Streit um Sichtschutz in Lessenich

Hauseigentümer streitet mit Stadt über Gartenzaun

Der große Garten von Alexander Schütze liegt an einer belebten Kreuzung an der Laurentiusschule. Die alte Baumreihe hat er entfernen lassen und dafür einen Zaun mit Sichtschutzelementen aus Kunststoff gezogen, zeigen er und Bruno Euskirchen (links im Bild).

Der große Garten von Alexander Schütze liegt an einer belebten Kreuzung an der Laurentiusschule. Die alte Baumreihe hat er entfernen lassen und dafür einen Zaun mit Sichtschutzelementen aus Kunststoff gezogen, zeigen er und Bruno Euskirchen (links im Bild).

Lessenich. Wer möchte in seinem eigenen Garten schon gerne wie auf dem Präsentierteller sitzen? Alexander Schütze auf jeden Fall nicht. Der 43-Jährige wohnt mit seiner Familie in Lessenich an der Kreuzung Bahnhofstraße/Meßdorfer Straße/Dompfaffenweg/ Oedekovener Straße.

Mit dem Bauordnungsamt der Stadt liegt er derzeit über Kreuz. Denn der Hauseigentümer hat im vorigen Jahr mehrere Bäume gefällt und einen neuen Zaun errichtet. Das Problem: In den Zaun sind PU-Bänder eingezogen, „damit keiner auf unser Grundstück schauen kann, wo meine Kinder spielen“, erklärt Schütz. „Diese PU- Bänder dienen als Schutz unser Privatsphäre.“

Doch der Stadt ist das ein Dorn im Auge: Im September kam ein Schreiben, in dem die Stadt sich auf Paragraf 12, Absatz 1, der Bauordnung beruft und mitteilt: Die Kunststoffbänder wirken störend und verunstaltend. Schütz müsse sie entfernen oder könne ersatzweise ja eine Hecke pflanzen. „Ich will aber keine Hecke haben, die ich dann auch pflegen muss“, sagt dieser. „Weshalb habe ich wohl die alten Bäume im vorigen Jahr entfernt?“

Dass er eine Baugenehmigung für einen Zaun gebraucht hätte, wusste Schütz nicht. Also hat er die verhängte Strafe von 180 Euro erst mal bezahlt und Einspruch eingelegt. Aber mit der Stadt, so beklagt er, sei nicht zu reden. Also redete Schütze mit seiner Nachbarschaft und hatte am Ende eine Unterschriftenliste zusammen. Auf ihr bestätigten die Lessenicher aus der Umgebung, dass der besagte Zaun sie nicht störe. „Hier hat keiner etwas gegen diesen Zaun“, bestätigt auch Bruno Euskirchen, der Lessenicher Ortsausschuss-Vorsitzende. „Im Gegenteil, das sieht schöner aus als vorher.“

Die Unterschriftenliste hat Schütze inzwischen an die Stadt Bonn geschickt, und zwar schon Ende Oktober. Gehört hat er seitdem nichts, außer dass vorige Woche ein Schreiben kam, in dem die Stadt mit dem Abriss des Zaunes droht.

Der Eindruck des Eigentümers: „Was hier passiert, ist reine Willkür. Mit der Stadt ist nicht zu reden.“ Dabei gebe es jede Menge Zäune, die so aussähen wie dieser. Müsse er am Ende des Streits tatsächlich die PU-Bänder entfernen, könne jeder, der an der Kreuzung warte, in den Garten sehen. Das sei besonders ärgerlich im Sommer, wenn der Pool dort stehe. Schütze: „Dann ist der Garten doch unbrauchbar.“

Für Euskirchen passt der Zwist irgendwie ins Bild. Auch bei der Umwandlung des früheren Feuerwehrhauses in eine Versammlungsstätte hakt es. „Die Nutzungsänderung ist immer noch nicht durch“, sagt er und weist darauf hin, dass die politische Zusage zum Ausbau als Veranstaltungsort schon seit 2014 bestehe. „Manche in der Verwaltung“, so Euskirchen, „benehmen sich ziemlich selbstherrlich. Da fehlt das Fingerspitzengefühl.“