EMA-Schüler sprechen mit Lücking-Michel über Kinderrechte

Hoher Leistungsdruck und wenig Freizeit

Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium diskutieren mit Claudia Lücking-Michel über Kinderrechte. FOTO: BARBARA FROMMANN

Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium diskutieren mit Claudia Lücking-Michel über Kinderrechte.

Bonn. Wie sorglos und unbeschwert ihre Kindheit ist, das erfahren sie seit einigen Monaten hautnah: Denn einmal in der Woche gehen die jungen Mitglieder der Menschenrechts AG in das Begegnungscafé für Flüchtlinge in Dransdorf. Dort spielen die EMA-Schüler mit Kindern, die mit ihren Familien aus der Heimat geflohen sind.

Annika, Kaspar, Joost und Aileen führen ein sorgloses Leben. Sie wachsen behütet auf, kennen weder Hunger noch Durst, erleiden keine Gewalt und gehen ganz selbstverständlich zur Schule. "Wir wissen, dass wir ein privilegiertes Leben haben", sind sich die 13- bis 15-jährigen Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA) einig.

Wie sorglos und unbeschwert ihre Kindheit ist, das erfahren sie seit einigen Monaten hautnah: denn einmal in der Woche gehen die jungen Mitglieder der Menschenrechts AG unter der Leitung von Martin Zielinski in das Begegnungscafé für Flüchtlinge in Dransdorf. Dort spielen die EMA-Schüler mit Kindern, die mit ihren Familien aus der Heimat geflohen sind. "Viele haben wirklich Unfassbares erlebt. Wir können uns das gar nicht vorstellen", berichten sie von ihrem ehrenamtlichen Engagement. "Manche spielen mit Puppen noch einmal den Augenblick ihrer Flucht nach", beobachtet Aileen immer wieder.

Deshalb fühlten sich die Gymnasiasten eigentlich gar nicht angesprochen, als die Bonner Bundestagsabgeordnete Claudia Lücking-Michel gestern in die Schule kam, um mit ihnen über Kinderrechte zu diskutieren. Anlass ist der Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November.

"Ihr wisst selbst am besten, was euch bewegt und wo Handlungsbedarf von Seiten der Politik besteht. Der Aktionstag gibt euch die Gelegenheit zum direkten Austausch mit politischen Entscheidungsträgern", so die Bundestagsabgeordnete. Sie zeigte sich beeindruckt von dem freiwilligen Einsatz, den die Schüler für Flüchtlinge leisten. "Bisher kümmern sie sich um die kleinen Kinder. In Zukunft wollen sie auch gemeinsame Aktivitäten mit den Jugendlichen planen", erklärte Martin Zielinski der Bonner Abgeordneten.

"Wenn es nach mir ginge, dann würde das Wahlrecht auf 14 Jahre herabgesetzt"

Im Rahmen der Aktion für Kinderrechte hatte Lücking-Michel zuvor bereits das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium und die Abendrealschule besucht. Nur kurz mussten die EMA-Schüler anschließend nachdenken, um dann festzustellen, dass auch in ihrem scheinbar sorglosen Leben die deklarierten Kinderrechte nicht unbedingt ohne Einschränkungen gelten. "Wir sind viele Jahre mit Rucksäcken zur Schule gegangen, die mehr als zehn Kilo schwer waren. Da hat sich auch niemand darum gekümmert, ob das für unsere Gesundheit gut ist oder nicht", so Kaspar. Dieses Problem hätte man beispielsweise mit wenig Geld und wenig Aufwand lösen können. "Einfach ein paar Schränke aufstellen, in die wir die schweren Bücher ablegen können. Damit wäre das Problem gelöst."

Die 15-jährige Annika würde sich bereits jetzt gerne an wichtigen Entscheidungsprozessen beteiligen. "Wenn es nach mir ginge, dann würde das Wahlrecht auf 14 Jahre herabgesetzt. Dann hätten wir endlich Gehör." Auch wenn er in einer friedlichen Welt lebt, so ist für Joost eines doch sehr belastend. "Wir haben sehr lange Unterricht, kaum Freizeit und müssen einem enormen Leistungsdruck standhalten." Auch das sei sicher nicht im Sinn der Kinderrechte.