Neuer „Coworking Space“

Heimat für digitale Nomaden

Selbstständig sein, aber gemeinsam arbeiten: Aziza El-Gindi (v.l.), Steve Paine Space-Gründer Ralph Grundmann teilen sich ein Büro.

Selbstständig sein, aber gemeinsam arbeiten: Aziza El-Gindi (v.l.), Steve Paine Space-Gründer Ralph Grundmann teilen sich ein Büro.

16.02.2016 BONN. In Bonn ist ein neuer „Coworking Space“ eröffnet worden. Selbstständige und Freiberufler, die nicht zu Hause alleine am Rechner, sondern in der Gemeinschaft arbeiten wollen, können dort auf Zeit Schreibtische mieten.

Mutterseelenallein – so fühlte sich Suchmaschinenoptimierer Ralph Grundmann nach einigen Jahren der Heimarbeit. „Mir fiel die Decke auf den Kopf. Ich vermisste den Kontakt zu Kollegen, den Austausch mit anderen Menschen“, erzählte der 39-jährige Bonner. Raus aus der Isolation des Home Office, rein in die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten: In der Sebastianstraße 38 unweit des Poppelsdorfer Schlosses hat Grundmann jetzt das „Coworking Space Bonn“ eröffnet.

Dort kann man täglich für 15, wöchentlich für 65 und monatlich für 250 Euro Schreibtische mieten. Zur technischen Ausstattung gehören ein schneller Internetanschluss, Scanner, Laserdrucker und Fax. Im buchbaren Angebot ist auch ein Seminar- und Konferenzraum mit einer steuerbaren Beleuchtung und einem Beamer enthalten, so dass auch via Streaming konferiert werden kann. „In Zeiten unkalkulierbarer Auftragslage und der Ungewissheit, wohlmöglich morgen ganz woanders arbeiten zu müssen, bietet die Idee des Coworking Vorteile, die weit über das flexible Arbeiten hinausgehen“, sagte Gründer Grundmann. Der alternative Arbeitsplatz für Freiberufler verdeutliche den Zeitgeist modernen Arbeitens, weg von starren Strukturen, hin zu Flexibilität und beinhalte Kontakt, Inspiration und neue Motivation.

Der Trend zu den digitalen Netzwerk-Oasen kommt aus dem Silicon Valley, dem Kreativtal in Kalifornien, in dem Google und Facebook ihre weltverändernden Produkte entwickelten. Die ursprüngliche Idee: Offene Räume für offene Gedanken. Kleine Start-ups, Freie und Kreative finden eine inspirierende Arbeitsatmosphäre für ihre Ideen vor. Menschen aus unterschiedlichen Berufen können, zeitlich flexibel, in einem Raum zusammenarbeiten. Eine Heimat für digitale Nomaden. Da chatten der Webdesigner und der Texter von Tisch zu Tisch und haben plötzlich eine zündende Idee für ein gemeinsames Projekt oder helfen sich bei Problemen, die man allein nicht lösen kann – Coworking als Selbsthilfegruppe für Kreative. So jedenfalls die Theorie.

Tatsache ist: Immer mehr Menschen werden zu Freiberuflern. Waren es 1993 in Deutschland noch 533.000, stieg die Zahl 2013 auf 1,2 Millionen, die zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts erwirtschafteten. Zu den ersten Mietern des neuen Coworking Space in der Sebastianstraße, von denen es in Köln bereits mehrere gibt, gehören Sascha Foerster und Johannes Mirus. Die jungen Bonner beraten Unternehmen und Institutionen in Bonn bei der Nutzung sozialer Medien. „Bonn hat dieses Coworking Space dringend gebraucht. Vielen ist noch nicht bewusst, wie weit die digitale Innovation in Bonn schon fortgeschritten ist“, sagten die beiden, die ihre Tische erstmal für einen Monat gemietet haben. Im Preis inbegriffen ist auch die Kaffee-Flatrate – für die gute Laune. (Hans Peter Brodüffel)