Stadt schreibt Viktoriakarree aus

Investor soll neue Tiefgaragen-Zufahrt schaffen

Die Stadt will das Viktoriakarree im Herzen Bonns zügig entwickeln.

BONN. Die Stadt Bonn hat Eckpunkte für eine europaweite Ausschreibung ihrer Immobilien auf dem Viktoriakarree vorgestellt. Der künftige Investor für das Areal zwischen Rathausgasse, Belderberg, Franziskanerstraße und Stockenstraße darf 15.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche schaffen. Die Bonner Uni will zudem ihre philologische Bibliothek auf 6500 Quadratmetern unterbringen. Spektakulär: Die neue unter dem Karree zu bauende Tiefgarage soll mit der Marktgarage verbunden werden.

Die Stadt drückt bei der Entwicklung des Viktoriakarrees aufs Gaspedal. Sie will ihre Immobilien, unter anderem das Gebäude mit dem früheren Viktoriabad, und die innerhalb des Karrees gelegenen Grundstücke verkaufen. Stadtbaurat Werner Wingenfeld, Kulturdezernent Martin Schumacher, Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe und Alfred Beißel vom Liegenschaftsmanagement stellten gestern die Eckpunkte vor, die in eine europaweite Ausschreibung aufgenommen werden sollen. Der Beschlussvorschlag geht jetzt in die Gremien, der Stadtrat soll schon am 27. März über die Ausschreibung entscheiden.

Aus Sicht der Verwaltungsspitze stellt die Entwicklung des rund 5300 Quadratmeter großen Areals zwischen Rathausgasse, Belderberg, Franziskaner- und Stockenstraße, in dem sich unter anderem auch das Stadtmuseum und die Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus befinden, "die Chance, die Bonner Innenstadt mit einem Quantensprung voranzubringen", wie es Wingenfeld formulierte. "Durch das Mischkonzept aus Handel, Kultur, Wissenschaft und Wohnen mit der Uni als wichtigem Mieter wird die Bonner City eine immense Aufwertung erfahren", ist auch Schumacher überzeugt. Appelbe sieht in der Ansiedlung von weiteren 15 000 Quadratmetern Einzelhandel "große Chancen für die Stärkung der Zentralität".

Auch nach dem Willen des Stadtrats soll sich dort ein lebendiges Stadtquartier entwickeln - als Brückenschlag zwischen Universität und der Fußgängerzone. Gleichzeitig bildet das Areal einen Mosaikstein in der Entwicklung der Bonner Einzelhandelsflächen. Einem Gutachten zufolge verträgt die Bonner City nämlich noch gut 35.000 Quadratmeter Geschäftsfläche, wenn sie ihre Funktion als Oberzentrum in der Region halten will. Doch dem künftigen Investor werden eine Reihe von Vorgaben gemacht. "Das EU-Recht zwingt die Kommunen, sehr klare Vorgaben zu machen", sagte Beißel.

Verkehr und Parken: Unter dem Gelände des Viktoriakarrees soll eine Tiefgarage gebaut werden, die mit der Tiefgarage unter dem Markt verbunden sein soll. Die Stadt habe dies technisch prüfen lassen, so Wingenfeld. Die neue Ein- und Ausfahrt würde sich idealerweise am Hofgarten befinden. Die beiden heutigen Rampen zur Marktgarage in der Stockenstraße und auf dem Bischofsplatz könnten geschlossen werden. Das böte die Chance, die Fußgängerzone bis vor die Uni zu verlängern.

Die Kosten für diese Tiefgaragen-Variante schätzt die Stadtverwaltung auf rund elf Millionen Euro. Der Investor soll 2,5 Millionen Euro übernehmen, die restlichen 8,5 Millionen Euro würde die Stadt aus dem Grundstücksverkauf finanzieren. Der Mindestkaufpreis soll daher auf zwölf Millionen Euro festgesetzt werden.

Stadtmuseum und Gedenkstätte sollen entweder ebenfalls im neuen Viktoriakarree untergebracht werden, oder aber der künftige Investor finanziert die Sanierung der ehemaligen Pestalozzischule, in der dann neben diesen beiden Einrichtungen auch das Stadtarchiv eine neue Heimat finden kann. Das würde Schumacher sogar präferieren.