Gewässer in Bonn und der Region

Fünf Minuten im kalten Wasser können zu lang sein

BONN. Die Bonner Feuerwehr hat 2012 auf dem fast zugefrorenen Rheinauensee den Ernstfall geübt und warnt davor, zugefrorene Seen zu betreten.

Jan Kaminski steht auf dem fast zugefrorenen Rheinauensee. Er springt auf und ab, testet die Tragfähigkeit es Eises. Dann nimmt er eine Axt und schlägt ein Loch in die Eisdecke. Das Werkzeug weggebracht, tief Luft geholt - und Kaminski steigt in den See. Gefährlich ist das für ihn nicht. Er ist Feuerwehrmann, trägt einen Überlebensanzug und seine Kollegen sichern ihn am Montagabend bei der Übung mit einem Seil.

Doch selbst in dem Spezialanzug kann es kalt werden. Eine halbe Stunde hält man es in dem ungefähr vier Grad kalten Wasser aus, sagt Albert Lehmann. "Ohne Anzug sind es fünf, maximal zehn Minuten", warnt der Einsatzleiter. David Unkels und Uli Munescu-Brück eilen ihrem Kollegen deswegen schnell zu Hilfe.

Unkels bewegt sich langsam auf das Loch zu, zieht Kaminski zum Teil aus dem eiskalten Wasser heraus. Munescu-Brück kommt direkt hinterher. Auf einem umgebauten Surfbrett, unterstützt von Eispickeln, schiebt er sich vorwärts. Bei dem "Eingebrochenen" angekommen, ziehen ihn die Feuerwehrmänner auf das Brett, die Kollegen an Land bringen sie per Seil ans Ufer.

Wie kalt es im Wasser werden kann, das weiß Ilse Sammt aus Erfahrung. Die heute 74-Jährige steht mit ihrer Familie am Ufer, beobachtet neugierig die Feuerwehrübung. "Ich bin mit elf Jahren einmal eingebrochen", erzählt sie. Es war nach dem Nachsitzen, niemand war mehr da. Aber sie hatte Glück: Eine Putzfrau hatte alles beobachtet und sie mit einem Besen aus dem eiskalten Wasser gezogen.

Glück hatten auch zwei Bonner: Vor zwei Jahren war ein Junge mit seinem Fahrrad in einen See in Röttgen eingebrochen. Im gleichen Jahr gab die Eisdecke im 3,50 Meter tiefen Teich des Japanischen Gartens nach. Beide konnten gerettet werden, bevor die Feuerwehr eintraf.

Doch so viel Glück hat nicht jeder. Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft kann der Verunglückte bereits nach wenigen Minuten unterkühlen, die Kräfte schwinden. Zusammen mit dem Abtrieb schwerer Winterkleidung führe dies schon in wenigen Minuten zum Ertrinken.

Um einigermaßen sicher zu sein, sollte laut DLRG die Eisdecke bei stehenden Gewässern mindestens 15 Zentimeter, bei Bächen und Flüssen 20 Zentimeter dick sein. Ein Eisstück, das Kaminski vom Rheinauensee mitgebracht hat, ist circa zehn Zentimeter dick.

Die Stadt warnt davor, den Rheinauensee zu betreten. Rund um den See befänden sich sieben Wasserzuläufe, dort sei das Wasser ständig in Bewegung, die Eisschicht sehr brüchig. Die Warnung, die auch auf Schildern zu lesen sei, gelte auch für andere stehende Gewässer in Bonn.

Tipps zur (Selbst-)Rettung:

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft warnt vor zu dünnen Eisflächen. Zahlreiche Eiseinbrüche, häufig mit tödlichem Ausgang, beweisen, wie trügerisch das Eis ist, so die Experten, die einige Tipps zur (Selbst-)Rettung parat haben.

  • Wenn das Eis knistert und knackt, sollte man sich am besten flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen. Dann sollte man die Arme ausbreiten und sich auf dem Bauch liegend vorwärts oder rückwärts in Richtung Ufer bewegen.
     
  • Wer eingebrochen ist, sollte die dünnen Eisschichten abbrechen. Ist das Eis wieder dicker und tragfähig, sollte man sich auf die Eisfläche schieben oder rollen und in Bauch- oder Rückenlage zum Ufer kriechen.
     
  • Wer einem Eingebrochenen helfen möchte, sollte eine Unterlage wie eine Leiter, einen umgedrehten Schlitten oder Bretter verwenden, um das Gewicht besser zu verteilen. Eine quer über die Einbruchstelle gelegte Unterlage erleichtert die Rettung.