Teile des alten Klosters werden abgerissen

Im Paulusheim in Bonn enstehen 210 neue Wohnungen

So sieht das Areal des Paulusheims aktuell aus. Links das denkmalgeschützte Schumannhaus, mittig der Altbau samt Anbauten und rechts der Park.

So sieht das Areal des Paulusheims aktuell aus. Links das denkmalgeschützte Schumannhaus, mittig der Altbau samt Anbauten und rechts der Park.

Endenich. In dem ehemaligen Seniorenheim Paulusheim in Endenich, in dem aktuell Flüchtlinge leben, sollen bald Wohnungen für 400 Bürger entstehen. Dafür werden Teile des alten Klosters abgerissen.

Das Ortsbild von Endenich wird sich erheblich verändern. Und das in absehbarer Zeit, wenn das 22.000 Quadratmeter große einstige Gelände der Alexianer-Bruderschaft zwischen Al-fred-Bucherer- und Sebastianstraße mit Schumannhaus und dem ehemaligen Seniorenheim Paulusheim bebaut wird. Das Ziel ist laut Bebauungsplan eine „Nachverdichtung mit etwa 210 Wohneinheiten“ – Raum für mehr als 400 Neubürger in Endenich. Dafür sollen große Teile des Paulusheims abgerissen, die gesamte Mauer abgetragen, das Gelände nivelliert und der Park gestutzt werden. Die Stadt richtet sich darauf ein, dass das Paulusheim 2018 aufgegeben wird. Wohin die 250 dort wohnenden Flüchtlinge umziehen, stehe noch nicht fest.

2014 hat die Kölner Instone Real Estate Development GmbH – damals noch als Formart – das Areal von den Alexianern gekauft, das rundherum von einer mannshohen Betonmauer umgeben ist. Zur Alfred-Bucherer-Straße fällt das Terrain stark ab. Auf dem Grundstück steht der Gebäudekomplex des einstigen Seniorenheims. Das denkmalgeschützte Schumannhaus gehört zum Ensemble, ist aber in städtischem Besitz. Der Rest ist verwilderter Park.

Grundlage ist ein städtebaulicher Entwurf

Instone realisiert derzeit auch das west.side-Areal auf dem ehemaligen Arkema-Gelände. Der Bau eines neuen Quartiers sei ein großes Projekt und ein sensibles Thema. „Das funktioniert nicht mit Konfliktkurs“, sagt Projektentwickler Dirk Baarz. „Schließlich geht es um Lebensqualität und Nachhaltigkeit, nicht bloß um Rendite.“ Mit der Verwaltung und auch dem Endenicher Ortsausschuss habe man daher direkt nach dem Kauf Kontakt aufgenommen. „Wir wollen für das Projekt einen größtmöglichen Konsens erzielen“, betont Baarz. Ein Ergebnis der Abstimmungsgespräche ist die Entwicklung eines Angebotsbebauungsplans. Im Gegensatz zum sonst üblichen vorhabenbezogenen Bebauungsplan ist die Grundlage ein städtebaulicher Entwurf.

Die konkrete Umsetzung wird nach weiteren Abstimmungsverfahren in einem Vertrag zwischen Stadt und Bauherr festgeschrieben. Im März 2015 erörterten Bürger, Politiker und Verwaltung die Bebauung des Paulusheim-Areals in einer Planungswerkstatt. Ergebnis war ein städtebauliches Zielkonzept. Auf dieser Grundlage beschloss der Planungsausschuss im Dezember 2015 das weitere Planverfahren. Außerdem sollte Instone sechs Architektenbüros beauftragen, das Konzept zu konkretisieren. Ausgesucht wurde der Entwurf des Düsseldorfer Architektenbüros Konrath und Wennemar. Im April 2016 wurden die Planunterlagen öffentlich ausgelegt – zeitgleich mit einer weiteren Bürgerversammlung. Einwände und auch Empfehlungen flossen in den Entwurf der Architekten ein, der nun Grundlage für die Bauleitplanung ist.

 

Vor den Sommerferien sollte im Planungs- und im Umweltausschuss sowie in der Bezirksvertretung Bonn über die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans 7621-56 beraten werden. Das Thema wurde jedoch vertagt. Unter anderem hatten Linke, CDU und Grüne Änderungsanträge eingebracht, die die Verwaltung mit Instone besprechen sollte. Kritikpunkte der Linken sind, dass die „vorgeschlagene Bebauung mit viergeschossigen Häusern die Umgebung zu wenig berücksichtigt und zu stark in den Baumbestand eingreift“. Außerdem monieren sie, dass statt Satteldächern auf allen Gebäuden Flachdächer geplant sind. CDU und Grüne fordern unter anderem, dass der sechsgeschossige Bau an der Südspitze des Grundstücks um mindestens ein Vollgeschoss reduziert werden soll. „Fassade und Dachform des alten Pflegeheimgebäudes bleiben in der jetzigen Form erhalten.“

Mehrere Gestaltungsmöglichkeiten zur Auswahl

Vier Vollgeschosse entsprächen dem heutigen Standard einer innerstädtischen Wohnbebauung, argumentiert die Verwaltung in ihrer aktuellen Stellungnahme für die nächste Sitzung der Bezirksvertretung. Und der sechsgeschossige Bau solle als alleinstehender Bau „den Auftakt zum Quartier“ markieren. Instone hat laut Stadt aber verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten dafür entwickelt.

Die geplanten Flachdächer würden zwar von den sonst in Endenich überwiegenden Satteldächern abweichen, räumt die Verwaltung ein, das sei aber für die Gesamtwirkung des neuen Quartiers beabsichtigt. Lediglich Fassade und Dach des Altbaus des ehemaligen Paulusheims will der Investor erhalten. Die Bauten neueren Datums sollen abgerissen werden.

Unterdessen hat die Bürgerinitiative „Rettet das Paulusheim“ ihre Forderung bekräftigt, dass auf dem Gelände auch ein Seniorenheim gebaut werden soll.

Den Bebauungsplan diskutiert die Bezirksvertretung Bonn am Dienstag, 5. September. Die Sitzung im Ratssaal beginnt um 17 Uhr.