Erfolglose Ausschreibung

Hofgartenkonzerte für BTHVN 2020 in Gefahr

Hofgarten in der Dämmerung.

Der Hofgarten in Bonn: Hier sollen im Zuge des Beethoven-Jubiläums eigentlich acht Konzerte für bis zu 25.000 Menschen stattfinden. Jetzt droht der geplanten Veranstaltungsreihe das Aus.

Bonn. Droht acht Konzerten für bis zu 25.000 Zuschauer auf der Hofgartenwiese etwa das Aus? Die Ausschreibung für die Konzertlogistik wurde aufgehoben.

Nach dem Abgang von Christian Lorenz nach zwei Jahren als künstlerischer Leiter der Beethoven-Jubiläumsgesellschaft (BTHVN 2020) das nächste Problem: Acht Konzerte für bis zu 25.000 Zuschauer planen die Stadt und BTHVN 2020 für das Jubiläumsjahr auf der Hofgartenwiese. Doch die Umsetzung hat einen entscheidenden Rückschlag erfahren.

Eine europaweite Ausschreibung für Bühnenaufbau und logistische Vorbereitungen ist zwar abgeschlossen, wurde vorige Woche aber aufgehoben. Damit stehen die Pläne für die acht größten Veranstaltungen bei Null. Der Kulturausschuss des Rates hat deshalb am 15. Mai eine Sondersitzung geplant.

Claudia E. Weller, Sprecherin von BTHVN 2020, bestätigte: „Der bisherige Planungsstand zum Bühnenaufbau wird neu bewertet, nachdem die laufende Ausschreibung zu keinen wirtschaftlich vertretbaren Angeboten geführt hat. Insofern hat die Beethoven Jubiläums GmbH am 23. April die Ausschreibung aufgehoben und ein verändertes Planungsverfahren in die Wege geleitet. Die Auswirkungen für das Open-Air-Klassikkonzert und etwaige Folgenutzungen werden in Abstimmung mit den Partnern sondiert.“

Nach GA-Informationen gab es drei Bewerbungen – keine aus Bonn. Die Vorgaben für Konzerte solcher Größe seien in der Ausschreibung „nicht ausreichend“, heißt es in der Branche. Gesucht wurden Unternehmen, die Erfahrung haben bei der „Planung, Organisation und Umsetzung einer gesamten Festivalinfrastruktur für mindestens 20.000 Besucher“.

Lorenz spricht von "Vertrauenskrise"

Die Personalie Lorenz: Derweil knirscht es hinter den Kulissen. Der Abgang von Christian Lorenz hat auch die Politik aufgeschreckt. Lorenz, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, verabschiedete sich vor kurzem per E-Mail bei einem kleinen Kreis Kulturschaffender und Politiker: „Die strukturellen Rahmenbedingungen der Beethoven-Jubiläumsgesellschaft stellten von Anfang an eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten dar.

Zwar genossen meine dramaturgische Konzeption der fünf Leitthemen B – T – H – V – N sowie die daraus abgeleiteten Förderrichtlinien und Eigenprojekte – unter anderem das Hauskonzertprojekt ‚Beethoven bei uns‘, das internationale Pastoral-Project oder das Abschlusskonzert mit Daniel Barenboim im Plenarsaal – hohe Anerkennung, doch immer wieder kam es zu Vertrauenskrisen und wurde der Gestaltungs- und Handlungsspielraum des künstlerischen Geschäftsführers reduziert“, schreibt er. Und: „Zuletzt hatten Differenzen über die konkreten Schritte zur Umsetzung der Eigenprojekte dazu geführt, dass die notwendige Unterstützung meiner Arbeit nicht mehr erkennbar war.“

Viele Ratsmitglieder sind sauer, weil sie erst aus dem GA von der Personalie Lorenz erfuhren. Zudem sorgen sie sich, ob das Beethoven-Jubiläumsjahr wirklich das „Feuerwerk“ mit internationaler Ausstrahlung werden kann, das OB Ashok Sridharan kürzlich ankündigte. Sridharan, selbst Mitglied des Aufsichtsrats der BTHVN 2020, erklärte auf Nachfrage, Aufsichtsratschef Malte Boecker, Direktor des Beethovenhauses, werde auf der Sondersitzung den Ausschuss informieren. Boecker wird die künstlerische Geschäftsführung in der Gesellschaft übernehmen, den Aufsichtsratsposten gibt er ab. An wen, ist noch offen.

Lady Gaga im Hofgarten?

Verblüfft ist man im Rathaus auch über die Aufhebung der Ausschreibung. Wer war dafür verantwortlich? Laut Weller hat das Referat Vergabedienste der Stadt Bonn die Ausschreibungsverfahren für die Jubiläumsgesellschaft durchgeführt, „da dort das technische und vergaberechtliche Knowhow vorhanden ist. Die Inhalte, insbesondere die Leistungsbeschreibungen, werden jeweils durch die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft beigestellt“.

Einziger konkret feststehender Programmpunkt auf dem Hofgarten ein Jahr vor Beginn der Jubiläumsfeierlichkeiten ist ein Simultankonzert des Beethoven Orchesters und der Wiener Symphoniker am 15. Mai 2020. „Folgenutzungen der Bühne durch Dritte sind erwünscht. An diesen Planungen hält die Geschäftsführung weiterhin fest“, sagte Weller. Das Klassikkonzert werde durch die Jubiläumsgesellschaft finanziert und soll bei freiem Eintritt im Hofgarten stattfinden.

Weller: „Etwaige Folgeveranstaltungen sollen das Programm des Jubiläumsjahres in Richtung anderer Musikgenres erweitern.“ Mit welchen Partnern das geschehen soll, darüber „machen wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben“, so Weller. Boecker betonte: „Wir werden unsere bisherigen programmatischen Leitlinien nicht verlassen. Alle Projekte, die wir angekündigt haben, werden wir umsetzen.“

Wünsche gibt es viele. So hat Telekom-Vorstand Timotheus Höttges bei einer öffentlichen Gesprächsrunde den Namen Lady Gaga fallen lassen. Stephan Althoff, Sponsoring-Chef der Telekom, sagte dem GA: „Richtig ist, dass wir im Rahmen des Beethoven-Jubiläums gerne ein Konzert im Hofgarten veranstalten möchten – sofern dort die Rahmenbedingungen stimmen.“ Der Künstler sei noch nicht ausgewählt.

Politische Reaktionen: Tim Achtermeyer (Grüne) kritisierte: „Die bisherige Kommunikationspolitik der Jubiläumsgesellschaft ist bei einem städtischen Zuschuss von 3,5 Millionen Euro unzureichend.“ Markus Schuck (CDU) erwartet, dass die Politik auf der Sondersitzung des Kulturausschusses „nähere Informationen“ zu den aktuellen Geschehnissen erhält. Fenja Wittneven-Welter (SPD) zeigte sich „überrascht und irritiert“. Jürgen Repschläger (Linke) erklärte, seine Fraktion habe das Konstrukt der Jubiläumsgesellschaft von Beginn an abgelehnt: „Es ist zu klären, wie viel Geld in Bürokratie, Reisen und repräsentative Auftritte anstatt in kulturellen Mehrwert geflossen ist.“