Kloster in Endenich

Hier wurden damals Juden interniert

Das Kloster in Endenich beherbergt heute das Priesterseminar Redemptoris Mater Köln.

ENDENICH. Hell und freundlich ist die Sakramentskapelle des Endenicher Klosters. Dort beten die Geistlichen und die Priesterschafts-Anwärter des Seminars "Redemptoris Mater Köln" und beschäftigen sich mit der Heiligen Schrift.

"Als Priester verstehen wir uns in den Fußspuren unserer älteren Brüder, der Juden", sagt Studienpräfekt Andrzej Kucinski. Deshalb sieht man am Altar neben dem christlichen Kreuz auch ein jüdisches Symbol. In der Kapelle wurde nicht immer gebetet: 1941 hielten Nationalsozialisten Propaganda-Vorträge, und "die Schwestern wurden gezwungen, das zu hören".

Kurz darauf wurden die Nonnen des Benediktinerinnenordens "Maria Hilf" vertrieben. Ab 1941 wurden 474 Juden aus Bonn im Kloster untergebracht, die Gesunden mussten Zwangsarbeit verrichten. Es war aber nur Übergangsstation, ganz so, wie es der Mathematiker und Literat Felix Hausdorff 1942 in seinem Brief an einen Freund schrieb: "Endenich ist noch vielleicht das Ende nich."

Er und seine Familie nahmen sich das Leben, bevor sie im Kloster eingesperrt werden konnten. Die Internierten aber wurden vom Kloster aus in Konzentrationslager nach Theresienau, Lodz und Minsk deportiert und ermordet.

Das ist wohl die finsterste Episode in der Geschichte Endenichs. Ein kleines Mahnmal am Gebäude erinnert vor allem an die Kinder: Es sind kleine Steine mit ihren Namen und Geburtsdaten darauf. Da findet sich zum Beispiel Ruth Daniel, die seit ihrem sechsten Lebensjahr den Fremdenhass der Nazis zu spüren bekam und im Alter von 15 Jahren mit ihrer Familie nach einem Aufenthalt im Kloster Endenich in einem Wald bei Minsk ermordet wurde. Das gleiche Schicksal ereilte Egon Bucki, der nur 14 Jahre alt wurde.

Und nicht zuletzt Ruth Herz aus Beuel, deren Briefe und Karten an ihren Onkel aus dem Kloster einen Eindruck von der leidvollen Zeit dort vermitteln, aber auch Hoffnung ausdrücken. Sie wurde 17 Jahre alt.

Sie berichtete von Überbelegung, schlechter Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten, von Krankheiten, Wassermangel und Zwangsarbeit. Und von der Angst vor der ungewissen Zukunft: Niemand wusste, wohin sie gebracht würden, als die Deportationen begannen. Die waren im Juli 1942 abgeschlossen, dann gab es keine Juden mehr in Bonn.

Jetzt wird im Kloster wieder gebetet. "Das Böse vergeht, das Gute bleibt", sagt Kucinski. Er habe viel Respekt vor der Geschichte dieser Einrichtung. "Man spürt die Bedeutung dieses Ortes." Auf Schautafeln werden die Geschichte des Klosters wiedergegeben und das Gedenken an die Opfer aufrecht- erhalten, als Mahnung, damit sich so etwas nicht wiederholt. "Dadurch hat auch diese leidvolle Geschichte ihren Platz."

Geschichte des Klosters

Das Kloster wurde 1857 neben der Marterkapelle gegründet und von den Benediktinerinnen "von der ewigen Anbetung" geleitet. Sie mussten 1875 ausziehen, als die Preußen im Zuge des "Kulturkampfes" zwischen Staat und katholischer Kirche viele Klöster schlossen. Nach Aufhebung des Gesetzes (1887) zogen die Maria-hilf-Benediktinerinnen ein. Sie wurden 1941 vom NS-Regime vertrieben und kehrten nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. 2000 gaben sie das Kloster auf, das Erzbistum Köln installierte ein Priesterseminar.