WCCB-Prozess

Friedhelm Naujoks angeklagt

Wegen vielfachen Betruges angeklagt: Friedhelm Naujoks.

BONN. Im Skandal um das Bonner World Conference Center (WCCB) hat die Bonner Staatsanwaltschaft nun auch gegen den früheren Chef des Städtischen Gebäudemanagements (SGB) der Stadt Bonn, Friedhelm Naujoks, Anklage wegen vielfachen Betruges und Untreue im besonders schweren Fall erhoben.

Mit ihm und wegen derselben Vorwürfe angeklagt wurde der frühere WCCB-Bauchef Young Ho Hong. Und auch zwei Mitarbeiter von Naujoks sollen sich mit vor der Bonner Wirtschaftsstrafkammer verantworten: der eine ebenfalls wegen Betruges und Untreue im besonders schweren Fall, der andere wegen besonders schwerer Untreue. Das teilte gestern Oberstaatsanwalt Fred Apostel mit. Mit dieser Anklageerhebung hat die Staatsanwaltschaft nun nach dreijähriger Ermittlungsarbeit, der Durchsuchung von 41 Objekten und der Vernehmung von 101 Zeugen den Fall WCCB offiziell abgeschlossen.

Wie Apostel erklärte, wirft sie den vier Beschuldigten nun vor, im "wechselnden Zusammenspiel" und mit insgesamt 29 Tathandlungen einen Gesamtschaden von 30 Millionen Euro angerichtet zu haben: So sollen Naujoks und seine Mitarbeiter mit bewusst unrichtigen Testaten, wonach die von Hong vorgelegten Baukosten auskömmlich und die Finanzen gesichert seien, dafür gesorgt haben, dass mehr als 25 Millionen Euro Landesmittel aufs WCCB-Baukonto flossen. Laut Apostel geschah dies in Abstimmung mit den bereits angeklagten städtischen WCCB-Beauftragten Arno Hübner und Eva-Maria Zwiebler.

Der fürs Controlling zuständige Naujoks soll darüber hinaus die von Hong gestellten Rechnungen, die entweder nichts mit dem Bau zu tun hatten oder auch doppelt gestellt wurden, durchgewunken und damit laut Anklage 4,3 Millionen Euro Schaden angerichtet haben.

Wie hoch der mittels Betrug und durch Plünderung der Baukasse angerichtete Schaden tatsächlich ist, ist laut Apostel kaum ermittelbar. Deshalb habe man im jetzigen letzten WCCB-Komplex die Anklage aus Gründen der Prozessökonomie auf die Fälle beschränkt, die durch die bisher erlangten Beweise sicher belegt werden könnten.