GA-Serie "Bonner Köpfe"

Hans Langenbach wusch auch Königen den Kopf

Hans Langenbach sitzt in seinem Salon ausnahmsweise auf dem Stuhl, auf dem sonst seine Kunden zum Haareschneiden Platz nehmen.

Hans Langenbach sitzt in seinem Salon ausnahmsweise auf dem Stuhl, auf dem sonst seine Kunden zum Haareschneiden Platz nehmen.

Bonn. In dem kleinen Ladenlokal an der Adenauerallee hat sich seit der Eröffnung vor mehr als 50 Jahren nicht viel verändert: Inhaber und Friseurmeister Hans Langenbach (80) hat auf dem Stuhl Platz genommen, auf dem sonst seine Kunden sitzen.

Viele seiner Stammkunden kennt er bereits seit der Eröffnung. Die dunkelblau getupfte Metalltapete hängt noch immer an der langen Wandseite, die Wände zieren Meisterbrief und ein gerahmter, handgeschriebener Text „Der Balbierer“. Ein Geschenk einer Schwester zur Eröffnung. Neben dem Frisiertisch steht noch ein braunes Schnurtelefon. Im Hintergrund läuft leise Radiomusik.

Langenbach stammt aus einer „Friseurdynastie“, erzählt. Sein Vater, seine Schwester, sein Neffe und Schwager waren und sind ebenfalls Friseure. Geboren wurde er in Altenkirchen im Westerwald. Seine Ausbildung begann er im Alter von 13 Jahren bei einem Lehrling seines Vaters in Selters in der Nähe von Montabaur. Seine erste Stelle fand er im sauerländischen Schmallenberg. „Dann habe ich mir die Deutsche Friseurzeitung genommen, und mir meine erste Stelle im Ausland gesucht“, erinnert sich der 80-Jährige und lacht. Nach Stationen im Tessin und der Zentralschweiz kam er im Alter von 19 Jahren nach Bonn, ins Hotel Königshof, unweit seines heutigen Herrensalons.

Dort schnitt er vor allem der Prominenz aus Politik, Gesellschaft und Adel die Haare. Als 1957 dort der erste Presseball abgehalten wurde, machte Langenbach die Gäste für den Abend fein. „Als erster Kunde nahm Max Schmeling an diesem Abend auf meinem Stuhl Platz“ erinnert er sich. Viele weitere prominente Persönlichkeiten sollten folgen: der einstige Kanzler Willy Brandt oder der Schauspieler Georg Thomalla. Alle hat er in einem kleinen Büchlein mit Goldfassung eine Widmung eintragen lassen. „Meine Hände haben schon viele berühmte Leute behandelt“, erzählt er.

Ein Termin ist ihm dabei in besonderer Erinnerung geblieben. „Ich wurde um 6 Uhr früh aus dem Bett geholt, die Polizei stand vor der Tür.“ Der im Hotel Königshof residierende König Hussein von Jordanien sollte vor seinem Flug nach Düsseldorf noch frisiert werden. Die Polizei eskortierte Langenbach zum Hotel Königshof. Bevor er die royale Suite betreten durfte, wurde er von den Sicherheitskräften durchsucht. Eine Routine, an die er sich in den folgenden Berufsjahren gewöhnt hat. „Ein bisschen nervös war ich da schon“, gesteht er. Für seinen Einsatz bekam er ein „königliches Trinkgeld“. Er rief zwei Kollegen an, das Trinkgeld wurde entsprechend beim Frühschoppen investiert.

1963 übernahm Langenbach die Leitung eines großen Salons in der Innenstadt mit 20 Angestellten. Nach vier Jahren macht er sich schließlich selbstständig und bezog den Salon an der Adenauerallee. Wer heute auf der gepolsterten Wartebank Platz nimmt, der schaut unweigerlich auf die überdimensional große Karikatur eines glatzköpfigen Mannes an der Wand des Herrensalons. „Um en Haar hatt ich en plät gehabt“, steht darunter geschrieben. Es ist das Werk eines Siegburger Künstlers, das Langenbach ihm nach einer Veranstaltung abkaufte. Eine gehörige Portion Selbstironie schwingt hier mit.

Gleich, ob royaler Kunde oder einfacher Bürger, für jeden seiner Kunden nimmt er sich Zeit. „Dann gehe ich auch nicht ans Telefon, wenn ich Kundschaft habe“, sagt er. „So haben Sie Kunden für immer“, sagt er, „das Individuelle muss bleiben – bis zum letzten Haarschnitt.“ Heute steht Langenbach für seine Stammkundschaft immer noch bis zu zehn Stunden am Tag an fünf Tagen die Woche im Salon. „Dass lässt die Kundschaft nicht zu, dass ich weniger stehe“, sagt Langenbach, der mit seiner Partnerin in Ippendorf lebt.