So gesehen zu Bahndurchsagen

Hinweis für Bonner Fahrgäste

Die Linie 62 vor dem Bonner Hauptbahnhof.

Die Linie 62 vor dem Bonner Hauptbahnhof.

Bonn. Jeden Morgen wiederholt sich in den Straßenbahnen in Bonn das Schauspiel: Ein Hinweis der Stadtwerke und der Polizei versetzt so manchen Fahrgast in Beunruhigung.

Seit gut einer Woche ist es immer wieder dasselbe Spiel: Kurz bevor die 62 vom Konrad-Adenauer-Platz auf die Kennedybrücke in Richtung Bonn fährt, ertönt in der Bahn eine Durchsage: „Dies ist ein Hinweis der Bonner Polizei.“ Die meisten der Fahrgäste schauen von ihren Smartphones oder Tablets auf und tauschen verwirrte Blicke mit den anderen Insassen aus. In ernstem Tonfall mahnt die Stimme Fahrgäste zur Vorsicht. Taschendiebe seien unterwegs.

Während Berufspendler jetzt gedanklich abschalten und sich wieder ihrem Smartphone oder ihrer Zeitung zuwenden – schließlich hören sie den Hinweis seit Tagen auf ihrem Weg zur Arbeit – versetzt die Ansage so manchen anderen Fahrgast in leichte Panik. Plötzlich werden Handtaschen fest umklammert, die Funktionstüchtigkeit von Reißverschlüssen kontrolliert und die eigenen Wertsachen durchgezählt. Ist dieses Kontrollritual abgeschlossen, schweift der Blick leicht beunruhigt im Waggon umher.

Dieses Schauspiel lässt fast die Vermutung aufkommen, nach der Überquerung des Rheins lauere eine gefährliche Großstadt à la London oder Paris. Am Ende verabschiedet sich die Durchsage mit den Worten: „Wir wünschen ihnen einen schönen Tag in der Bonner Innenstadt.“ Bleibt nur zu hoffen, dass die Fahrgäste diesen auch genießen können, statt manisch ihre Handtasche an den Körper zu drücken oder ständig am Rucksack die Reißverschlüsse zu kontrollieren.