie den auf Niklas P. zu verhindern? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am Montagabend die GA-Diskussionsrunde „Godesberger Treff“. Mehr als 100 Bürger tauschten sich mit Experten aus.

„Ich habe mit Schülern gesprochen und festgestellt, dass nicht nur Mädchen abends nicht mehr alleine unterwegs sind“, sagte eingangs Antonia Wachendorff, Schülersprecherin der Otto-Kühne-Schule. Sie sprach die „Grauzone“ der Statistik an: „Wenn man angefasst worden ist oder etwas hinterhergerufen wurde: Was kann die Polizei da schon groß tun?“

Das sah jedoch Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa gänzlich anders. „Wir können nur erfassen, was zur Anzeige gebracht wird“, sagte sie. Gleichzeitig betonte sie, dass es für junge Frauen Selbstverteidigungskurse gebe, um im Fall der Fälle vorbereitet zu sein.

Moderatorin und GA-Redakteurin Ayla Jacob wollte von Wolfram Kuster, ehemaliger Lehrer und Gründer der Initiative Go Respekt, wissen, ob sich der Stadtbezirk in den vergangenen 14 Jahren verändert habe. Damals hatte es auch einen schlimmen Übergriff gegeben. „Meiner Meinung nach ist alles so geblieben wie es war, und so ist der aktuelle Fall auch kein Einzelfall, sondern ein Ergebnis“, so Kuster.

Der zweite Moderator, GA-Chefredakteur Helge Matthiesen, bat Dechant Wolfgang Picken als Insider des Bezirks um eine Einschätzung. „Es gibt eine große Angst vor Banden und deren Vernetzungen, so dass betroffene Kinder sich nicht mal ihren Eltern anvertrauen.“ Während Picken forderte, Sozialarbeiter an allen Schulen einzusetzen, lehnte Gerd Landsberg vom Städte- und Gemeindebund das ab. Stattdessen sieht er die Eltern in der Pflicht: „Bis auf die Erzeugung spielen sie fast keine Rolle mehr.“

Dass es zu so einem Ausbruch von Gewalt kommen konnte, war für Sebastian Fiedler, NRW-Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, nicht überraschend: „Viele Probleme in Bad Godesberg waren auch schon vorher bekannt.“

Prävention ist der Ansatz, den Oberbürgermeister Ashok Sridharan jetzt unter anderem mit dem Runden Tisch verfolgt: „Die Polizei zeigt mehr Präsenz, der Ordnungsdienst auch, und wir werden weitere Plätze identifizieren, wo man sich unsicher fühlt.“ Zudem kündigte er an, dass die Realisierung von Videoüberwachung nicht an den Kosten scheitern werde.

Zuvor allerdings, das betonte Brohl-Sowa, müsse geprüft werden, an welchen Orten in der Gesamtstadt das Gesetz eine Beobachtung zulasse. Landsberg sprach sich für eine Videoüberwachung und eine offensive Diskussion mit Datenschützern aus: „Die Bürger haben weniger Angst vor dem Staat als vor Kriminalität.“

Eine Bürgerin meinte, sie frage sich, was mit jugendlichen Intensivtätern geschehe. Die Antwort des Podiums war etwas schwammig. Einzig Fiedler sprach sich dafür aus, in manchen Fällen statt des Jugendamtes die Justiz mehr einzubinden, die härtere Sanktionen verhängen könnte.

Nach der tödlichen Attacke auf Niklas P. seien viele davon ausgegangen, dass es sich bei den Tätern um Jugendliche mit Migrationshintergrund handelte – egal ob dem so sei oder nicht, sagte eine andere Bürgerin. Die Bevölkerung werde nicht aufgeklärt, „das schürt Gerüchte“. Damit stieß sie bei Fiedler auf offene Ohren: „Man muss die Sorgen der Menschen ernst nehmen.“