Pläne zum Viktoriakarree

Grüne distanzieren sich

Die Stadt will das Viktoriakarree im Herzen Bonns zügig entwickeln.

BONN. Die Grünen haben sich von den Plänen zum Viktoriakarree distanziert und damit Irritationen auch beim bisherigen Koalitionspartner CDU ausgelöst.

Sie seien "strikt" gegen die Pläne eines Investors, der das Gelände des Viktoriabades und große Teile der Rathausgasse und Stockenstraße neu bebauen will - mit einer "überdimensionierten Shoppingmall", wie die beiden Planungspolitiker der Grünen, Rolf Beu und Hartwig Lohmeyer, in einer Pressemitteilung schreiben. Alle Stadtratsfraktionen außer den Grünen würden die Pläne einer "Kahlschlagsanierung, wie sie Bonn seit den 1970er-Jahren nicht mehr erlebt hat, unterstützen", heißt es weiter.

Lohmeyer betonte, den Grünen sei sehr daran gelegen, "altstadttypische Kleinteiligkeit, das studentische Flair und die Wohnfunktion des Viertels zu bewahren". Nun hoffe man auf eine breite Beteiligung der Bevölkerung, "bevor ein weiteres Stück der historischen Innenstadt dem Profitinteresse von auswärtigen Investoren zum Opfer fällt".

Einen neuen Stand gebe es nicht, heißt es verwundert aus dem Stadthaus. Beschlusslage sei nicht nur, dass gutachterlich gestützt im Viktoriakarree 15.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche verkraftet werden können. Zudem befinde man sich gerade in der Ausschreibungsphase.

Das Areal mit den städtischen Immobilien sei ja mit etlichen Eckpunkten ausgeschrieben worden, so Marc Hoffmann vom Presseamt. "Dabei werden von den Bietern Angebote gewünscht, die zentrentypische Nutzungen vorsehen: Einzelhandel, Büros, Wohnungen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Wellness, Gastronomie oder Markthalle. Es ist nicht zwingend, vorwiegend Einzelhandel vorzusehen", so Hoffmann.

Von historischer Bausubstanz könne zudem bei der Mitte der 1960er-Jahre entstandenen Bausubstanz wohl auch kaum die Rede sein. Hoffmann: "Dem unter Denkmalschutz stehenden Glasfenster des Viktoriabades wird Rechnung getragen. Unter dem Punkt »Anpassung an die umliegenden Denkmäler Viktoriakarree« wird im Exposé zur Ausschreibung ausdrücklich ein verträgliches Nebeneinander zu den Denkmälern sowie eine Fassadengliederung angelehnt an die ehemals vorhandene kleinteilige Parzellenstruktur gefordert."

Irritiert zeigte sich auch der CDU-Stadtverordnete und Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, Guido Déus. Die Erklärung der Grünen widerspreche "unserer interfraktionell einvernehmlich gefassten Beschlussfassung", erklärt Déus via Facebook. Der ganze Tenor der Pressemitteilung sei "Blödsinn".

Denn: Im Konzept würden ja viele Wünsche aus der Politik aufgegriffen, angefangen von der Einbindung der Philologischen Bibliothek der Uni über die Verlagerung der Einfahrten der Marktgarage und der neuen im Viktoriakarree vor dem Stockentor sowie weitere Verkehrsberuhigungen. Déus: "Ich dachte, wir wären gemeinsam weiter.