Bonner Hauptbahnhof

Großbaustelle "Urban Soul" schreitet voran

Bonn. Auf der Großbaustelle von „Urban Soul“ lassen sich Fortschritte nahezu täglich beobachten. Im Erdgeschoss werden ein Möbelgeschäft und ein Café einziehen.

Wer später einmal in einem der 235 Zimmer im neuen Motel One am Hauptbahnhof übernachtet, wird es kaum merken: Das Bad war schon drin, bevor der Rohbau stand. Kein Witz, wie Bastian Julius am Montag auf der Baustelle von „Urban Soul“ auf dem sogenannten Nordfeld erklärte.

Der Chef der Projektentwicklungsgesellschaft des Düsseldorfer Investors „die developer“ zeigt mit dem Finger auf einen großen Betonblock im ersten Stock des künftigen Hotels. „Da drin befindet sich eines der Bäder“, sagt er. In nur anderthalb Monaten haben die Bauarbeiter das erste Geschoss hochgezogen. Vier weitere sollen im selben Tempo folgen.

Auch vis-à-vis dem Maximilian-Center wächst das künftige „Lifestyle-House“ an der Poststraße, in dem unter anderem ein Fitness-Center Platz finden wird. Der Rohbau des Büro- und Parkhauses auf der anderen Straßenseite, unmittelbar an Gleis 1 gelegen, hat sogar schon seine volle Höhe erreicht.

Büro- und Parkhaus haben ihre volle Höhe schon erreicht

Voraussichtlich im Frühjahr 2020 können Julius zufolge das Parkhaus mit 260 öffentlichen und 40 privaten Parkplätzen sowie das Büro- und Geschäftsgebäude mit rund 4500 Quadratmetern Nutzfläche in Betrieb genommen werden. Im Erdgeschoss werden ein Möbelgeschäft und ein Café einziehen, verriet Julius.

Die beiden gegenüberliegenden Gebäude sollen in den darauffolgenden Monaten fertiggestellt werden. Mit der Eröffnung des Hotels rechnet Julius allerdings erst Ende 2020. Also nicht – wie einst erhofft – rechtzeitig zum Beethoven-Jubiläumsjahr. Denn unabhängig von den von einer Firma aus Slowenien fix und fertig montierten Bädern bleibt beim Innenausbau noch viel zu tun.

„Bisher haben wir die meiste Zeit unter der Erde verbracht“, sagte Julius. Jetzt endlich, nach vielen Monaten schwieriger Abbruch- und Gründungsarbeiten gehe es mit dem „Urban-Soul“-Projekt aufwärts, seien die städtebaulichen Konturen der drei zum Projekt zählenden Gebäude deutlich sichtbar, freuen sich Bastian Julius und Projektleiter Ronald Pietsch.

Kostenstreit mit der Stadt Bonn

Beide sprechen von einer „Operation am offenen Herzen“, als sie an die Probleme bei der Ertüchtigung des unter dem Gebäudekomplex liegenden U-Bahn-Bauwerks und bei den Abbrucharbeiten erinnern. „Das waren schon sehr aufwendige Arbeiten“, betonte Julius – und sie waren deutlich aufwendiger und kostenträchtiger als geplant: Die Stadt Bonn sieht sich als vorherige Eigentümerin des Grundstücks mit einer millionenschweren Nachforderung des Düsseldorfer Investors „die developer“ konfrontiert.

So macht der Investor rund zehn Millionen Euro mehr als im Kaufvertrag vereinbart an sogenannten Residualkosten geltend. Dabei handelt es sich um Restkosten – etwa zur Beseitigung von Altlasten –, die der Käufer am Ende von der Kaufsumme wieder abziehen kann. Vertraglich vereinbart waren bei einer Kaufsumme von 23 Millionen Euro 4,3 Millionen Euro Residualkosten.

Jetzt sollen 14,3 Millionen Euro fällig werden. Julius: „Wir sind diesbezüglich im Dialog mit der Stadt Bonn und werden alle erforderlichen Unterlagen offenlegen.“ Auf die Frage, warum die Probleme nicht vorher zu erkennen gewesen seien, zumal die Baupläne für die U-Bahn vorgelegen hätten, erklärte er: Unter anderem habe nicht alles, was man an Ort und Stelle vorgefunden habe, den Inhalten der Pläne entsprochen.

Streitpunkt Fassadengestaltung

Ein wesentlicher Bestandteil der Planungen für „Urban Soul“ ist die Fassadengestaltung, über die die Meinungen ja auseinandergehen. Kommunalpolitiker befürchten, die Klinkersteine für das „Livestyle House“ seien zu dunkel und harmonierten nicht mit der hellen Fassade des Maximilian-Centers. Diese Sorge versuchten Julius und Pietsch den Politikern mit großformatigen Musteransichten zu nehmen.

Alles in allem ist Julius mit dem Zeit- und Kostenplan zufrieden, auch wenn man aufgrund der vorherigen Tiefbauarbeiten etwas in Zeitverzug geraten sei. Bei rund 100 Bauarbeitern, die im Durchschnitt täglich auf der Baustelle zugange seien, hoffe er, nun im Zeitplan bleiben zu können.