Fahrradklimatest

Fahrradfreundliche Städte: Bonn schafft es nur ins Mittelfeld

Viele Radfahrer kritisieren den ungenügenden Ausbau der Wege in der Region.

Bonn. Münster bleibt top, Bonn kommt gerade einmal ins Mittelfeld und Köln ist völlig unbeliebt. Der Allgemeine Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) hat Deutschlands Radfahrer noch den beliebtesten Städten für Radler gefragt. Mehr als 100.000 Radler bewerteten insgesamt 439 Kommunen nach ihrer Attraktivität für Pedalentreter. Die Ergebnisse für Bonn und die Region fallen eher bescheiden aus.

Bonn belegte in der Großstadt-Kategorie (Städte über 200.000 Einwohner) einen Platz im Mittelfeld. Die Stadt erhielt eine 3,9er-Benotung und verlor im Vergleich zur 2012er-Umfrage vier Plätze. 2012 hatten die Bonner noch die Note 3,8 für ihre Stadt vergeben. Köln landete in derselben Kategorie fast am Ende und holte gerade einmal Platz 36 von 39 teilnehmenden Großstädten.

Insbesondere Rheinbach und Bergisch Gladbach erhielten schlechte Bewertungen und erreichten in ihrer Stadtgrößenklasse jeweils den vorletzten Platz. Bundesweit am besten schnitt einmal mehr die Stadt Münster ab. Aus der Region erhielt Meckenheim die beste Benotung, die Radfahrer hier gaben der Stadt eine Gesamtbewertung von 2,78. Insgesamt 27 Kategorien rund ums Radfahren in den Städten hatten die Abstimmenden nach dem Schulnoten-Prinzip bewertet.

Unzufrieden sind Bonns Radfahrer laut ADFC vor allem generell mit der Fahrradförderung in jüngster Zeit, mit der Fahrradmitnahme in Busen und Bahnen und dem fehlenden Fahrradverleihsystem. Annette Quaedvlieg, Vorsitzende des ADFC Bonn/Rhein-Sieg, wundert sich nicht über das nur mittelmäßige Ergebnis für Bonn: "Die Note von nur 3,9 ist eine Ohrfeige für die Mutlosigkeit, die sich in der Stadt breit macht. Derzeit trauen sich die Politiker nicht einmal mehr, die Einbahnstraßen in großem Rahmen zu öffnen", so Quaedvlieg.

Dass es Bonn immer noch nicht gelungen ist, ein geschlossenes Radverkehrsnetz anzulegen und es gerade an Kreuzungen immer noch gefährlich ist, schlage sich in erneut schwächeren Bewertungen durch die Radfahrer nieder. "Fahrradfreundlichkeit ist ein guter Gradmesser für die Lebensqualität in einer Stadt – deshalb macht es uns Sorgen, dass sich die Bonner auf dem Rad nicht wohler fühlen", sagte Quaedvlieg. Schon mit kleineren Maßnahmen ließe sich die Situation deutlich verbessern, beispielsweise durch mehr für Radfahrer geöffnete Einbahnstraßen, mehr Tempo-30-Zonen, verbesserten Winterdienst für Radwege und radfahrerfreundlichen Lösungen an Baustellen.

Alle Daten im PDF-Format

Der ADFC hatte bundesweit sämtlichen Kommunen die Fragebögen zur Verfügung gestellt und um Veröffentlichung auf den städtischen Websites gebeten. Um in die Auswertung zu gelangen, war eine Mindestteilnehmerzahl nötig. Städte und Gemeinden bis 100.000 Einwohner brauchten mindestens 50 Teilnehmer, bei bis zu 200.000 Einwohnern waren es 75 und bei mehr als 200.000 Einwohnern waren 100 Teilnehmer notwendig. 2012 kamen 332 Städte und Gemeinden in die Bewertung.

Mehr zur Umfrage lesen Sie in der Freitagsausgabe des General-Anzeigers!

Interessante Platzierungen und Benotungen aus dem Rheinland:

Stadt Note Platz
Alfter**** 4,12 248 (von 292)
Bergisch Gladbach** 4,65 36 (von 37)
Bonn* 3,9 18 (von 39)
Bornheim**** 4,2 263 (von 292)
Dormagen*** 3,05 (5 von 100)
Euskirchen*** 3,81 50 (von 100)
Hennef (Sieg)**** 3,96 207 (von 292)
Hürth**** 4,17 88 (von 100)
Köln* 4,29 36 (von 39)
Lohmar**** 3,4 83 (von 292)
Meckenheim**** 2,78 9 (von 292)
Neuss** 3,9 21 (von 37)
Niederkassel**** 3,71 152 (von 292)
Rheinbach**** 4,94 291 (von 292)
Sankt Augustin*** 3,86 56 (ovn 100)
Siegburg**** 4,12 248 (von 292)
Troisdorf*** 3,35 14 (von 100)

Vier Kategorien:

*<200.000 Einwohner
**100.000-200.000 Einwohner
***50.000-100.000 Einwohner
****50.000 Einwohner

Bundesweite Ergebnisse in der interaktiven Karte